Legal beziehen: Buchs SG wird zur Cannabis-Anlaufstelle

Ab November können Teilnehmer eines Pilotprojektes in der Pill Apotheke in Buchs SG legal ihr Cannabis beziehen. Matthias Humm erklärt, wie die Abgabe abläuft.

Der Pilotversuch St. Gallen untersucht die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des legalen Cannabiszugangs zu Genusszwecken im Kanton St. Gallen. Im Rahmen einer kontrollierten, randomisierten Studie werden 5000 Teilnehmende in 43 Gemeinden des Kantons St. Gallen wissenschaftlich begleitet.
Ziel ist es, für Menschen mit legalem Zugang zu Cannabis, belastbare Daten zu Konsumverhalten, Gesundheit, Prävention und den gesellschaftlichen Auswirkungen zu gewinnen. Die Ergebnisse sollen eine faktenbasierte Grundlage für künftige politische Entscheidungen zur Cannabis-Regulierung schaffen.
Pilotversuch in zwei Teilen
Der Pilotversuch in St. Gallen läuft seit Frühjahr 2026 und besteht aus zwei Teilen. Teil 1 untersucht die Zahlungsbereitschaft für legale Cannabisprodukte und dauert etwa 2 Monate.
Teil 2 untersucht die Auswirkungen des Zugangs zu legalem Cannabis und dauert bis zu vier Jahre. Das wissenschaftliche Design folgt einer sogenannten randomisierten Evaluation, was dem Goldstandard für empirische Forschung entspricht.
Nach der Zahlungsbereitschaft (Teil 1) werden Teilnehmende erneut für die Langzeitstudie (Teil 2) per Losentscheid in drei verschiedene Gruppen (A, B, oder C) eingeteilt werden. Aus allen Teilnehmenden werden insgesamt zwei Drittel zufällig den Gruppen A oder B zugelost und erhalten während der vierjährigen Studiendauer Zugang zu legalem Cannabis.
Teilnehmende in Gruppe C haben keinen Zugang zu Studien-Cannabis aber liefern durch ihre Studienteilnahme einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Grundlage für zukünftige Entscheidungen zur Regulierung von Cannabis. Am Pilotprojekt können Personen aus den Rheintaler Gemeinden Altstätten, Buchs, Gams, Grabs, Sennwald, Sevelen und Wartau teilnehmen.

Redaktion: Matthias Humm, wie kam das Pilotprojekt allgemein bei der Bevölkerung im Kanton an?
Matthias Humm: Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Die Teilnehmenden, die Cannabis im Rahmen der Studie legal beziehen können, sind froh, dass sie ihre Produkte in den nächsten Jahren nicht mehr auf dem Schwarzmarkt kaufen müssen.
Dieser birgt aufgrund der fehlenden Qualitätskontrolle viele Risiken, etwa Verunreinigungen und schädliche Streckmittel. Im Pilotversuch erhalten sie laborgeprüfte Produkte aus Schweizer Bio-Anbau.
Wir sind mit dem Interesse am Pilotversuch sehr zufrieden. Bis jetzt haben sich knapp 2'000 Personen registriert, und mit über 900 davon haben bereits Aufnahmegespräche stattgefunden.
Redaktion: Ist die Anmeldung für die Teilnahme bereits abgeschlossen? Kann man daraus bereits erste Schlüsse ziehen, wie sich die Konsumenten im Kanton verteilen?
Humm: Die Anmeldung ist nicht abgeschlossen. Im Pilotversuch St. Gallen können bis zu 5'000 Personen teilnehmen, es sind also noch Plätze verfügbar. Die Teilnahme ist einfach und unkompliziert.
Im Rahmen der Aufnahme findet ein persönliches Gespräch statt, bei dem die Teilnehmenden auch beraten werden. Interessierte können sich weiterhin über www.stgallen.pilotversuche.ch anmelden. Aussagen zur regionalen Verteilung der Teilnehmenden sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Redaktion: Woher beziehen Sie das Cannabis für den Pilotversuch?
Humm: Die Produkte stammen ausschliesslich von verschiedenen Schweizer Produzenten mit Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und werden in Bio-Qualität angebaut. Alle Produkte werden in externen Labors auf ihren Wirkstoffgehalt sowie auf Verunreinigungen geprüft.
Redaktion: Das Cannabis kann laut Ihrer Homepage nachhause geliefert oder ab Herbst 2026 in Apotheken in Sargans, Jona, Rorschach und Buchs bezogen werden. Wie weit sind Sie in diesem Zusammenhang bereits? Welche Apotheken in Buchs werden im Rahmen des Pilotprojekts Anlaufstelle für die Abgabe sein?
Humm: Die Vorbereitungen laufen planmässig. Verkaufsstelle in Buchs ist die Pill Apotheke Zentrum. Das Apothekenpersonal wird zurzeit zu Cannabiswissen, Produkten, Prävention, Safer Use und Beratung geschult. Der Verkauf ist für November 2026 geplant.
Redaktion: Wie ist die Zusammenarbeit zustande gekommen?
Humm: Wir arbeiten bereits im Rahmen unseres Pilotversuchs im Kanton Zürich mit den Pill Apotheken in Adliswil und Wädenswil zusammen. Aufgrund dieser guten Erfahrungen war es naheliegend, die Zusammenarbeit auch im Kanton St. Gallen weiterzuführen.
Redaktion: Wie bereitet sich das Personal der Apotheke spezifisch auf die Abgabe vor?
Humm: Vor dem Verkaufsstart und danach regelmässig finden Schulungen des Verkaufspersonals statt. Dabei geht es um Cannabiswissen, die Produkte, Safer Use und die Früherkennung von problematischem Konsum.

Zudem wird das Personal mit dem Studienablauf vertraut gemacht, etwa mit der Kontrolle des Studienausweises, den Bezugslimiten und der Rückverfolgbarkeit der Produkte. So ist sichergestellt, dass die Teilnehmenden in der Apotheke fachkundig begleitet werden.
Redaktion: Wie läuft die Abgabe in der Apotheke ab? Haben die «Bezieher» eine Art Ausweis, mit dem sie bei der Apotheke vorbeigehen können?
Humm: Ja, die Teilnehmenden erhalten nach der Aufnahme einen persönlichen Studienausweis, mit dem sie in der Apotheke Produkte beziehen können. Die Bezugsmenge ist pro Tag und pro Monat begrenzt, und jedes Produkt ist über ein Track-and-Trace-System lückenlos rückverfolgbar. Beim Kauf werden die Teilnehmenden vom geschulten Apothekenpersonal zu Produkten, Wirkung und Safer Use beraten.
Dabei werden ihnen auch risikoärmere Konsumformen empfohlen, etwa Produkte zur oralen Einnahme oder das Verdampfen statt Verbrennen. Die Produkte dürfen erst zu Hause geöffnet werden, der Konsum im öffentlichen Raum ist nicht erlaubt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Rheintaler Bote» erschienen.






