St. Galler mit Sehbehinderung: E-Velos und E-Autos sind ein Problem

Blindenhunde schenken Menschen mit einer Sehbehinderung mehr Selbstständigkeit und Sicherheit. Das weiss auch Edmond Bayer aus St. Gallen.

Seit einem Jahr begleitet ihn Archie, ein Labradoodle von Blindenhunde Liestal, im Alltag und auf seinen Spaziergängen. «Ohne Archie kann ich mir ein Leben nicht vorstellen. Er gibt mir grosse Sicherheit und Freude im Alltag», erzählt Edmond Bayer weiter.
Der heute 74-jährige St. Galler ist vor etwa 30 Jahren an einer schmerzhaften Krankheit am Sehnerv erblindet. Zeitweise gewann er einen Teil seine Sehkraft auf einem Auge zurück. Heute sieht er nur noch einen kleinen Grenzbereich im Seitenwinkel mit einem Auge.
Seinem Beruf als Werkzeugmacher konnte er seit seiner Erblindung nicht mehr nachgehen. Doch blieb er SAC-Hüttenwart im Jura, und für diese Aufgabe begleiteten ihn seine Blindenhunde in die Berge.
Edmond Bayer liebt es für andere zu kochen. Bei seiner Leidenschaft schaut ihm heute sein Blindenhund Archie über die Schulter und prüft die Zutaten.
Ein ganzes Hundeleben zusammen
Archie ist bereits sein vierter Führhund. Sein erster Blindenhund Yukon, eine Labrador-Dogge, begleitete ihn ein ganzes Hundeleben. Nach Yukon folgte Sancho, der nach seiner Pensionierung mit dem Sohn von Edmond Bayer weiterlebte und Teil der Familie blieb.

Der Abschied von einem Blindenhund bricht dem St. Galler jedes Mal erneut das Herz. Die gegenseitige Fürsorge schafft tiefes Vertrauen und Verbundenheit auf beiden Seiten des Mensch-Hunde-Gespanns. So verwundert es auch nicht, dass Edmond Bayer einen regen Kontakt zu seinem pensionierten Blindenhund Tristan, ein Labrador-Retriever, pflegt.
Der Hund lebt heute bei einem sehenden Rentnerpaar, das ebenfalls den Austausch sucht. «Die Trennung mit Tristan war sehr schwer gewesen. Es ist wichtig zu wissen, dass er jetzt an einem guten Platz ist. Instruktorin Anja Fink war bei der Vermittlung ganz wichtig», meint Edmond Bayer.
In der Übergangszeit, zwischen den Hunden Tristan und Archie, hat sich Edmond Bayer mit sehender Begleitung und mit seinem Langstock orientiert. Mit Archie sind durch seine Selbstständigkeit wieder alte Freiheiten zurückgekommen.
Der Blindenhund ermöglicht ihm heute Orientierung auf seinen Wegen, beim Wandern, Arztbesuch oder beim Einkaufen. Besonders an lebhaften Orten wie in Bus und Bahn, am Bahnhof oder bei der Überquerung von Strassen gibt er seinem Führhundehalter Sicherheit.
Mit Archie unterwegs in der Stadt, hat Edmond Bayer zusätzlich seinen Signalstock dabei. Wenn der Blindenhund etwas anzeigt, dann dient der Signalstock dem Abtasten der Hindernisse wie Treppen oder dem Anzeigen bei einer Strassenüberquerung.
Die Orientierung am Bahnhof in St. Gallen ist problemlos möglich, findet Edmond Bayer. Problematisch sei aber beispielsweise die Überquerungssituation an der Bruggwaldstrasse. Dort ist es für den Blindenhund unmöglich den Ampelkasten anzuzeigen.
Eine grosse Herausforderung im Strassenverkehr seien lautlose Elektrovelos, Elektroautos und Ampeln. Speziell in St. Gallen seien die herumstehenden Trottis und die Velos auf den Trottoirs ein Problem.
In der Stadt gibt es kaum Fahrradwege und Parkzonen für die Zweiräder. Eine achtsame Fahrweise und frühzeitige Bemerkbarmachung vermisst der Rentner besonders auf Waldwegen.
Nach getaner Arbeit geniesst auch der Blindenhund seine Freiheit bei einem Spaziergang im Freilauf mit Edmond Bayer und seiner Familie.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.





