«Wichtiger Schritt»: Steinach SG hat jetzt einen Batteriespeicher

In Steinach SG sind ein neuer Batteriespeicher und die «Power Hall» in Betrieb. Die Anlage soll Strom speichern und das Netz entlasten.

In Steinach SG ist kürzlich ein Energieprojekt offiziell in Betrieb gegangen, das weit über die Gemeindegrenzen hinaus Signalwirkung haben könnte.
Gemeinsam mit dem Abwasserverband Morgental (AVM) hat die Gemeinde einen grossen Batteriespeicher sowie die neue «Power Hall» auf dem Gelände der Kläranlage realisiert. Das Ziel: Strom dann speichern, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn genau dann nutzen oder verkaufen, wenn er gebraucht wird.
Strommarkt im Wandel
Der Strommarkt verändert sich rasant. Immer häufiger produzieren Photovoltaikanlagen mehr Energie, als gerade benötigt wird. Mit dem neuen Batteriespeicher wollen Steinach und der AVM genau auf diese Entwicklung reagieren.
Der Speicher kann Energie zwischenspeichern und später gezielt ins Netz einspeisen – etwa wenn die Nachfrage hoch und der Strompreis attraktiv ist. Für die Bevölkerung bedeute das vor allem eine Stärkung der lokalen Energieversorgung und eine bessere Nutzung des lokal produzierten Solarstroms, erklärt Gemeindepräsident Michael Aebisegger.
«Der Batteriespeicher ist ein wichtiger Schritt für eine zukunftsfähige Energieversorgung in Steinach», sagt er. Gleichzeitig könne die Elektrizitätsversorgung mit der Anlage am Energiemarkt teilnehmen und Flexibilität für die Stabilisierung des Schweizer Stromnetzes anbieten.
Geld verdienen mit Netzstabilität
Den Grundstein legten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Gemeinde Steinach sowie die Delegierten des Abwasserverbands bereits im Frühjahr 2025. Sie genehmigten den Investitionskredit von 4,5 Millionen Franken.

Der Anteil der Gemeinde beträgt dabei 2,7 Millionen Franken für 3,4 Megawatt Batterieleistung. Der Bau begann im Januar 2026. Bereits bis Juni waren die technischen Anlagen installiert.
Anschliessend mussten sie die Präqualifikation von Swissgrid bestehen – die technische Zulassung für den Einsatz im Schweizer Stromnetz. Diese Hürde haben sowohl der Batteriespeicher als auch die Anlage erfolgreich genommen.
Erfreulich aus Sicht der Bauherrschaft: Der bewilligte Kredit kann nach aktuellem Stand eingehalten werden. Bei der Wirtschaftlichkeit setzt die Gemeinde bewusst auf einen langfristigen Horizont.
Gerechnet wird mit einer Lebensdauer von rund 15 Jahren. Die ursprünglichen Wirtschaftlichkeitsberechnungen gingen davon aus, dass über diesen Zeitraum ein Gewinn von rund 4,5 Millionen Franken erwirtschaftet werden kann.
«Wir wollen nicht mit einer scheinbar exakten Jahreszahl arbeiten, sondern die Wirtschaftlichkeit laufend überprüfen», sagt Aebisegger. Der Batteriespeicher soll jedoch nicht nur Strom speichern. Ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells ist die sogenannte Regelenergie.
Dabei hilft der Speicher, die Netzfrequenz von 50 Hertz stabil zu halten und Lastspitzen im Stromnetz abzufangen. Für diese Vermarktung arbeiten die beiden Projektpartner mit unterschiedlichen Energieunternehmen zusammen: Je nach vermarkteter Leistung werden Erträge von rund 120'000 bis 180'000 Franken pro Megawatt und Jahr erwartet.
Gleichzeitig bleibt das System flexibel. Sollte sich der Strommarkt verändern, kann der Speicher auch für sogenannte Stromarbitrage eingesetzt werden – also Strom günstig einkaufen, speichern und später bei höheren Preisen wieder verkaufen.
Fixe jährliche Einnahmen will die Gemeinde allerdings nicht versprechen. «Die Erlöse können von Jahr zu Jahr deutlich variieren», erklärt der Gemeindepräsident.
Entscheidend sei deshalb nicht der Umsatz eines einzelnen Jahres, sondern die Gesamtwirtschaftlichkeit über die Lebensdauer der Anlage. Für die Bevölkerung könne das Projekt dennoch indirekt interessant sein: Ertragsüberschüsse des Batteriespeichers fliessen in den Gemeindehaushalt.
Zum Projekt gehört auch die architektonisch auffällige «Power Hall». Die gläserne Halle schützt die Batterien nicht nur vor Hitze, sondern produziert auf ihrem Dach gleichzeitig Solarstrom.
Damit kann künftig rund ein Drittel des Bruttostromverbrauchs der ARA Morgental durch eigene Photovoltaik gedeckt werden. Stromproduktion und Stromspeicherung greifen damit direkt ineinander – eine Kombination, welche die Verantwortlichen als funktionale Symbiose bezeichnen.
Mit dem gemeinsamen Projekt wollen Gemeinde und Abwasserverband nicht nur auf die Herausforderungen des Strommarkts reagieren, sondern ihre Energieversorgung langfristig wirtschaftlicher und effizienter machen.
Steinach als Vorreiter
Für Aebisegger hat das Projekt auch über die Gemeinde hinaus Bedeutung. Das Gemeinschaftsprojekt von Gemeinde Steinach und Abwasserverband Morgental sei in dieser Form im Kanton St. Gallen einzigartig. «Wir verbinden bestehende Energieinfrastrukturen und nutzen sie für ein neues Geschäftsmodell», sagt der Gemeindepräsident.
Konkrete Anfragen anderer Gemeinden habe es bislang zwar noch nicht gegeben. Das Interesse an solchen Lösungen nehme aber zu. Viele Gemeinden und Energieversorgungen stünden vor der gleichen Herausforderung: Durch den Ausbau der Photovoltaik würden zeitweise grosse Strommengen produziert, die lokal nicht unmittelbar verbraucht werden könnten.

Auch für die Zukunft will Steinach diesen Weg weitergehen. Geplant sind unter anderem der weitere Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion, Eigenverbrauchslösungen, Elektromobilität sowie eine intelligente Steuerung von Energieverbrauch und -produktion.
Besonders stolz ist der Gemeindepräsident darauf, dass aus der Herausforderung ein wirtschaftlich interessantes Infrastrukturprojekt entstanden ist: «Auch eine Gemeinde unserer Grösse kann bei der Energiezukunft eine aktive und innovative Rolle übernehmen.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.




