St. Gallen

Aus beliebter Sommerbuvette wird Hühnerhaus

Marino Walser
Marino Walser

Stadt St. Gallen,

St. Gallen macht, was St. Gallen kann: Aus einer beliebten Sommerbuvette im Stadtpark soll ein pädagogisches Hühnerhaus werden.

Vogelvoliere
Die ehemalige Vogelvoliere als Sommerbuvette ist gut besucht. Dennoch wird es ab 2029 im Stadtpark einen Hühnerstall in XXL-Format geben. Dazu ein Hofladen mit Selbstbedienungskonzept. - sro

Wer dieser Tage im Stadtpark an der Voliere vorbeispaziert, trifft auf ein belebtes Bild: Die Sommerbuvette des Vereins «Voliere im Park» zieht Gross und Klein an, das Publikum geniesst Schatten, Getränke und Stadtparkflair.

Es läuft gut. Vielleicht zu gut für St. Gallen. Denn wie das Hochbauamt der Stadt St. Gallen mitteilt, entsteht im Frühsommer 2029 dort ein Hühnerstall.

Aus zwölf Bewerbungen wählte das Beurteilungsgremium das Projekt «Maison des oeufs» des Vereins Grünes Gallustal als «überzeugendste Eingabe» aus. Was das konkret bedeutet: Wo heute Bier fliesst, sollen künftig Hühner gackern.

Auch Nachfrage der St. Galler Nachrichten gibt Christof Helbling, Leiter Hochbauamt, zu: «Wir waren überrascht, dass kein Gastronomiekonzept, welches der jetzigen Buvette ähnelt, eingereicht wurde.»

Das Voliere-Gebäude im Stadtpark erhält eine neue Bestimmung: es wird ein Hühnerstall.
Das Voliere-Gebäude im Stadtpark erhält eine neue Bestimmung: es wird ein Hühnerstall. - Visualisierung: Stadt St. Gallen

Aus den eingereichten Konzepten wurde schlussendlich das Beste ausgewählt, ergänzt Helbling. Und warum haben die jetzigen Betreibenden der Voliere kein Konzept eingereicht?

Auf Anfrage sagt Lukas Hofstetter: «Wir haben es uns überlegt. Aber 2029 bis 2034 war uns, angesichts der Vorbereitung für die Zwischennutzung und des engen Zeitplans des städtischen Wettbewerbs, zu weit weg. Deshalb haben wir entschieden, unsere ganze Energie lieber in die nächsten drei Jahre der Zwischennutzung zu stecken», sagt Lukas Hofstetter, Mitbetreiber Zwischennutzung Voliere.

Tierfutter statt Drinks

Das neue Konzept ist so vollständig durchdacht, wie es klingt. Geplant sind ein Hühnerstall, ein Schulungsraum für Futteraufbereitung, eine Küche mit Lager – und selbstverständlich ein Hofladen im Selbstbedienungsprinzip.

Neben Eiern sollen dort auch Vogelfutter und Setzlinge von lokalen Bauernhöfen erhältlich sein. Der angrenzende Ententeich wird zu einem «biodiversitätsfördernden Wassergarten» umgestaltet. Wer jetzt an einen lauschigen Biergarten denkt, liegt falsch.

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Der Betrieb wird durch einen Verein sichergestellt. Ergänzend übernehmen benachbarte Schulen Aufgaben im Hühnerhaus und werden aktiv in die pädagogischen Angebote eingebunden, heisst es weiter.

Jury lobt Projekt

Die Jury lobt das Projekt in den höchsten Tönen: «Naturnaher und gemeinschaftsbildender Ansatz», «Verankerung im Quartier», «vielfältige Zusammensetzung des Projektteams».

Und vor allem: «Der Fokus liegt nicht auf kommerziellem Nutzen.» So ist es aus der Medienmitteilung zu entnehmen.

Zunächst aber: noch mehr Bar

Die gute Nachricht für die vielen Besucherinnen und Besucher der aktuellen Voliere lautet: Bis 2028 darf die Buvette bleiben. Der Verein «Voliere im Park» betreibt das Gebäude in diesen Jahren als Zwischennutzung.

Ab Herbst 2028 beginnen dann die Sanierungs- und Umsetzungsarbeiten. Die Eröffnung des «Maison des oeufs» ist für Frühsommer 2029 vorgesehen.

Huhn
Wo heute Bier fliesst, sollen künftig Hühner gackern. (Symbolbild) - Depositphotos

Das Stadtparlament spricht vorher noch über den Kredit. Auch das gehört zum Prozess.

Ein Zeitdokument mit Hühnern

Das Gebäude selbst hat Geschichte. Der Architekt Paul Trüdinger baute es 1938 anlässlich der Gartenbauausstellung, schreibt das Hochbauamt in der Mitteilung. Es steht heute unter Denkmalschutz, gilt als Zeugnis des «Neuen Bauens» und wurde 1991 aufwendig restauriert.

Die baulichen Anpassungen für das Hühnerhaus sollen «behutsam» erfolgen. Der architektonisch bedeutende Pavillon soll «in seiner Wirkung erhalten bleiben und nicht durch neue Elemente beeinträchtigt werden».

Doch ein Hühnerstall scheint diesem hohen Anspruch offenbar in geradezu mustergültiger Weise zu entsprechen.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

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