Häggenschwil SG: Eine einzige Stimme verhindert Bau von Sporthalle

In Häggenschwil SG scheitert die neue Mehrzweckhalle an einer einzigen Stimme. Selbst eine Stimmenzählerin konnte es am Tag danach kaum glauben.

Das Wichtigste in Kürze
- In Häggenschwil SG scheiterte die neue Mehrzweckhalle mit 335 zu 336 Stimmen
- Befürworter wollen nochmals abstimmen, Gegner sprechen von Zwängerei.
- Die Halle hätte über 9 Millionen Franken gekostet, der Schule fehlt Platz.
«Ich konnte es nicht glauben – das ist so ein verrücktes Resultat – unglaublich.» Diese Worte wählt eine Frau im Dorfladen von Häggenschwil SG, als sie mit einem Reporter von «Schweiz aktuell» spricht.
Sie hatte am Sonntag beim Auszählen der Stimmen mitgeholfen. Nun steht sie am Montag beim Einkaufen und spricht mit den anderen Kundinnen und Kunden über nichts anderes.
Der Grund: Die Gemeinde hat über den Bau einer neuen Mehrzweckhalle abgestimmt. Am Ende gab es eine Nein-Stimme mehr als Ja-Stimmen: 336 zu 335. Damit ist das Projekt vom Tisch.

«Man wurde schon nervös»
Auch Gemeindepräsident Raffael Gemperle (parteilos) erlebte den Sonntag beim Zählen mit. «Es war spannend – man hat die Bigeli gesehen und die waren immer etwa gleich hoch. Da wurden wir schon ein bisschen nervös«, sagt er gegenüber «SRF».
Gemperle ist in Häggenschwil aufgewachsen und schon seit sechs Jahren Gemeindepräsident. Eine solch knappe Abstimmung hat er aber noch nie erlebt. Wegen des knappen Ergebnisses zählte das Team gar alles noch einmal nach.

«Mit dem haben wir wirklich nicht gerechnet, deshalb hatten wir auch nochmal alles sauber auseinandergenommen und sauber nachgezählt. Wir kamen dabei auf das genau gleiche Resultat.»
In Häggenschwil wohnen knapp 1500 Personen. Über 70 Prozent gingen abstimmen. Die neue Halle hätte knapp 10 Millionen Franken gekostet. Für eine knappe Mehrheit war das zu viel.
Politologe: «Kommt sehr selten vor»
Für Politologe Michael Hermann, Geschäftsführer des Forschungsinstituts Sotomo, ist der Ausgang aussergewöhnlich. «Dass es so eng ist, kommt sehr selten vor. Aber es könnte noch enger sein, es hätte nämlich einen Gleichstand geben können.»
Laut Hermann wäre in diesem Fall die Turnhalle nicht angenommen worden. Lediglich bei einer Wahl für ein politisches Amt wäre es anders. «Wenn es dort Gleichstand gibt, dann entscheidet das Los. Das kam letzthin sogar mal im Tessin vor.»
Wie geht es weiter in Häggenschwil?
Walter Schwizer hat mit seinem Komitee für die Halle gekämpft. Er sagt: «Aktuell ist es so, dass wir als Schule – vor allem für unsere Kinder – zu wenig Platz haben. Weil hier drinnen können gar nicht alle die Sportstunden abhalten.»
Auch die Sportvereine müssten sich arrangieren und manchmal auch Termine absagen. Die Halle werde halt auch noch andersweitig genutzt – etwa für die Gemeindeversammlungen von Häggenschwil.

Die Befürworter der Halle finden, man müsste wegen des knappen Resultats nochmals abstimmen. Die Gegner würden das als Zwängerei empfinden. Ob es eine neue Vorlage gibt, entscheidet sich in den nächsten Wochen.










