Badhütte-Wiederaufbau sorgt für Diskussionen

Der Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte beschäftigt die Öffentlichkeit und sorgt auch in Rorschacherberg für politische Diskussionen.

Kaum ein regionales Projekt hat in den vergangenen Wochen so viele Diskussionen ausgelöst wie der geplante Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte. Besonders der Entscheid des Gemeinderats Rorschacherberg, sich vorerst nicht finanziell am Projekt zu beteiligen, sorgte für Reaktionen – sowohl in der Bevölkerung als auch in den Nachbargemeinden.
Die «Bodensee Nachrichten» wollten deshalb von den Kandidierenden für den Gemeinderat Rorschacherberg wissen: Wie stehen sie zum Entscheid des heutigen Gemeinderats?
Und würden sie sich – falls sie am 27. September gewählt werden – für einen Rückkommensantrag oder eine erneute Prüfung einer finanziellen Beteiligung einsetzen? Die Antworten der Kandidierenden veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut.

Birgit Akermann (FDP): Die Badhütte gehört für mich zu unserer Region, sie ist ein Stück Geschichte, Identität und stellt eine Verbundenheit mit anderen Gemeinden dar.

Sie ist auch ein Wahrzeichen, dessen Bedeutung über die Stadt Rorschach hinausgeht und von dessen Wiederaufbau die gesamte Region profitieren kann. Deshalb bin ich dafür, dass sich auch Rorschacherberg in einem finanziell verantwortbaren Rahmen am Wiederaufbau beteiligt. Wenn es sich um einen höheren Betrag handelt, sollte dies in der Bürgerversammlung besprochen und darüber abgestimmt werden.
Sollte ich am 27. September in den Gemeinderat gewählt werden, werde ich mich dafür einsetzen, dass eine Beteiligung nochmals geprüft wird, und wenn nötig einen Rückkommensantrag stellen. Für mich gehören regionale Solidarität und ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Gemeindefinanzen zusammen.
Dominique Baumgartner (parteilos): Es tat mir Ende 2024 weh, zu erfahren und zu sehen, dass die Badehütte abgebrannt war. Als Privatperson würde mich ein baldiger Wiederaufbau freuen. Jedoch hat sich der Rorschacherberger Gemeinderat nicht gegen eine Beteiligung entschieden, sondern möchte für die Entscheidfindung genaue Informationen bezüglich der angefragten Geldgeber.

Vor dem Hintergrund einer angespannten Finanzlage scheint mir das angezeigt und Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit öffentlichen Mitteln. Auch wir haben mit dem Seeuferweg ein regional bedeutsames Infrastrukturprojekt ähnlicher Grösse.
Dennoch schliesse ich eine Beteiligung bei Vorliegen der entsprechenden Zahlen nicht aus. Ein Rückkommensantrag ist nicht nötig, da wie oben erwähnt der Gemeinderat nicht Nein gesagt hat. Die Stiftung kann einen Antrag mit offengelegten Zahlen stellen.
Stefan Beerli (SVP): Das hat der aktuelle Gemeinderat vom Rorschacherberg so entschieden und das ist auch zu akzeptieren. Von dieser medialen Kampagne distanziere ich mich. Falls ich gewählt würde, wäre ich bestimmt nicht der, der einen Rückkommensantrag gegen einen «alten» Ratsbeschluss stellen würde.

Und falls es dann mit der neuen Zusammensetzung des Rates wieder zum Thema würde, müsste das vielleicht nochmals diskutiert werden.
Anja Herzog (Die Mitte): Der Gemeinderat hat kommuniziert, dass er sich «vorerst» nicht an der Badhütte beteiligt. Es braucht für Ausgaben in dieser Grössenordnung fundierte Entscheidungsgrundlagen für eine Gesamtbeurteilung. Mir ist es ein Anliegen, dass der Gemeinderat Möglichkeiten sucht und ausschöpft, damit sich der Rorschacherberg am Wiederaufbau der Badhütte beteiligen kann.

Ich habe mich an der Podiumsdiksussion vom 25. August bereits für eine Unterstützung an die Badhütte ausgesprochen und werde mich entsprechend einsetzen. Am Ende muss der Gemeinderat hinter einem gemeinsamen Entscheid stehen.
Stefanie Krebs (SP): Ich bedaure den Entscheid der Gemeinde Rorschacherberg, hier nicht die Chance ergriffen zu haben, ein Zeichen für die regionale Zusammenarbeit gesetzt zu haben. Ein solches Zeichen ist bereits bei der Renovierung des Strandbades verpasst worden, um zum Beispiel Familien eine vergünstigte Saisonkarte zum Einheimischentarif zu ermöglichen.

Ich akzeptiere die Entscheidung des bisherigen Gemeinderats, wie meiner Meinung nach auch bisherige Abstimmungen etc. weiterhin Gültigkeit haben sollten.
André Uttenweiler (FDP): Zwar hat der Gemeinderat eine Beteiligung nicht kategorisch abgelehnt, jedoch durch seine Kommunikation diesen Eindruck vermittelt und es versäumt, ein Zeichen für die regionale Zusammenarbeit und die Bedeutung der Badhütte zu setzen.
Ich hätte dafür geworben, zunächst einen kleineren finanziellen Beitrag zu leisten, um den Unterstützungswillen der Gemeinde zu verdeutlichen. Einen weiteren, grösseren Beitrag hätte ich davon abhängig gemacht, wie sich die Finanzierung des Gesamtprojekts entwickelt und hätte die Einwohner bei der nächsten Bürgerversammmlung hierüber abstimmen lassen.

Ich würde mich als neu gewähltes Gemeinderatsmitglied dafür einsetzen, dass der Entscheid erneut behandelt wird. Als Finanz- und Risikoexperte möchte ich wissen, welche Beiträge verbindlich zugesichert sind, wie gross die verbleibende Finanzierungslücke ist und wie Rorschacherberg eine grössere Beteiligung finanzieren könnte.
Wie erwähnt würde ich dafür werben, einen kleineren Betrag als Zeichen der regionalen Zusammenarbeit zu leisten und einen weiteren, Beitrag von der Zustimmung der Bürgerschaft abhängig zu machen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.









