Graubündner Hotel wies Gäste ab: «Vermieten keine Zimmer an Juden»

Auch 2025 verharrt die Anzahl antisemitischer Vorfälle in der Schweiz auf hohem Niveau. Das sei für die jüdische Bevölkerung eine Dauerbelastung.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl antisemitischer Vorfälle im Internet stieg 2025 um 37 Prozent auf fast 2200.
- Im Alltag gingen gemeldete Vorfälle um rund ein Fünftel auf 177 Fälle zurück.
- In einem Graubündner Hotel kam es zu einem Antisemitismus-Fall
Die Anzahl antisemitischer Vorfälle in der Schweiz ist im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau geblieben.
Während in der realen Welt ein Rückgang zu verzeichnen war, registrierte der Israelitische Gemeindebund eine starke Zunahme von Online-Antisemitismus.
Im Internet wurden im Berichtsjahr fast 2200 Vorfälle erfasst. Das ist dem Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) zu entnehmen.
Im Jahr zuvor waren es rund 1600. Das entspricht einer Zunahme um 37 Prozent.
Zwei Drittel und damit der grösste Teil der Online-Vorfälle entfiel dem Bericht zufolge auf die Nachrichtenplattform Telegram. Gefolgt von den Kommentarspalten von Online-Zeitungen.
Auf allen grossen Social-Media-Plattformen seien antisemitische Inhalte zu finden gewesen. Inhaltlich dominierten antisemitische Verschwörungstheorien mit einem Anteil von 42 Prozent.
Hemmschwelle ist online kleiner
«Ein Teil der Erklärung liegt sicher in den sozialen Medien selbst», begründet SIG-Präsident Ralph Friedländer den Anstieg bei «CH Media».
Algorithmen würden dafür sorgen, dass sich sogenannte Bubbles bildeten und Menschen sich gegenseitig bestärkten. Zudem sei die Hemmschwelle online wegen der Anonymität kleiner.
«Diese Dynamik wird von Triggerereignissen wie dem Nahostkonflikt zusätzlich verstärkt», sagt Friedländer.

Nach dem Waffenstillstand in Gaza sei der Anteil der Vorfälle mit direktem Bezug zu Nahost zurückgegangen. Aufgrund des Iran-Kriegs drohe wieder ein Anstieg. Zahlen dazu gebe es noch nicht.
«Wir vermieten keine Zimmer an Juden»
In der «realen Welt» sind die Vorfälle 2025 verglichen mit dem Vorjahr um rund ein Fünftel auf 177 zurückgegangen. Gemeldet wurden fünf Tätlichkeiten, 42 Beschimpfungen, 80 antisemitische Aussagen und 28 Schmierereien.
Vor der Veröffentlichung des Antisemitismusberichts noch nicht bekannt war ein Fall aus dem Kanton Graubünden, wie die «Südostschweiz» berichtet.

Ein Hotel in einem Davoser Seitental soll demnach jüdische Gäste abgewiesen haben. Eine Mitarbeiterin des Hotels soll gegenüber den Gästen offen gesagt haben: «Wir vermieten keine Zimmer an Juden.»
Laut Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), ist der Vorfall sogar mit einem Handyvideo dokumentiert worden.
Israls Krieg war wichtigster Auslöser
Eine Rückkehr zum Niveau vor dem 7. Oktober 2023 sei nicht erkennbar, heisst es weiter. Zum Vergleich: Im Berichtsjahr 2022 registrierte der SIG – exklusive online – 57 antisemitische Vorfälle.
Der Krieg im Nahen Osten sei übergreifend der wichtigste Auslöser geblieben. Online bei rund einem Viertel der Inhalte, in der realen Welt bei mehr als einem Drittel.

Die hohe Anzahl der Vorfälle wirke sich auf das Sicherheitsgefühl und die gesellschaftliche Teilhabe jüdischer Menschen in der Schweiz aus.
Es wird davor gewarnt, dass Politik und Gesellschaft ein gewisses Mass an Antisemitismus als normal oder unvermeidbar hinnehmen würden. «Einer solchen Entwicklung muss entschieden entgegengetreten werden.»






