St. Gallen

    St. Galler Innenstadt: Hitze liess Passanten-Frequenz einbrechen!

    Astrid Nakhostin
    Astrid Nakhostin

    Stadt St. Gallen,

    Hohe Temperaturen schrecken offenbar Passanten ab. An warmen Junitagen waren deutlich weniger Menschen in der St. Galler Multergasse unterwegs als im Vorjahr.

    Multergasse in St. Gallen
    Anders als jetzt im Herbst war die Multergasse in St. Gallen an heissen Tagen oft leer. - Astrid Nakhostin

    Ein gewöhnlicher Donnerstagnachmittag im Juni. Wo sich sonst zahlreiche Menschen durch die Multergasse bewegen, herrscht beinahe Leere. Es ist weder Ferienzeit noch Feiertag – dafür zeigt das Thermometer mehr als 30 Grad.

    Hat die Hitze die Menschen aus der Innenstadt vertrieben? Dass bei hohen Temperaturen weniger Menschen unterwegs sind, darauf deutet eine Auswertung hin, die am Stadtimpuls 2026 präsentiert wurde. Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang beim Vergleich von Freitagen und Samstagen im Juni 2025 und 2026.

    An vier untersuchten Vergleichstagen wurden in der Multergasse 2026 bei Durchschnittstemperaturen zwischen rund 27 und 31 Grad weniger Passantinnen und Passanten gezählt als im Vorjahr. Im Durchschnitt lag die Frequenz rund 21 Prozent tiefer.

    Sonne Sommer Hitze Ozon
    Der Sommer 2026 zählt zu den heissesten seit Messbeginn. (Symbolbild) - keystone

    Ein Beispiel: Am dritten Samstag im Juni 2025 wurden zwischen 10 und 18 Uhr bei einer Durchschnittstemperatur von 23,8 Grad 14’854 Personen gezählt. Ein Jahr später waren es bei 27 Grad noch 13’238. Am vierten Samstag stieg die Durchschnittstemperatur von 23,7 auf 31,3 Grad. Gleichzeitig sank die gemessene Frequenz von 15’362 auf 11’259 Personen.

    Besonders deutlich ab 30 Grad

    Die Zahlen beziehen sich ausschliesslich auf die Multergasse. Dort verfügt die Stadt über eine Frequenzmessung; vergleichbare Daten für andere Einkaufsstrassen liegen deshalb nicht vor. Die Präsentation stellt die St. Galler Zahlen in einen grösseren Zusammenhang.

    Auch eine Auswertung des GDI-Whitepapers «Hotspot Innenstadt» weist auf einen möglichen Wendepunkt bei hohen Temperaturen hin: Bis zu einer Tageshöchsttemperatur von etwa 30 Grad ist in den ausgewerteten Daten kein vergleichbarer Rückgang der Frequenz erkennbar.

    Oberhalb dieser Marke nimmt die Frequenz dagegen deutlich ab. Die Präsentation bringt diesen Befund auf den Punkt: «Hitze kostet Frequenz.» Das Jahr 2026 bot dafür eine besondere Ausgangslage.

    MeteoSchweiz bezeichnete die Hitzewelle Ende Juni als ein Ereignis von historischem Ausmass. Die Kombination aus Dauer und Intensität sei extrem gewesen und habe zu zahlreichen Allzeitrekorden geführt.

    Weniger Schokolade, mehr Glace

    Dass sich die Hitze auch im Geschäft bemerkbar macht, bestätigt Fabian Schnyder von der Confiserie Roggwiller. «Bei uns im Geschäft haben wir die Auswirkungen der Hitze ab Mitte Juni und im Juli gespürt.

    Hitzetage
    Die Hitzetage hatten für Fabian Schnyder von der Confiserie Roggwiller Einfluss auf den Verkauf von Schoggi-Spezialitäten. - Astrid Nakhostin

    Die Leute sind einfach weniger aus dem Haus gegangen. Und wenn, dann waren sie meist früh am Morgen unterwegs. Besonders stark zurückgegangen ist der Schoggi-Verkauf.» Wie Schnyder an einem kürzlichen Verbandstreffen erfahren habe, sei es den Confiserien in der ganzen Schweiz ähnlich ergangen.

    Dafür habe sich das Glace-Geschäft umso besser entwickelt. Auch für die Mitarbeitenden seien die hohen Temperaturen eine Herausforderung gewesen. «Wir haben sie immer wieder daran erinnert, genug zu trinken.»

    Klimaanlage hilft nur bedingt

    Auch die Buchhandlung Lüthy hat die hohen Temperaturen zu spüren bekommen. «Wir haben in unserer Buchhandlung gemerkt, dass während der starken Hitze deutlich weniger Menschen in der Innenstadt unterwegs waren», sagt Geschäftsführer Christian Dreier.

    Christian Dreier
    Christian Dreier, Geschäftsleiter der Buchhandlung Lüthy, wünscht sich mehr Begrünung für die Multergasse. - Astrid Nakhostin

    Eine Klimaanlage im Geschäft helfe dabei nur bedingt: «Wenn die Menschen wegen der hohen Temperaturen generell weniger in die Stadt kommen, wirkt sich das auch auf den Umsatz aus.» Der Juni sei deshalb tatsächlich schlechter ausgefallen als erwartet.

    Die Buchhandlung wünscht sich deshalb weitere Massnahmen der Stadt. Insbesondere mehr Begrünung könnte dazu beitragen, die Innenstadt auch an heissen Tagen angenehmer zu machen. Er verweist dazu auch auf ein Verbesserungskonzept der Multergass-Gesellschaft.

    Wetter beeinflusst Frequenz

    Die Auswertung liefert einen Hinweis auf eine Entwicklung, die für den Detailhandel relevant werden könnte: Nicht nur das Einkaufsangebot oder die Erreichbarkeit beeinflussen, wie viele Menschen eine Innenstadt besuchen.

    Auch das Wetter kann eine Rolle spielen. Die Daten aus der Multergasse legen nahe, dass die Passantenfrequenz bei Temperaturen um 30 Grad oder darüber zurückgehen kann. Der Vergleich weniger Tage erlaubt allerdings keine abschliessende Aussage darüber, welchen Anteil die Hitze am Rückgang hat.

    Dennoch stellt sich die Frage, wie sich die Innenstadt auch bei hohen Temperaturen attraktiv gestalten lässt. Schatten, Sitzgelegenheiten und angenehmere Aufenthaltsräume könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

    Begrünung als zentrales Element

    Konkrete, unmittelbar aus den Ergebnissen abgeleitete Massnahmen der Stadt gibt es gemäss Standortförderer Samuel Zuberbühler derzeit noch nicht. Aber die Erkenntnisse werden in den entsprechenden Arbeitsgruppen besprochen.

    War der Hitzesommer 2026 für dich persönlich belastend?

    Es sei wichtig zu erkennen, dass die Hitze direkte Auswirkungen auf die Frequenzen und damit auch auf die Umsätze des stationären Handels in der Innenstadt hat. «Demzufolge müssen wir uns alle damit auseinandersetzen, wie man in der Stadt und in diesem Fall speziell in der Innenstadt die Hitzebelastung mindern kann.»

    Bei den anstehenden Neugestaltungen verschiedener öffentlicher Räume in der Innenstadt soll die Begrünung eine zentrale Rolle spielen.

    Dazu gehören unter anderem die Projekte am Marktplatz-Bohl, an der St.Leonhard-Strasse sowie an der Hinteren Post- und Bahnhofstrasse und in der Multergasse. Wie stark diese Massnahmen die Hitzebelastung künftig mindern und die Aufenthaltsqualität verbessern können, wird sich zeigen.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

    Kommentare

    User #4066 (nicht angemeldet)

    Auf dem Land ein Geschäft eröffnen macht heutzutage mehr Sinn, wollen ja alle mehrheitlich für Familiengründung in die ländliche Grüne Natur aufs Land ziehen

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