Rorschacherberg SG: Schönheitsklinik wird Erdboden gleichgemacht!

Erst 2009 eröffnet, jetzt bereits abgebrochen: Die ehemalige «Mang Klinik Swiss» in Rorschacherberg verschwindet nach nur 17 Jahren.

Das Wichtigste in Kürze
- In Rorschacherberg SG wird die ehemalige «Mang Klinik Swiss» abgerissen.
- Sie eröffnete erst 2009 und schloss nach nur zehn Jahren.
- Ein Spezialist für Kreislaufbauen versucht, brauchbare Materialien vor dem Schutt zu retten.
Wo einst Nasen verschönert und andere Eingriffe vorgenommen wurden, erledigt heute ein Schaufelbagger seine Arbeit. Das Schild «Mang Klinik Swiss» ist hinter Gestrüpp und Unkraut kaum mehr zu erkennen.
Die Aussenwände des ehemaligen Operationssaals sind bereits niedergerissen, auf dem Areal türmt sich der Bauschutt. Was vor wenigen Jahren noch eine moderne Schönheitsklinik war, ist heute eine Abbruchbaustelle. Auch im Innern erinnert wenig an den einstigen Klinikbetrieb.

Erst vor 17 Jahren erbaute Klinik
Die Geschichte der Liegenschaft ist kurz. 2009 wurde die «Mang Klinik Swiss» eröffnet. Sie gehörte zum Umfeld des deutschen Schönheitschirurgen Werner Mang, der in Lindau eine Klinik betreibt.
In Rorschacherberg operierte er rund zehn Jahre lang. 2019 verkaufte er die Liegenschaft.

Als «einzigen Grund» dafür nannte er gegenüber dem «Blick» den direkt vor seiner Klinik geplanten Uferweg, der für ihn inakzeptabel sei. Später wechselte das Grundstück erneut den Besitzer. Ein Umbau der bestehenden Klinik zu einem Wohnhaus wurde von mehreren Architekten geprüft, erwies sich jedoch als nicht sinnvoll.
Die kleinen Patientenzimmer und die auf den Operationsbetrieb ausgerichtete Gebäudestruktur erschwerten eine Umnutzung erheblich. Deshalb wird das Gebäude abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.
Retten, was noch brauchbar ist
Das vorhandene medizinische Mobiliar hat der neue Eigentümer bereits einer Hilfsorganisation gespendet, die dafür äusserst dankbar gewesen sei. Und auch eine Reihe an verbautem Material muss nicht zwingend als Bauschutt enden, wie eine Ortsbegehung mit Bauunternehmer Gottlieb Kündig zeigt. Er hat sich auf die Wiederverwendung von Bauteilen spezialisiert.
«Kreislaufbauen» nennt er diese Vorgehensweise. Sein Ziel ist es, brauchbare und hochwertige Materialien auszubauen, bevor sie zerstört werden. Bei der ehemaligen Klinik gibt es einiges zu holen.
Der Rundgang über die Baustelle mutet stellenweise wie eine Art «Leichenfledderei am Bau» an. Kündig zeigt auf teure Granit- und Natursteine, die anderswo durchaus gefragt sind. «Viele würden sich die Finger abschlecken, wenn sie solche Steine in ihrem Garten hätten», sagt er sinngemäss.

Selbst die Desinfektionsmittelspender werden abgeschraubt, auch für sie findet sich vielleicht noch Verwendung. Ein besonderer Fund ist für ihn die neuwertige Lüftungsanlage mit Wärmetauscher im Obergeschoss. Sie will Kündig in seiner eigenen Liegenschaft an der Industriestrasse 36 in Rorschach einbauen.
Weniger glücklich ist er mit Blick auf die vielen glasierten Biberschwanzziegel. Sie sind noch tadellos erhalten, doch für den Ausbau fehlt ihm die Zeit. Damit werden auch diese Bauteile voraussichtlich im Bauschutt landen.
«Der Rückbau und das Kreislaufbauen haben in der Schweiz wenig Beispiele und keine Tradition», sagt Kündig. Dabei ist die Grundidee einfach: Materialien sollen möglichst lange genutzt werden. Was bei einem Gebäude nicht mehr gebraucht wird, muss nicht zwangsläufig entsorgt werden, sondern kann andernorts in einem neuen Bauprojekt weiterleben.
Der jetzige Liegenschaftseigentümer begrüsst dieses Vorgehen und freut sich über die weitere Nutzung brauchbarer Materialien.
Wohngebäude geplant
Der Rückbau der ehemaligen «Mang Klinik Swiss» ist noch im Gang. Nach nur zehn Jahren Nutzung als Klinik und anschliessendem Leerstand wird das Gebäude an direkter Seelage in Rorschacherberg in Kürze vollständig verschwunden sein.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.







