Kontrolle von oben! St. Galler jagen Raser jetzt mit Drohnen

Die St. Galler Kantonspolizei misst Geschwindigkeiten neu auch mit Drohnen. Damit will sie vor allem Raser aufspüren.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Kantonspolizei St. Gallen setzt neu Drohnen für Geschwindigkeitskontrollen ein.
- Damit sollen unter anderem Raser und gefährliche Überholmanöver dokumentiert werden.
- Die Geschwindigkeit wird nachträglich anhand der Videoaufnahmen berechnet.
- Zum Einsatz kommen die Drohnen gezielt auf bekannten Problemstrecken.
Ein leises Surren, dann hebt die Drohne neben der Passstrasse zur Hulftegg ab. Sie nimmt ein schwarzes Auto ins Visier, verfolgt es über eine längere Strecke. Und kehrt erst zurück, als Polizisten den Wagen auf der Passhöhe herauswinken.
So sieht die neue Art der Verkehrskontrolle der Kantonspolizei St. Gallen aus.
Seit diesem Jahr gehören Drohnen nach längeren Tests fest zum Einsatzmittel der Polizei. Als erst zweite Kantonspolizei der Schweiz nutzt St. Gallen die Fluggeräte gezielt, um mutmassliche Raser und andere schwere Verkehrsverstösse zu dokumentieren. Davor setzte bereits Thurgau auf diese Art der Überwachung.

Am Freitag stellte die Polizei die Methode an der Hulftegg zwischen dem Toggenburg und dem Zürcher Tösstal vor.
Drohnen sollen keine normalen Radarkontrollen ersetzen
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Temposünder aus der Luft zu erwischen.
«Wir setzen die Drohnen in dem Bereich ein, wo sich Leute ganz krass nicht an die Verkehrsregeln halten», sagt Philipp Sennhauser, Leiter Verkehrspolizei bei der Kantonspolizei St. Gallen.

Dazu gehörten Raser, gefährliche Überholmanöver oder Personen, die Rennen veranstalten. Für gewöhnliche Geschwindigkeitskontrollen setzt die Polizei weiterhin auf Radaranlagen oder Lasermessgeräte.
Hulftegg und Stoss gelten als «Hotspots»
Die Drohnen kommen vor allem dort zum Einsatz, wo bereits Hinweise auf problematisches Fahrverhalten vorliegen. Solche Meldungen erhält die Polizei beispielsweise aus der Bevölkerung.
Als bekannte «Hotspots» nennt Sennhauser neben der Hulftegg auch die Strasse über den Stoss sowie gewisse Autobahnabschnitte.
Der Vorteil der Drohnen: Sie sind für Autofahrer deutlich schwieriger zu entdecken.
Gerade Personen, die vorsätzlich zu schnell fahren oder Rennen veranstalten, würden entsprechende Strecken teilweise vorgängig abfahren. Und prüfen, ob die Polizei bereits vor Ort sei, erklärt Sennhauser.
Mit der Drohne könne die Polizei solche Fahrten unauffälliger dokumentieren.
Geschwindigkeit wird erst am Computer berechnet
Die Drohne selbst misst das Tempo allerdings nicht.
Berechnet wird nämlich so: Nach der Landung werden die Aufnahmen auf einen Computer geladen und ausgewertet. Anhand einer sogenannten Weg-Zeit-Berechnung ermittelt die Polizei die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit.

Währenddessen kontrollieren Polizistinnen und Polizisten die angehaltene Person weiter. Dabei wird etwa geprüft, ob Alkohol oder Drogen im Spiel sind oder technische Mängel am Fahrzeug bestehen.
Ergibt die Auswertung eine massive Geschwindigkeitsüberschreitung oder einen anderen schweren Verstoss, folgt eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.
Sechs Einsätze – zwei Tempoverstösse
Bislang hat die Kantonspolizei St. Gallen sechs solche Drohnenkontrollen durchgeführt. Fünf fanden auf der Stossstrasse statt, eine bei Mühlrüti an der Hulftegg.
Dabei stellte die Polizei auf der Stossstrasse zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen fest. Bei Mühlrüti wurde kein Vergehen registriert.

Der Aufwand ist allerdings deutlich grösser als bei einer herkömmlichen Radarkontrolle.
Für Sennhauser lohnt er sich trotzdem: «Gerade in diesem Bereich, wo es auch um Leben und Tod gehen kann, lohnt sich dieser Einsatz.»
Polizei sieht keine rechtlichen Probleme
Auch rechtlich sieht sich die St. Galler Kantonspolizei auf sicherem Boden.
Sie verweist unter anderem auf einen Entscheid des Thurgauer Obergerichts aus dem Jahr 2024. Dieses hatte die entsprechende Praxis bei Drohneneinsätzen der Thurgauer Polizei gestützt.







