Wenn der Müll zum Verräter wird: Unterwegs mit dem Abfall-Controller

Franz Welte
Franz Welte

Stadt St. Gallen,

In der Stadt St. Gallen nehmen falsch entsorgte Abfälle zu. Dadurch gewinnt die Arbeit des Abfall-Controllers Richi Nyffeler an Bedeutung.

Ausgerechnet unter einer Informationstafel der Entsorgung St.Gallen über regelkonforme Abfall-Bereitstellung wurden diese Möbel entsorgt.
Ausgerechnet unter einer Informationstafel der Entsorgung St.Gallen über regelkonforme Abfall-Bereitstellung wurden diese Möbel entsorgt. - Gossauer Nachrichten

Bei der Mitfahrt in seinem Lieferwagen ist sofort klar: Der St. Galler Kehricht-Controller Richi Nyffeler verfügt über viel detektivischen Spürsinn.

Sein geübtes Auge erkennt schnell Kehrichtsünden am Strassenrand: Zu früh bereit gestellte Säcke, «illegale» Säcke wie die preisgünstigen für die Unterflurbehälter, Abfälle auf der Strasse und zur Unzeit bereitgestellter Karton.

Daneben aber ist höchste Aufmerksamkeit im Verkehr gefordert. Vielfach sind enge Strässchen aufzusuchen, die sehr unübersichtlich sind. Zudem gilt es, den Verkehr nicht zu behindern.

Das Einsammeln illegal abgestellten Abfalls muss rasch erfolgen. Auch in diesem Bereich verfügt der seit über zwanzig Jahren tätige Mitarbeiter über grosse Erfahrung. Mitunter lassen sich Nachforschungen in den betroffenen Liegenschaften nicht vermeiden.

Meist erlebt Richi Nyffeler freundliche Begegnungen. Die meisten Anwohnerinnen und Anwohner schätzen seinen Einsatz, der zu einer Ordnung vor dem Haus führt, geben ihm Hinweise und sind ihm auch dankbar.

Fündig geworden: Eine Adresse aus dem Abfallsack führt zur Identifikation des Abfallsünders.
Fündig geworden: Eine Adresse aus dem Abfallsack führt zur Identifikation des Abfallsünders. - Gossauer Nachrichten

Demgegenüber verlaufen die Begegnungen mit den Abfall-Sünderinnen und -Sündern selbst nicht immer so harmonisch – doch mehrheitlich stösst Nyffeler bei ihnen auf Einsicht. Häufig geschehen solche Verstösse nicht absichtlich, sondern aus Unwissenheit – trotz der umfangreichen Informationsarbeit von Entsorgung St. Gallen.

Richi Nyffeler fährt nicht wahllos in jene Quartiere, in denen besonders viele Abfallsünden festgestellt werden. Illegale Entsorgungen kommen im gesamten Stadtgebiet vor. Die eingegangenen Meldungen werden deshalb mithilfe eines IT-Systems automatisch erfasst und zu einer möglichst effizienten Route zusammengestellt.

Dadurch lassen sich zahlreiche Fahrkilometer einsparen. Das jeweils nächste Ziel kann der Abfall-Controller dann direkt auf dem Monitor abrufen.

«Für ein sauberes Quartier»

Der Abfall-Controller misst auch der Prävention grosse Bedeutung bei. Immer wieder beantwortet er Fragen aus der Bevölkerung und informiert direkt vor Ort über die geltenden Entsorgungsvorschriften.

Bei Liegenschaften, vor denen Abfälle wiederholt nicht korrekt bereitgestellt werden, verteilt er auffällige Merkblätter in Form eines Kehrichtsacks. Darauf steht in roter Schrift der Hinweis: «Abfall richtig bereitstellen – für ein sauberes Quartier.»

Die Informationen sind in deutscher und englischer Sprache verfasst; zusätzlich wird auf weitere Sprachversionen hingewiesen, die online abgerufen werden können. Für die Karton- und Papiersammlung existiert zudem ein separates farbiges Merkblatt mit dem Titel «Getrennt und geschnürt», das der Controller regelmässig verteilt.

Mehrarbeit für den Controller hat der neue U-Sack gebracht. Dieser ist seit dem 30. Juni 2025 erhältlich und wurde von Entsorgung St. Gallen zum 50-Jahr-Jubiläum des Gebührensacks lanciert.

Er wird immer wieder fälschlicherweise für die Bereitstellung von Abfall am Strassenrand benutzt, ist aber nur beim Einwerfen in den Unterflurbehälter gültig.

Hand aufs Herz: Entsorgst du deinen Abfall immer richtig?

Noch steht aus, ob der Sack als Jubiläumsaktion abgeschlossen oder definitiv beibehalten wird. Wenn es zu einer definitiven Regelung mit Beibehaltung kommt, muss das Abfallreglement angepasst werden, damit auch Bussen ausgesprochen werden können.

Enge Zusammenarbeit

Für Richi Nyffeler ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen der Stadtverwaltung unerlässlich. Ganze Aussteuern, die am Strassenrand stehen, kann er nicht in seinen Lieferwagen laden, dazu muss ein grosser Kehrichtabfuhr-Wagen bestellt werden.

Für die Sauberkeit bei stark gestreuten Abfällen ist das Strasseninspektorat beizuziehen. Schliesslich bestehen enge Beziehungen zur Stadtpolizei. Ihr werden die Beweismittel für die Bussenerteilung übermittelt und sie ist dann für die Büssung zuständig.

Bei wiederholten grossen Verfehlungen, die nicht mehr mit einer Ordnungsbusse erledigt werden können, erfolgt eine entsprechende Anzeige. Nyffeler leitet nicht einfach stur Büssungen ein, sondern berücksichtigt oft auch die Umstände.

Wiederholte Vergehen werden indessen konsequent geahndet. Für Richi Nyffeler steht fest: Ohne die Möglichkeit, Verstösse zu büssen, liesse sich die Ordnung im öffentlichen Raum kaum aufrechterhalten.

Adressen-Ermittlung

Die eigentliche Ermittlungsarbeit des Abfall-Controllers beginnt in der Kehrichtverbrennungsanlage. Sobald sein Lieferwagen mit illegal entsorgten Säcken gefüllt ist, fährt Richi Nyffeler zum Rechenwald. Direkt vor der Entsorgung öffnet er die Säcke und sucht nach Hinweisen auf die Verursacher.

Der Controller behändigt Illegal entsorgten Abfall.
Der Controller behändigt illegal entsorgten Abfall. - Gossauer Nachrichten

Mit geübtem Blick erkennt er innert Kürze Briefe oder Quittungen, die Adressen enthalten. Solche Funde werden fotografisch gesichert, bevor der Abfall im Bunker entsorgt wird.

Neben Kehricht-säcken tauchen auch immer wieder falsch entsorgte Sonderabfälle auf, so etwa zunehmend leere Lachgasbehälter, die im öffentlichen Raum zurückgelassen werden. Trotz dieser speziellen Fälle betont Entsorgung St. Gallen, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung die Entsorgungsvorschriften korrekt einhält und Verstösse im Gesamtbild selten bleiben.

5876 Meldungen im letzten Jahr

Entsorgung St. Gallen registrierte im vergangenen Jahr 4925 Meldungen wegen illegaler Entsorgungen sowie weitere 951 Meldungen wegen zu früh bereitgestellter Abfälle. In den meisten Fällen konnten die Verursacher nicht ermittelt werden.

Nur ein kleiner Anteil der Abfälle führte letztlich zu einer Busse. Betroffen waren vor allem Kehrichtsäcke, Sperrgut und Karton.

Die Zahl der Meldungen steigt seit Jahren kontinuierlich an – besonders deutlich bei zu früh bereitgestellten Abfällen. 2019 waren noch 2856 Meldungen eingegangen.

Daraus lasse sich jedoch nicht direkt auf mehr Abfallsünder schliessen, betont Entsorgung St. Gallen. Die Stadt sei gewachsen, das Abfallvolumen habe zugenommen und die Bevölkerung reagiere sensibler auf illegale Entsorgungen als früher.

Hinweis

Dieser Text ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.

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