«Wir sprechen niemals von Waffen»

Wil,
Die 16. Wiler Jugend Games gehen über die Bühne. Über 150 Kinder und Jugendliche besuchen 25 verschiedene Sportkurse. Darunter ist auch der Kurs Luftpistole.

Das Wichtigste in Kürze
- In Wil finden zum 16. Mal die Jugend Games statt.
- Kinder und Jugendliche können dort neue Sportarten ausprobieren.
- Auch das Sportschiessen mit der Luftpistole kann erkundet werden.
- Der Stadtschütze Herbert Haas betont: «Wir sprechen in unseren Trainings niemals von Waffen.»
«Achtung, nicht erschrecken», warnt Herbert Haas. Gleich darauf ist ein Knall zu hören. Fünf jugendliche Augenpaare sind gebannt auf den Wiler Stadtschützen gerichtet, als er den Abzug der Pistole drückt. Trotz seiner Warnung werden einige davon gross, als der Druck mit einem lauten «Peng» aus dem Lauf entweicht.
«Und was war nochmal das Wichtigste?», fragt Haas und schaut prüfend in die Runde. «Der Lauf der Pistole muss immer nach vorne gerichtet sein», antwortet ein Junge ernst.
Der Stadtschütze nickt zustimmend: «Genau. Das ist das Wichtigste für eure Sicherheit.»
Vater-Tochter-Duo
Herbert Haas verbringt diese Woche zwei Nachmittage damit, Kinder und Jugendliche bei ihrer ersten Begegnung mit der Luftpistole anzuleiten. Er ist seit 16 Jahren Teil des Vereins Stadtschützen Wil und ist als Präsident der Luftpistolen- und Pistolensektion verantwortlich für die Nachwuchsförderung.

Am Montag nach dem Mittag begann der erste Kurs, den er im Rahmen der 16. Wiler Jugend Games durchführte. Nach einer kurzen Einführung und wichtigen Sicherheitshinweisen dürfen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erste Übungen mit der Luftpistole absolvieren.
Herbert Haas korrigiert Haltung und Fussstellungen. Seine 14-jährige Tochter Aurelia steht ihm unterstützend zur Seite. Die Kantischülerin ist Mitglied bei den Stadtschützen, seit sie sieben Jahre alt ist. Sie durfte in den vergangenen Jahren bereits zweimal ihre Platzierung als Vizeschweizermeisterin im Luftpistolenschiessen feiern.
Kein «Böllere» oder «Chlöpfe»
«Wenn ich schiesse, denke ich an nichts anderes mehr. Es erfordert volle Konzentration», sagt Aurelia. Das sei einer der Gründe, weshalb sie ihr Hobby gerne ausübe. Das Schiessen sei körperlich und mental sehr herausfordernd, erklärt ihr Vater.
«Die Bewegungsabläufe wiederholen sich stetig, es entsteht eine Routine. Es ist eine Kombination aus Ausdauer und Konzentration, welche die mentale Stärke jedes Einzelnen extrem fordert», führt er aus.
Mit «Böllere» oder «Chlöpfe» habe der Schiesssport nichts zu tun, es gehe ausschliesslich um Kondition und Präzision. «Wir sprechen in unseren Trainings deshalb auch von Sportgeräten oder Pistolen – niemals von Waffen», betont der Stadtschütze.
Kompetenz für die Schule
Um präzise zu zielen, muss der Puls der Schützin oder des Schützen möglichst ruhig sein, weiss Herbert Haas. Im Training würden deshalb jeweils Übungen absolviert, die den Puls extra hochschnellen lassen, um das Senken des Herzschlags zu lernen.

«Mit einem hohen Puls kann man sich weniger gut konzentrieren, ist unruhig und zittrig», so der Kursleiter. Die Fähigkeit, sich zu fokussieren helfe nicht nur beim Schiessen, sondern sei gerade für Kinder und Jugendliche in der Schule eine wichtige Kompetenz.
Sportangebot stösst auf Anklang
Die Stadtschützen Wil sind einer von 19 Vereinen, die im Rahmen der Wiler Jugend Games insgesamt 25 verschiedene Sportarten zum Ausprobieren anbieten. Gemäss der Verantwortlichen der Wiler Jugend Games nehmen Kinder und Jugendliche an der 16. Ausführung durchschnittlich an dreieinhalb Kursen teil.
Dies zeige: Das Konzept des Sportangebots, nach dem viele verschiedene Sportarten niederschwellig und unverbindlich erkundet werden können, stosse nach wie vor auf Anklang.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.








