St. Gallen

    Walter Zoo: Besucher-Rekord und trotzdem kaum Geld in der Kasse

    Andreas Lehmann
    Andreas Lehmann

    Gossau,

    Der Walter Zoo in Gossau SG blickt auf sein erfolgreichstes Jahr. Trotz Rekord bleibt die finanzielle Lage angespannt. Direktorin Karin Federer gibt Auskunft.

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    Karin Federer blickt trotz Besucherrekord mit gemischten Gefühlen auf die erfolgreichste Saison des Walter Zoo zurück. - Andreas Lehmann

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Walter Zoo in Gossau SG hat eine erfreuliche Hauptsaison erlebt.
    • «Stand heute haben wir das beste Jahr in der Geschichte des Zoos», sagt Direktorin Karin Federer.
    • Trotzdem hat der Walter Zoo kaum Geld in der Kasse.

    Wenn das Thermometer nach oben klettert, zieht es die Menschen eher in die Badi als zu den wilden Tieren. Wegen der Hitze seien die Besucherzahlen zuerst rückläufig gewesen, erzählt Karin Federer.

    Um dem entgegenzuwirken, durften Kinder im Juli in Begleitung Erwachsener den Gossauer Tierpark kostenlos besuchen. Eine Aktion, die ihren Teil zum Rekordergebnis beitrug.

    Und die Tiere? Während der Alligator wohl seine Freude am Hitzesommer hatte, suchten andere Bewohner kühlere Plätze auf. Etwa der Kleine Panda oder der Sibirische Tiger.

    «Unsere Tiere haben Vollpension. Sie werden rundum versorgt und können es sich leisten, im Schatten zu liegen», sagt die Tierärztin Karin Federer.

    Wo die schöne Fassade nicht mehr genügt

    So erfreulich die Besucherzahlen sind, so wenig Anlass zur Freude geben die Finanzen. Rund 800 Gäste braucht der Walter Zoo laut Federer täglich, um kostendeckend arbeiten zu können. An Spitzentagen sind es bis zu 3500. Dennoch bleibt unter dem Strich wenig übrig.

    Walter-Zoo Zirkuszelt
    Mit der letzten Aufführung des Zootheaters ging im Walter Zoo die Hauptsaison zu Ende. - Walter Zoo

    Wie aus den öffentlich zugänglichen Jahresberichten hervorgeht, schrieb der Walter Zoo 2023 und 2024 Verluste von insgesamt über 620'000 Franken. Allein 2023 investierte er über eine Million Franken in die Infrastruktur, unter anderem in neue Büroflächen und eine Produktionsküche.

    Die dadurch gestiegenen Abschreibungen belasteten das Jahresergebnis. Hinzu kamen auch höhere Energiekosten. «Heute haben wir praktisch keine Reserven», sagt Federer.

    Dabei nagt der Zahn der Zeit an der Infrastruktur. Die rund 40-jährige Gastronomie ist für die heutigen Besucherzahlen zu klein. Auch Personalräume und Garderoben sind erneuerungsbedürftig. Hinzu kommen der Eingangsbereich und die Parkplatzsituation.

    Während sich für Tiere und Anlagen Spendengelder finden lassen, ist das bei Garderoben und Gastronomie schwieriger. Kredite wären eine Möglichkeit. Doch dafür braucht es ein Eigenkapitalpolster, und genau daran mangelt es.

    Ein Lichtblick mit Tausenden Glühwürmchen

    Ausgerechnet kleine, unscheinbare Tiere sollen dem Walter Zoo zu einer besseren Zukunft verhelfen: Glühwürmchen. Tausende sollen dereinst in einer eigens geschaffenen Höhle leuchten und die Besucher in ihren Bann ziehen. Im Hintergrund werden sie bereits gezüchtet.

    «Das wird ein wunderschönes Erlebnis, das die Menschen im Herzen berühren kann», sagt Karin Federer. Hinter der faszinierend leuchtenden Idee steckt auch eine wirtschaftliche Überlegung. Die Höhle soll zusätzliche Gäste anlocken und helfen, finanzielle Reserven aufzubauen.

    Warst du schon einmal im Walter Zoo?

    Doch das Vorhaben ist ein Kraftakt. Von den veranschlagten 16,79 Millionen Franken waren Ende September 9,51 Millionen gesichert. Weil noch 7,28 Millionen fehlen, musste der Zoo den geplanten Baustart, trotz vorliegender Baubewilligung, um ein Jahr verschieben.

    Gleichzeitig drängen andere Investitionen. Besonders die in die Jahre gekommene Gastronomie könnte mit einem grösseren und zeitgemässeren Angebot zusätzliche Einnahmen generieren.

    Wenn Tiere auch Frust erleben dürfen

    Als Tierärztin beschäftigt Federer auch die Frage, was gute Tierhaltung ausmacht. Nicht immer sei es das Beste, den Tieren sämtliche Unannehmlichkeiten abzunehmen. In freier Wildbahn muss ein Tiger oft mehrmals jagen, bis er Beute macht.

    Im Zoo wird ihm das Futter fast auf dem Silbertablett serviert. «Ich glaube deshalb, dass wir unseren Tieren manchmal mehr zumuten dürfen. Dazu gehört auch kurzfristiger Stress.» Federer unterscheidet klar zwischen solchen Herausforderungen und schädlichem, chronischem Stress.

    Walter Zoo.
    Besucherrekord im Walter Zoo – doch die finanziellen Sorgen bleiben. - Walter Zoo

    Frustration könne auch eine Voraussetzung für Erfolgserlebnisse sein. Wichtig ist ihr zudem der Artenschutz: Bei der Zusammensetzung des Tierbestandes sollen gefährdete Arten zunehmend berücksichtigt werden.

    Lieber Boutique statt Grossbetrieb

    Einen zweiten Zoo Zürich möchte Federer nicht schaffen. Der Walter Zoo soll überschaubar und familienfreundlich bleiben, ein Ort der Nähe zu Mensch und Tier. «Ich vergleiche uns gerne mit einer Boutique», sagt sie.

    Die Devise lautet: persönlicher Kontakt und besondere Angebote statt Grösse um jeden Preis. Auch für ihr Team wünscht sie sich zeitgemässe Arbeitsbedingungen. Schliesslich sollen sich nicht nur die Tiere und Gäste wohlfühlen, sondern auch jene Menschen, die sich tagtäglich mit Herzblut um den Zoo kümmern.

    Bis dahin liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor ihr. Und wenn sie für die kommenden Jahre einen Wunsch frei hätte? Federer muss nicht lange überlegen. Die Glühwürmchenhöhle soll Wirklichkeit werden. «Dieses Projekt müssen wir jetzt auf die Strasse bringen und den Menschen zeigen können.»

    Vielleicht sind es am Ende ausgerechnet Tausende kleine Lichter, die dem Walter Zoo den Weg in eine finanziell hellere Zukunft weisen.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.

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