Markus Ritter: «Ohne Tiere wäre die Schweiz nicht die Schweiz!»

    Markus Ritter
    Markus Ritter

    Rheintal,

    «Eine starke Schweizer Landwirtschaft braucht eine starke Tierhaltung», schreibt Bauernpräsident und Mitte-Nationalrat Markus Ritter in seiner Kolumne.

    Markus Ritter Bauern Fleisch
    Markus Ritter ist Bauernpräsident und Nationalrat. Er schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zvg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Markus Ritter ist gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.
    • Auf Nau.ch schreibt der Mitte-Nationalrat regelmässig Kolumnen.
    • Heute schreibt Ritter über die Nutztierhaltung in der Schweiz.
    • «Tierhaltung bedeutet weit mehr als Lebensmittel», so Ritter.

    «Die Nutztierhaltung abschaffen», diese Forderung hört man immer mal wieder. Erst vor einigen Tagen reichten einige ziemlich radikale TierschützerInnen in Bern eine Petition in diese Richtung ein.

    Den einen geht es um die Tierwürde, den anderen um die Umwelt. Nach meiner letzten Kolumne zur Kuh, welche das Klima nicht killt, möchte ich hier den Nutzen der Tierhaltung generell erläutern.

    Wer durch die Schweiz reist, sieht sie überall: Kühe auf den Alpen, Schafherden, Ziegen an steilen Hängen – oder Hühner auf aktuell nicht mehr ganz so grünen Wiesen. Für viele gehören sie ganz selbstverständlich zu unserem Landschaftsbild.

    Doch was wäre, wenn diese Tiere plötzlich verschwänden? Die Antwort überrascht viele: Es wäre nicht einfach eine Schweiz mit etwas weniger Milch, Käse oder Fleisch. Es wäre eine Schweiz, die einen grossen Teil ihres Potenzials zur Lebensmittelproduktion verlieren würde.

    Gras wird zu wertvollen Lebensmitteln

    Die Schweiz ist kein typisches Ackerbaugebiet. Rund zwei Drittel unserer landwirtschaftlich genutzten Fläche bestehen aus Wiesen und Weiden.

    Auf diesen Flächen wachsen weder Brotgetreide noch Gemüse oder Hülsenfrüchte. Was dort jedoch hervorragend gedeiht, ist Gras.

    Und genau hier kommen unsere Wiederkäuer ins Spiel: Kühe, Schafe und Ziegen machen aus Gras hochwertige Lebensmittel wie Milch, Käse oder Fleisch.

    Sie erschliessen damit Flächen bis hoch in die Berge für unsere Ernährung und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit.

    Wertschöpfung für das ganze Land

    Tierhaltung bedeutet aber weit mehr als Lebensmittel. Sie ist das wirtschaftliche Rückgrat vieler Bauernfamilien.

    Gut die Hälfte des landwirtschaftlichen Produktionswertes in der Schweiz stammt aus tierischen Erzeugnissen.

    Ist dir die Tierhaltung in der Schweiz wichtig?

    Von dieser Wertschöpfung profitieren nicht nur die Landwirtschaftsbetriebe selbst, sondern auch Käsereien, Metzgereien, Futtermittelhersteller, Transportunternehmen, der Detailhandel und unzählige weitere Unternehmen im ländlichen Raum.

    Wer über die Zukunft der Tierhaltung spricht, spricht deshalb auch über Arbeitsplätze, regionale Wirtschaftskreisläufe und lebendige Dörfer.

    Rätisches Grauvieh
    Rätisches Grauvieh auf einer Wiese. - zvg

    Kreisläufe statt Gegensätze

    Hinzu kommt ein oft wenig beachteter Aspekt: Tierhaltung und Pflanzenbau gehören zusammen. Mist und Gülle liefern wertvolle Nährstoffe für fruchtbare Böden und helfen, den natürlichen Kreislauf zu schliessen.

    Ohne Nutztiere wären wir für die Ackerflächen deutlich stärker auf importierte Kunstdünger angewiesen.

    Natürlich entwickelt sich auch die Tierhaltung weiter. Wir Bäuerinnen und Bauern investieren laufend in Tierwohl, Ressourceneffizienz und umweltschonende Produktionsmethoden. Unsere gesetzlichen Anforderungen gehören weltweit zu den strengsten.

    Schwarznasen-Schafe
    Die «Schwarznasen»-Schafe aus dem Oberwallis. - zvg

    Die Schweiz braucht ihre Tierhaltung

    Wer die Tierhaltung auf die Frage reduziert, ob wir auch ohne sie leben könnten, greift deshalb zu kurz.

    Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie wollen wir die Schweiz künftig ernähren? Wollen wir die Möglichkeiten unseres Graslandes sinnvoll nutzen und hochwertige Lebensmittel im eigenen Land produzieren? Oder wollen wir noch stärker von Importen abhängig werden?

    Ich bin überzeugt: Eine starke Schweizer Landwirtschaft braucht eine starke Tierhaltung. Nicht aus Tradition allein, sondern weil sie ein zentraler Baustein für unsere Ernährungssicherheit, unsere Wertschöpfung und unsere Kulturlandschaft ist.

    Und nicht zu vergessen: Die Milch unserer Tiere wird getrunken, das Fleisch gegessen. Wir produzieren ja nicht um der Produktion willen, sondern weil es eine Nachfrage nach diesen Lebensmitteln gibt.

    Markus Rit.er.
    Markus Ritter. - keystone

    Zum Autor:

    Markus Ritter (58) ist Nationalrat (Die Mitte) und gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.

    Kommentare

    User #4560 (nicht angemeldet)

    Aber fehlt das Hirn, fehlt auch das Wasser. 🙈

    User #3164 (nicht angemeldet)

    Alle Fakten sprechen für mehr Selbstversorgung mit Gemüse.

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