Walter Zoo: Besucher-Rekord und trotzdem kaum Geld in der Kasse

Der Walter Zoo in Gossau SG blickt auf sein erfolgreichstes Jahr. Trotz Rekord bleibt die finanzielle Lage angespannt. Direktorin Karin Federer gibt Auskunft.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Walter Zoo in Gossau SG hat eine erfreuliche Hauptsaison erlebt.
- «Stand heute haben wir das beste Jahr in der Geschichte des Zoos», sagt Direktorin Karin Federer.
- Trotzdem hat der Walter Zoo kaum Geld in der Kasse.
Wenn das Thermometer nach oben klettert, zieht es die Menschen eher in die Badi als zu den wilden Tieren. Wegen der Hitze seien die Besucherzahlen zuerst rückläufig gewesen, erzählt Karin Federer.
Um dem entgegenzuwirken, durften Kinder im Juli in Begleitung Erwachsener den Gossauer Tierpark kostenlos besuchen. Eine Aktion, die ihren Teil zum Rekordergebnis beitrug.
Und die Tiere? Während der Alligator wohl seine Freude am Hitzesommer hatte, suchten andere Bewohner kühlere Plätze auf. Etwa der Kleine Panda oder der Sibirische Tiger.
«Unsere Tiere haben Vollpension. Sie werden rundum versorgt und können es sich leisten, im Schatten zu liegen», sagt die Tierärztin Karin Federer.
Wo die schöne Fassade nicht mehr genügt
So erfreulich die Besucherzahlen sind, so wenig Anlass zur Freude geben die Finanzen. Rund 800 Gäste braucht der Walter Zoo laut Federer täglich, um kostendeckend arbeiten zu können. An Spitzentagen sind es bis zu 3500. Dennoch bleibt unter dem Strich wenig übrig.

Wie aus den öffentlich zugänglichen Jahresberichten hervorgeht, schrieb der Walter Zoo 2023 und 2024 Verluste von insgesamt über 620'000 Franken. Allein 2023 investierte er über eine Million Franken in die Infrastruktur, unter anderem in neue Büroflächen und eine Produktionsküche.
Die dadurch gestiegenen Abschreibungen belasteten das Jahresergebnis. Hinzu kamen auch höhere Energiekosten. «Heute haben wir praktisch keine Reserven», sagt Federer.
Dabei nagt der Zahn der Zeit an der Infrastruktur. Die rund 40-jährige Gastronomie ist für die heutigen Besucherzahlen zu klein. Auch Personalräume und Garderoben sind erneuerungsbedürftig. Hinzu kommen der Eingangsbereich und die Parkplatzsituation.
Während sich für Tiere und Anlagen Spendengelder finden lassen, ist das bei Garderoben und Gastronomie schwieriger. Kredite wären eine Möglichkeit. Doch dafür braucht es ein Eigenkapitalpolster, und genau daran mangelt es.
Ein Lichtblick mit Tausenden Glühwürmchen
Ausgerechnet kleine, unscheinbare Tiere sollen dem Walter Zoo zu einer besseren Zukunft verhelfen: Glühwürmchen. Tausende sollen dereinst in einer eigens geschaffenen Höhle leuchten und die Besucher in ihren Bann ziehen. Im Hintergrund werden sie bereits gezüchtet.
«Das wird ein wunderschönes Erlebnis, das die Menschen im Herzen berühren kann», sagt Karin Federer. Hinter der faszinierend leuchtenden Idee steckt auch eine wirtschaftliche Überlegung. Die Höhle soll zusätzliche Gäste anlocken und helfen, finanzielle Reserven aufzubauen.
Doch das Vorhaben ist ein Kraftakt. Von den veranschlagten 16,79 Millionen Franken waren Ende September 9,51 Millionen gesichert. Weil noch 7,28 Millionen fehlen, musste der Zoo den geplanten Baustart, trotz vorliegender Baubewilligung, um ein Jahr verschieben.
Gleichzeitig drängen andere Investitionen. Besonders die in die Jahre gekommene Gastronomie könnte mit einem grösseren und zeitgemässeren Angebot zusätzliche Einnahmen generieren.
Wenn Tiere auch Frust erleben dürfen
Als Tierärztin beschäftigt Federer auch die Frage, was gute Tierhaltung ausmacht. Nicht immer sei es das Beste, den Tieren sämtliche Unannehmlichkeiten abzunehmen. In freier Wildbahn muss ein Tiger oft mehrmals jagen, bis er Beute macht.
Im Zoo wird ihm das Futter fast auf dem Silbertablett serviert. «Ich glaube deshalb, dass wir unseren Tieren manchmal mehr zumuten dürfen. Dazu gehört auch kurzfristiger Stress.» Federer unterscheidet klar zwischen solchen Herausforderungen und schädlichem, chronischem Stress.

Frustration könne auch eine Voraussetzung für Erfolgserlebnisse sein. Wichtig ist ihr zudem der Artenschutz: Bei der Zusammensetzung des Tierbestandes sollen gefährdete Arten zunehmend berücksichtigt werden.
Lieber Boutique statt Grossbetrieb
Einen zweiten Zoo Zürich möchte Federer nicht schaffen. Der Walter Zoo soll überschaubar und familienfreundlich bleiben, ein Ort der Nähe zu Mensch und Tier. «Ich vergleiche uns gerne mit einer Boutique», sagt sie.
Die Devise lautet: persönlicher Kontakt und besondere Angebote statt Grösse um jeden Preis. Auch für ihr Team wünscht sie sich zeitgemässe Arbeitsbedingungen. Schliesslich sollen sich nicht nur die Tiere und Gäste wohlfühlen, sondern auch jene Menschen, die sich tagtäglich mit Herzblut um den Zoo kümmern.
Bis dahin liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor ihr. Und wenn sie für die kommenden Jahre einen Wunsch frei hätte? Federer muss nicht lange überlegen. Die Glühwürmchenhöhle soll Wirklichkeit werden. «Dieses Projekt müssen wir jetzt auf die Strasse bringen und den Menschen zeigen können.»
Vielleicht sind es am Ende ausgerechnet Tausende kleine Lichter, die dem Walter Zoo den Weg in eine finanziell hellere Zukunft weisen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.






