St. Gallen

    Reiche ziehen weg und St. Gallen zahlt die Zeche

    Franz Welte
    Franz Welte

    Stadt St. Gallen,

    St. Gallen kommt bei der Steuerkraft nicht voran und liegt inzwischen auf Rang 13 von 75 Gemeinden. Vor einigen Jahren war die Stadt noch Sechste.

    Reiche ziehen weg und St.Gallen zahlt die Zeche
    Die Gemeindeverwaltung Mörschwil sorgt schon seit Jahrzehnten für sparsames Haushalten und das Anlocken guter Steuerzahler. - zVg

    St. Gallen liegt bei der Steuerkraft hinter Mörschwil, Rapperswil-Jona, Balgach, Zuzwil, Sennwald, Gaiserwald, Amden und Tübach. Das zeigen Zahlen, die das Kantonale Steueramt errechnet hat. Mörschwil führt die Rangliste wie schon im Vorjahr an.

    Damals hatte die Gemeinde Balgach von der Spitze verdrängt, das nun auf dem dritten Platz liegt. Rang zwei belegt Rapperswil-Jona. Drei Gemeinden der engeren Region St. Gallen haben ein höheres Steueraufkommen als die Stadt.

    Viele Gutverdienende arbeiten also in St. Gallen, wohnen aber in einer Nachbargemeinde. Dazu gehört auch Teufen. Weil Appenzell Ausserrhoden das Steueraufkommen anders berechnet, lässt sich die Gemeinde aber nicht direkt vergleichen.

    Grosse Einkommensunterschiede

    In St. Gallen betrug die Einfache Steuer letztes Jahr 3209 Franken pro juristische und natürliche Person. Im Vorjahr waren es 3062 Franken. Bei den juristischen Personen liegt die Stadt mit 490 Franken auf Rang 5, weit über dem kantonalen Durchschnitt von 279 Franken.

    Steuerfuss
    Drei Gemeinden der engeren Region St. Gallen haben ein höheres Steueraufkommen als die Stadt. (Symbolbild) - keystone

    Bei den natürlichen Personen reicht es mit 2494 Franken pro Einwohner nur für Rang 26. Der kantonale Durchschnitt liegt hier bei 2514 Franken ohne Kirchensteuer, im Vorjahr waren es 2406 Franken.

    In Mörschwil beträgt die Einfache Steuer 5075 Franken und ist damit fast doppelt so hoch wie in St. Gallen. Am Ende der Rangliste steht Neckertal auf Platz 75 mit 1864 Franken.

    Die Gemeinde ist gewissermassen das «Armenhaus» des Kantons. Gemeinden mit viel Landwirtschaft haben nach wie vor ein tiefes Einkommensniveau. Die Unterschiede im Kanton sind gross, auch innerhalb derselben Region.

    Steuerfuss und -aufkommen

    In St. Gallen hat sich die Steuerkraft kaum verbessert. Und das, obwohl viele Institutionen und Behörden mit gut bezahlten Angestellten in der Stadt ihren Sitz haben. Ein Grund ist die Anonymität der Stadt.

    Findest du die Steuern in der Stadt St. Gallen zu hoch?

    Zusammen mit dem grossen Stellenangebot zieht sie Menschen an, die auf Sozialhilfe angewiesen sind. Zudem leben in St. Gallen rund 7500 Personen in Ausbildung, die keine Steuern bezahlen. Hinzu kommen die hohen Kosten für Leistungen, welche die Stadt als Zentrum für die ganze Region erbringt.

    Deshalb klafft in der Kantonshauptstadt eine grosse Lücke zwischen Steueraufkommen und Steuerfuss. Beim Steueraufkommen liegt St. Gallen auf Rang 13, beim Steuerfuss auf Rang 71. Keine andere Gemeinde weist eine solche Kluft auf.

    Stadt St. Gallen
    Blick auf die Stadt St. Gallen. - keystone

    In Mörschwil gibt es sie gar nicht, denn die Gemeinde hat auch den tiefsten Steuerfuss im Kanton. Bereits in den 1960er-Jahren lockte sie mit Bauland für Einfamilienhäuser gute Steuerzahler an. Die Verwaltung arbeitete stets kostengünstig.

    Reiche Gemeinden werden reicher

    Auch in der engeren Region St. Gallen sind die Unterschiede beim Steueraufkommen gross. An der Spitze steht Mörschwil mit 5242 Franken, gefolgt von Gaiserwald mit 3500 und Tübach mit 3360 Franken. Danach kommt St. Gallen mit 3209 Franken.

    Hinter der Stadt liegen Andwil (3079), Goldach (3004), Steinach (2881), Untereggen (2851), Gossau (2723), Waldkirch (2586), Wittenbach (2352), Muolen (2336) und Häggenschwil (2264 Franken).

    Für St. Gallen ist es ein Nachteil, dass alle Regionsgemeinden einen deutlich tieferen Steuerfuss haben. Das gilt auch für jene mit weit geringerem Steueraufkommen.

    Auch beim Zuwachs liegt die Stadt zurück. St. Gallen legte gegenüber dem Vorjahr um 147 Franken zu, Mörschwil um 168 und Gaiserwald sogar um 280 Franken. Damit zeigt sich erneut das Strukturproblem der Stadt. Auch unter den Gemeinden werden die Reichen immer reicher.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

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