Larissa Bertényi: «Dass ich an der EM starten kann, ist grossartig»

Simon Huber
Simon Huber

St. Margrethen,

Larissa Bertényi holte an der Schweizer Meisterschaft Silber im 100-m-Hürden-Final. Nun steht für die Widnauerin die EM in Birmingham an.

Larissa Bertényi
Die 26-jährige Widnauerin Larissa Bertényi holte an der Schweizer Meisterschaft in
Zürich Silber über 100 m Hürden und startet nun an der EM in Birmingham. - pd

Am 26. Juli lief Larissa Bertényi an den Schweizer Meisterschaften im Stadion Letzigrund in 12,90 Sekunden zur Silbermedaille über 100 m Hürden, hinter Siegerin Annik Kälin und vor Selina von Jackowski.

Die EM-Limite für Birmingham hatte sie bereits vorher geknackt, am 4. Juni in St. Pölten mit einer persönlichen Bestzeit von 12,84 Sekunden.

Vom 10. bis 16. August steht für sie nun die erste Europameisterschaft bei den Aktiven an.

Wie konstant sie sich in den letzten Jahren gesteigert hat, zeigt ein Blick zurück: 2022 lief sie noch rund eine Sekunde langsamer als heute.

Vom Wettrennen zur Hürde

Ihren Weg in die Leichtathletik nahm Bertényi über die Jugi in Widnau. Eine damalige Jugileiterin riet ihr, es in Balgach mit der Leichtathletik zu versuchen.

Sie habe den Eindruck gehabt, dass Bertényi schnell sei und daran Freude haben könnte. «Ich wollte auch als Kind am liebsten den ganzen Tag draussen sein und Wettrennen gegen meine Freunde vom Quartier machen», erzählt die Widnauerin.

Larissa Bertényi
Larissa Bertényi im Einsatz. - keystone

Beim Ausprobieren der verschiedenen Disziplinen war schnell klar: Laufen liegt ihr, die Wurfdisziplinen eher weniger. Über ein Training, bei dem sie zum ersten Mal Hürden ausprobierte, kam sie zur Spezialisierung.

«Da habe ich gespürt, dass mir diese Disziplin sehr viel Freude bereitet», führt sie aus. Danach wechselte sie in die Hürdengruppe des LC Brühl.

Studium und Spitzensport

Ausserhalb der Bahn studiert Bertényi in Magglingen. Dort trainiert sie auch. Während des Semesters geht sie flexibel vor oder nach den Vorlesungen ins Training. Ihr Trainer Adrian Rothenbühler passe den Plan bei Bedarf kurzfristig an.

«Er sieht auch den Load neben dem Training und nimmt Rückmeldungen zu meiner körperlichen als auch psychischen Verfassung sehr ernst. Dadurch habe ich im Dialog mit ihm gelernt, meine Wahrnehmung und mein Körpergefühl kontinuierlich einzubringen und zu verbessern», betont Bertényi.

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Rothenbühler habe massgeblich dazu beigetragen, dass sie trotz Doppelbelastung durch Spitzensport und Studium den Sprung auf internationales Eliteniveau geschafft habe.

Auch von ihren Mitstudentinnen bekommt sie Unterstützung, wenn sie wegen des Trainings eine Vorlesung verpasst.

Ihr erstes Jahr Vollzeitstudium hat sie erfolgreich abgeschlossen: «Ich habe nun das erste Jahr Vollzeitstudium souverän abgeschlossen und alles bestanden, somit können wir wohl mit diesem System erfolgreich weiterfahren.»

Der Final in Zürich

Vor einem Rennen versucht sie sich aufs Wesentliche zu fokussieren. «Zuversichtlich, fokussiert, aber vor allem locker bleiben», beschreibt sie ihre Einstellung vor dem Start. Technisch konzentriert sie sich dabei fast ausschliesslich auf die ersten Schritte aus dem Block, verbunden mit der Überzeugung, alles zu haben, um schnell laufen zu können.

Während des Rennens selbst gehe es darum, möglichst wenig zu denken. Am liebsten sei sie komplett im «Flow-State». «Wenn ich realisiere, dass ich während des Rennens zu viel denke, wird es wohl nicht eine sehr schnelle Zeit sein», erklärt sie.

Larissa Bertényi
Larissa Bertényi ist nun offiziell Teil des EM-Teams. - keystone

Ihren Start bewertet sie inzwischen als eine ihrer grössten Stärken: «Mein Start und die ersten Schritte aus dem Block sind sehr gut.» Nach dem Final in Zürich war sie vor allem glücklich, ihre Form bestätigt zu haben und nun offiziell Teil des EM-Teams zu sein.

«Ebenfalls waren in Zürich meine Freunde und Familie da. Es war so schön, mit meinen engsten Leuten diesen Erfolg zu feiern», ergänzt die Widnauerin.

Die Faszination des Hürdenlaufs

Den Reiz ihrer Disziplin beschreibt Bertényi als Kombination aus maximaler Sprintgeschwindigkeit, exaktem Rhythmus und mentaler Herausforderung.

«Man muss so viel riskieren und mit Vollsprint auf die Hürde gehen. Zu viel riskieren geht aber auch nicht, die Hürde meldet sich direkt zurück», meint sie. Manchmal laufe sie auch 100 m ohne Hürden. Das Gefühl unterscheide sich trotzdem grundlegend: «Das Gefühl und das Adrenalin, wenn man am Start vor zehn Hürden steht, ist für mich unvergleichbar.»

Ihre aktuell grösste Herausforderung sieht sie nicht im Grundtempo. «Körperlich fühle ich mich topfit, schmerzfrei, und die Grundschnelligkeit stimmt. Das ist eine tolle Voraussetzung», hält sie fest.

Die eigentliche Aufgabe bestehe darin, dieses Tempo über die Hürden mitzunehmen: nach der ersten Hürde nicht zu viel Zeit in der Luft zu verlieren, schnell wieder Boden zu fassen und die Geschwindigkeit bis ins Ziel durchzuziehen.

Was die EM-Quali für sie bedeutet

«Diese Qualifikation bedeutet mir so viel», sagt Bertényi. «Ich bin für den Sport früh von zu Hause wegge- zogen und habe mein engstes Umfeld im Rheintal und in St. Gallen gelassen», erzählt die 26-jährige Widnauerin.

Sie sei ein sehr polysportiver Mensch und gehe im Winter eigentlich gerne snowboarden. Der Trainingsplan liess das aber selten zu: «So musste das Snowboard im Winter oft im Keller bleiben, damit ich am Samstagmorgen auf der Bahn stehen kann statt in den Bergen.»

Larissa Bertényi
Larissa Bertényi: «Dass ich an der EM starten kann, ist schon grossartig.» - keystone

Schon im Nachwuchsbereich startete sie an internationalen Wettkämpfen und wollte dies unbedingt auch bei der Elite erreichen. Deshalb entschied sie sich, über die U23-Stufe hinaus weiterzutrainieren. Nach der Hallen-WM steht sie nun zum zweiten Mal auf der internationalen Elite-Bühne.

«Solch schnelle Zeiten zu laufen ist alles andere als selbstverständlich, denn es muss unglaublich viel zusammenstimmen für einen solchen Erfolg», führt die Widnauerin aus.

Vorbereitung ohne Veränderungen

Auf Birmingham bereitet sie sich ohne grosse Anpassungen vor: «Wir ändern nichts Grosses: trainieren, genug schlafen, guter Kaffee in Bern geniessen und immer wieder mal ein Aareschwumm machen bei dieser Hitze.» Ihr grosses Ziel war zunächst die Teilnahme selbst.

«Mein grosses Ziel war die Teilnahme. Dass ich an der EM starten kann, ist schon grossartig», betont sie. An der Hallen-WM war für sie nach dem Vorlauf Endstation.

Für Birmingham wünscht sie sich deshalb mehr: «Es wäre natürlich grossartig, nicht nur einmal im Stadion laufen zu können.» Auf die kommenden Wochen blickt sie mit Vorfreude: «Ich geniesse diese Vorbereitungszeit in vollen Zügen und blicke voller Vorfreude auf Birmingham.»

Dieser Artikel ist zuerst in den «St.Galler Nachrichten» erschienen.

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