St. Galler Badi: «Kinder haben im Frauenbereich nichts verloren!»

Kinder im Frauenbereich beim St. Galler Freibad Dreilinden erzürnen die Badegästinnen. Sie verlangen wieder striktere Regeln der Bademeister.

Das Wichtigste in Kürze
- Derzeit wankt die Ruhe im St. Galler Freibad Dreilinden.
- Mehrere Besucherinnen beklagen sich über junge Mütter, die mit ihren Kindern den Frauenbereich aufsuchen.
- Die Bademeister sollen wieder konsequenter durchgreifen.
Die Sonne steht hoch über dem Freibad Dreilinden. Das Wasser glitzert. Auf den Liegewiesen dominieren die mehrfarbigen Badetücher.
Aus dem Familienbad dringen die Klänge verschiedener Stimmen von Erwachsenen, das fröhliche Planschen und unbeschwerte Lachen der Kinder. Es ist ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch.
«Frauenbereich ist für Frauen»
Ein paar Schritte weiter herrscht eine andere Welt. Hinter der Hecke des Frauenbereichs geht es ruhiger zu. Hier lesen Frauen ihre Bücher. Andere dösen in der Sonne.
Einige ziehen gemächlich ihre Bahnen durchs Wasser. Seit Jahrzehnten ist dieser Ort für viele Stammgäste ein Rückzugsraum.
Ein Platz ohne Trubel. Ohne Bälle. Ohne Geschrei. Ohne Kinder und ohne Männer. Ein eigener Ort für die Frauen von und rund um die Stadt St. Gallen.
Doch in diesem Sommer ist die Ruhe ins Wanken geraten. Mehrere Besucherinnen beklagen sich über junge Mütter, die mit ihren Kindern den Frauenbereich aufsuchen. Dabei sei der Bereich ausschliesslich für Frauen vorgesehen.

Die Diskussion beschäftigt zahlreiche Stammgästinnen. Eine Badenixe, die nach eigenen Angaben fast täglich im Frauenbereich anzutreffen ist, findet deutliche Worte.
«Der Frauenbereich ist für Frauen. Es ist ein Ort der Ruhe. Ein Ort, bei dem junge und ältere Frauen ihren eigenen, geschützten Bereich schätzen. Kinder haben hier nichts verloren.»
Besonders stört sie, dass sich das Familienbad in unmittelbarer Nähe befindet. «Da können die Mütter und ihre Kinder den lieben langen Tag verweilen. Und niemand störts.»
Unruhe seit diesem Sommer
Mit ihrer Kritik steht sie nicht allein da. Auch andere langjährige Besucherinnen beobachten nach eigenen Angaben vermehrt Kinder im Frauenbereich. Auf den Liegestühlen wird darüber diskutiert. Auch beim Verlassen der Dreilinden.
Eine weitere Frau fordert deshalb ein konsequenteres Vorgehen. «Hier sollte man keine Ausnahme machen. Denn erlaubt man es einmal, muss man es immer erlauben. Wir wollen, dass die Bademeister wieder konsequenter durchgreifen.»
Nichts gegen Kinder
Die Frauen betonen gleichzeitig, dass sich ihre Kritik nicht gegen Kinder richte – sie hätten nichts gegen sie. Vielmehr gehe es ihnen um die Einhaltung der geltenden Regeln und um Rücksicht auf jene Besucherinnen, die den Frauenbereich gerade wegen seiner besonderen Atmosphäre aufsuchen.

Für viele von ihnen gehört der geschützte Badebereich seit Jahren fest zum Sommer. Sie kommen zum Schwimmen, Sonnenbaden oder für ein Gespräch mit Bekannten.
Vor allem aber kommen sie für Ruhe. Und genau diese Ruhe sehen einige der Stammgästinnen derzeit gefährdet.
Keine Zunahme festgestellt
Die Stadt St. Gallen teilt diese Wahrnehmung jedoch nicht. Gegenüber dem Anlagenpersonal seien bislang keine Reklamationen eingegangen. Auch eine Zunahme von Müttern mit Kindern im Frauenbereich könne man nicht feststellen.
«Der Frauenbereich des Familienbades wird seit Jahrzehnten von Müttern und ihren Töchtern genutzt. Allerdings eher wenig», sagt Dario Chiozza, Kommunikationsmitarbeiter der Stadt St. Gallen.
Aus Sicht des Anlagenpersonals habe diese Nutzung in jüngerer Vergangenheit nicht zugenommen. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall.
Mädchen dürfen Bereich nutzen
Als Grund nennt die Stadt die Infrastruktur auf der anderen Seite der Anlage. Dort befinden sich Spielplatz und Kinderbad, die in den vergangenen Jahren saniert und erweitert worden seien.
Dadurch sei das Familienbad für Familien attraktiver geworden. «Zudem können sie dort ihren Baditag gemeinsam geniessen», sagt Chiozza.
Klar ist für die Stadt auch, wer den Frauenbereich nutzen darf. Dieser sei weiblichen Personen jeden Alters vorbehalten. Entsprechend dürfen auch Mädchen den Bereich betreten.

An den geltenden Regeln will die Stadt nichts ändern. Die Zutrittsbestimmungen seien seit Jahrzehnten dieselben und würden vom Anlagenpersonal bei Bedarf durchgesetzt.
Handlungsbedarf erkennt die Stadt derzeit keinen. «Sollte sich eine Besucherin an etwas oder jemandem stören, darf sie sich ans Anlagenpersonal wenden. Dieses setzt die Regeln durch», sagt Chiozza.
Zusätzliche Massnahmen zum Erhalt des Frauenbereichs sind nicht vorgesehen. Die Zutrittsregeln seien am Eingang ausgeschildert und würden durch das Personal umgesetzt.
Auch eine besondere Sensibilisierung der Bademeisterinnen und Bademeister aufgrund der jüngsten Diskussionen sei nicht geplant. Die bestehenden Vorgaben seien bekannt und würden, falls nötig, angesprochen und durchgesetzt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.





