Zwei Feuerwehrangehörige wegen Brand in Bernhardzell SG gebüsst

Die St. Galler Staatsanwaltschaft hat gegen zwei Angehörige der Feuerwehr Strafbefehle erlassen. Ihnen wird vorgeworfen, einen Brand im Ostschweizer Feuerwehr-Ausbildungszentrum in Bernhardzell nicht gemeldet zu haben. Die Strafbefehle sind noch nicht rechtskräftig.

Die beiden Feuerwehrleute hätten gegen die Sorgfaltspflicht verstossen, heisst es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Freitag. Sie werden mit einer Busse von je 1000 Franken bestraft. Hinzu kommen Verfahrensgebühren von je 400 Franken.
In der Nacht auf den 26. Januar 2024 kam es zu einem Brand im Ostschweizer Feuerwehr-Ausbildungszentrum. Die beiden Beschuldigten hätten am Abend des 25. Januar vor Ort zwar Rauch und Funkenflug aus dem Kamin des Feststoffbrandhauses wahrgenommen, die Feuerwehr jedoch «trotz erkennbarer Brandanzeichen» nicht informiert.
Kantonsrat wirft Fragen auf
Die Behörden verzichteten darauf, über den damaligen Brand zu kommunizieren. Für Mitte-Kantonsrat Sepp Sennhauser aus Wil kam der Verdacht auf, dass etwas vertuscht werden sollte. «Es wurden in Feuerwehrkreisen Videos und Fotos vom Brand herumgereicht», sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Sie stammten von jenen Feuerwehrinstruktoren, die damals vor Ort waren und den Brand nicht bemerkt haben wollten.»
Der Brand kam auch schon im St. Galler Kantonsrat zur Sprache. Sennhauser warf letztmals Mitte September zusammen mit Kantonsrat Adrian Gmür (Mitte) in einer Interpellation Fragen auf. Er erwähnt darin, dass die Staatsanwaltschaft den Fall ursprünglich nicht annahm, weil eine «Selbstzündung» als Brandursache ermittelt worden sei. Mit den aufgetauchten Fotos und Videos der Brandnacht seien die Ermittlungen jedoch wieder aufgenommen worden.
Ihre Fragen an die Regierung, etwa wie hoch der finanzielle Schaden war und welche Fachpersonen und Firmen zur Aufarbeitung des Brandes beigezogen wurden, sind noch nicht beantwortet.
Für Sennhauser gibt es weitere Ungereimtheiten. Teile der Anlage, die als «modernstes Brandhaus Europas gilt», seien lange ausgefallen. «Die rund 5 Millionen Franken teure Anlagentechnik hat den Brand jedoch unbeschädigt überstanden und den ganzen Brandverlauf aufgezeichnet», sagt Sennhauser, der auch Delegierter des Sicherheitsverbunds Region Wil ist. Trotzdem werde sie nun ohne Einbezug der Herstellerfirma umgebaut und teilweise neu in Betrieb genommen. Das habe auch mit Unstimmigkeiten zwischen den Verantwortlichen der Anlage und der Herstellerfirma zu tun, so Sennhauser weiter. «So entstehen unnötig hohe Kosten und irreparable Schäden an der technischen Anlage.»
Brandursache bleibt ungewiss
Die Staatsanwaltschaft hält in ihrer Medienmitteilung fest, dass ein Verfahren zur Ermittlung der Brandursache weiterhin pendent sei. Weitere Auskünfte würden aufgrund des laufenden Verfahrens nicht erteilt.
Die Gebäudeversicherung St. Gallen bestätigt in einer Mitteilung, dass die beiden Feuerwehrleute, welche einen Strafbefehl erhielten, zu ihrem Instruktorenteam gehören. Sie befürworte die unabhängige Abklärung der Brandursache.
26,5 Millionen Franken teure Anlage
Das 2017 eingeweihte Ostschweizer Feuerwehr-Ausbildungszentrum steht auf dem Gelände des Waffenplatzes Bernhardzell. Daran beteiligt sind die vier Ostschweizer Kantone.
Die Finanzierung der 26,5 Millionen Franken teuren Anlage erfolgte aus Mitteln der Feuerschutzfonds der Gebäudeversicherungen der Kantone St. Gallen, Thurgau und der beiden Appenzell. Dafür wurde ein Verteilschlüssel nach den Bevölkerungszahlen angewendet. Herzstück der Anlage ist das Brandhaus.






