Klosters GR: Steuerfuss soll von 78 auf 72 Prozent sinken

Der Gemeinderat von Klosters GR hat das Budget 2027 mit einem tieferen Steuerfuss einstimmig verabschiedet. Die Urnengemeinde entscheidet am 29. November 2026.

An der Gemeinderatssitzung vom Mittwoch, 7. Oktober 2026 befasste sich der Klosterser Gemeinderat mit drei formellen Sachgeschäften. Zu Beginn der Sitzung behandelte das Klosterser Gemeindeparlament die am 17. August 2026 eingereichte Motion Steuersenkung. Im Hinblick auf die beschlussfassende Urnengemeinde haben die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte im Weiteren das Budget 2027 und den Steuerfuss 2027 beraten.
Abschliessend nahmen die Klosterser Abgeordneten eine Anpassung des Gesamtpensums des Gemeindevorstands Klosters vor. Schliesslich galt es für den Rat, über die Teilrevision Ortsplanung Chüenischboden – Prästenboden Klosters, Genereller Erschliessungsplan Verkehr, abschliessend Beschluss zu fassen. Unter Orientierungen und Aussprache wurde u. a. zum aktuellen Stand Parkhaus Casanna und über eine Anpassung bezüglich Tarifverbund Klosters (öffentlicher Verkehr) informiert.
Sodann wurde ein Postulat zur Überprüfung von Tempo 30 auf der Kantonsstrasse Klosters eingereicht.
Motion Steuersenkung
Zu Beginn der Sitzung hatte der Klosterser Gemeinderat über den Umgang mit der anlässlich der Gemeinderatssitzung vom 17. August 2026 eingereichten Motion Steuersenkung zu befinden. Die von Gemeinderat Johannes Kasper als Erstunterzeichner eingereichte und 9 weiteren Gemeinderatsmitgliedern mitunterzeichnete Motion verlangt die baldmögliche weitere Senkung des Steuerfusses der Gemeinde Klosters von 78 auf 72 %.
Obwohl der Gemeindevorstand in seinem Bericht an den Gemeinderat darauf hinwies, dass insbesondere bezüglich der vorgeschlagenen Einführung einer besonderen Liegenschaftssteuer auf überwiegend selbstgenutzten Zweitliegenschaften (Kompensation Steuerausfälle im Zusammenhang mit dem Wegfall der Eigenmietwertbesteuerung ab 2029) zur Zeit Ungewissheit bestehe, beurteilt der Vorstand letztlich die anbegehrte Steuerfusssenkung aus heutiger Sicht als trag- und verantwortbar. Eine Steuerfusssenkung um 6 % würde Steuerausfälle bei der kommunalen Einkommens- und Vermögenssteuer von rund CHF 1,23 Mio. mit sich bringen. Der Gemeindevorstand erklärte sich deshalb auch bereit, die Steuersenkung bereits per 2027 vorzusehen und hat diese im Budget 2027 abgebildet.
Der Gemeinderat erklärte schliesslich einstimmig (mit 12:0 Stimmen) die Motion antragsgemäss für erheblich, sprach sich für die vorgeschlagene Steuerfusssenkung um 6 % auf 72 % per 1.1.2027 aus und schrieb die Motion aufgrund der Berücksichtigung im Budget 2027 ab.
Budget 2027 und Steuerfuss 2027 z. Hd. Urnengemeinde verabschiedet
Als weiteres Finanzgeschäft galt es wie jedes Jahr, in der Folge das Budget und den Steuerfuss der Gemeinde Klosters für das Jahr 2027 zu behandeln.
Wie bereits beim Traktandum Motion Steuersenkung führte Gemeindevizepräsidentin und Departementschefin Bildung und Finanzen, Stephanie Mayer-Bruder, SVP, in das Traktandum ein. In der Folge wurden die Budgetbestandteile unter der Leitung des Vorsitzenden 2026 der Geschäftsprüfungskommission, Christian Lüscher, Mitte, durch den Rat beraten. Dabei wurden vor allem Fragen zur Funktion 0 Allgemeine Verwaltung gestellt, die durch den Gemeindevorstand und den ebenfalls anwesenden Abteilungsleiter Finanzen, Philippe Kilchenmann, kompetent und einleuchtend beantwortet werden konnten.
Aufgrund der per 1.1.2027 vorgeschlagenen Steuersenkung wird mit etwas tieferen Einnahmen bei den ordentlichen Steuern – rund CHF 20,3 Mio. – gerechnet. Mit einem Aufkommen auf nach wie vor hohem Niveau rechnet der Gemeindevorstand bei den Sondersteuern (u. a. Grundstückgewinnsteuern CHF 4,7 Mio. und Handänderungssteuern von CHF 3,2 Mio.). Das Gesamtsteueraufkommen der Gemeinde Klosters 2027 sollte gemäss Prognose im Rahmen von rund CHF 30 Mio. ausfallen.
Die Erfolgsrechnung des Budgets 2027 rechnet mit einem knapp ausgeglichenen bzw. positiven Ergebnis von plus CHF 45'200,00, bei totalen Aufwendungen von CHF 46'455'100,00 und Erträgen von CHF 46'500'300,00.
Das Budget 2027 der Investitionsrechnung sieht Nettoinvestitionen von CHF 25'773'000,00 vor (Bruttoinvestitionen von rund CHF 31,6 Mio.). Die höchste Ausgabenposition im Investitionsbudget 2027 bildet mit CHF 11 Mio. die erste Etappe des Neubaus des Parkhauses Casanna.
Abschliessend nahmen die Klosterser Gemeinderätinnen und Gemeinderäte nach Diskussion verschiedener Positionen zudem vom Finanzplan 2027–32 der Investitionsrechnung Kenntnis, der fortwährend namhafte Gemeindeinvestitionen in den kommenden Jahren vorsieht.
Ebenfalls am Gemeinderat ist es, im Rahmen der Budgetberatung jährlich das Pensum des Gemeindevorstands abschliessend festzulegen. Während die Belastung und die Pensen von Gemeindepräsidium (100 %) und drei weiteren Vorstandsmitgliedern (3 x 35 %) stabil bleiben, nimmt die Belastung beim vierten Vorstandsmitglied, Gemeindevizepräsidentin Stephanie Mayer-Bruder, im 2027 zu (neu 45 %). Das höhere Pensum wird mit dem Umstand begründet, dass ihre Vorgängerinnen und Vorgänger einzig für den Bereich Bildung und Kultur zuständig waren.
St. Mayer bzw. ihrem Departement zugewiesen wurden neu auch die Finanzen sowie Gesundheit und Soziales. Im Rahmen ihrer Tätigkeit nimmt Stephanie Mayer-Bruder u. a. ein Vorstandsmandat bei der Flury Stiftung wahr, bei dem allein mit einem Pensum von durchschnittlich 5 % gerechnet wird.
Gemeinderat Hans-Peter Garbald jun., SVP, und Gemeinderat Johannes Kasper, FDP, hielten fest, dass die Darlegungen des Vorstands wohl nachvollziehbar seien, die vorgeschlagene Pensumserhöhung aber nicht den Intentionen und den damaligen Beratungen im Gemeinderat rund um die neue Verfassung und das auf dieser basierende kommunale Organisationsgesetz entspricht. Im Gegenteil: Aufgrund der kommunizierten Entlastung durch die neue Geschäftsleitung ging man im Rat eher von einer mittelfristigen Reduktion der Vorstandspensen aus. Gemeinderat Andrea Guler stellte zwecks Ausweisung der Aufwände in den einzelnen Departementen die Erfassung der geleisteten Stunden zur Diskussion, wovon aufgrund der Gegenargumente des Vorstands (u. a. Befürchtung Nachweis noch höherer Belastungen – verbunden mit einer demotivierenden Wirkung – sowie immer stärkere Belastung mit Projekten und Einsitznahmen in Gremien) abgesehen wird.
Zudem erachtete A. Guler es als transparenter und ehrlicher, wenn die wahrgenommenen Mandate ausserhalb der ordentlichen Pensen ausgewiesen und entschädigt würden. Gemeindepräsident Christian Kindschi hielt zusammenfassend fest, dass zum einen der 5-%-ige Pensumsanteil Stiftungsvorstand Flury Stiftung unbestritten und aus seiner Sicht die seriöse Wahrnehmung des Vizepräsidiums bzw. seiner Stellvertretung ebenso im Rahmen eines 5-%-Pensums gerechtfertigt sei. Gemeinderat H.-P. Garbald sähe andererseits aufgrund der Mehrbelastung in einem Departement Entlastungen bei anderen.
Auch hier hielten Gemeindepräsident Christian Kindschi und die weiteren Vorstandsmitglieder entgegen, dass die Belastung von mindestens 35 % bei allen übrigen Vorstandsmitgliedern gegeben sei.
Der Gemeinderat verabschiedete das Budget 2027 und den auf 72 % gesenkten Steuerfuss 2027 einstimmig (ebenfalls mit 12:0 Stimmen) z. Hd. der Beschlussfassung durch die Urnengemeinde am 29. November 2026 und hiess abschliessend die 10-%-ige Erhöhung des gesamten Vorstandspensums (ohne Präsidium) gut.
Teilrevision Ortsplanung Chüenischboden – Prästenboden
Erneut beugte sich das Klosterser Gemeindeparlament über ein laufendes Raumplanungsgeschäft. Der Masterplan Bike der Gemeinde Klosters sieht unter anderem die Realisierung eines neuen Singletrail-Bikeweges in den Gebieten Chüenischboden – Prästenboden vor. Ein diesbezüglich dem Kanton eingereichtes BAB-Gesuch wurde vom Amt für Raumentwicklung (ARE) mit der Aufforderung zurückgewiesen, diesen Bikeweg zuerst genügend im Generellen Erschliessungsplan (GEP) Verkehr abzubilden (erforderliche geringfügige Anpassungen).
In einzelnen Abschnitten wird der Verlauf des Bikewegs um wenige Meter verlegt. Gleichzeitig werden bestehende Bikewege aufgehoben. Aufgrund der beim ARE GR erfolgten Vorprüfung wurde die Linienführung so angepasst, dass der geplante Trail in ausreichender Distanz zur Gewässerraumzone an einen bestehenden Weg angeschlossen und die Gewässerraumzone nicht mehr tangiert wird.
Die vom 29. Juni bis 28. Juli 2026 erfolgte öffentliche Mitwirkungsauflage zeitigte keinerlei Mitwirkungseingaben.
Der Gemeinderat hat über die unbestrittene und in seiner Zuständigkeit liegende Teilrevision Ortsplanung Chüenischboden – Prästenboden, Genereller Erschliessungsplan (GEP) Verkehr, in zustimmendem Sinne (ebenfalls mit 12 zu 0 Stimmen) einstimmig Beschluss gefasst. Die Beschlussfassung, die nun öffentlich aufgelegt wird (Beschwerdeauflage), erfolgte vorbehältlich der Genehmigung durch die Regierung des Kantons Graubünden.
Orientierungen und Aussprache
Unter Orientierungen und Aussprache informierte Gemeindepräsident Christian Kindschi über die inzwischen abgeschlossenen Verhandlungen mit den betroffenen Transportunternehmen (RhB, Postauto und VBD Davos) bezüglich Anpassungen des Tarifverbunds Klosters (TVK) im Bereich öffentlicher Verkehr (ÖV). Erfreulicherweise konnten bedeutende Mehrleistungen für unter dem Strich vertretbare, für beide Seiten intensiv, aber fair ausgehandelte Mehrkosten erreicht werden. So ist für den Kurtaxen entrichtenden Gast die Benützung der RhB bis Davos Glaris (bisher Davos Platz) sowie zusätzlich der Innerortsverkehr (VBD) in Davos – ohne Seitentäler – im öV-Angebot enthalten.
Auch die Benützung des öV zu und von den Talstationen der Bergbahnen in der Destination Davos Klosters ist für Inhaberinnen und Inhaber eines Skiabonnements oder einer Tageskarte im Zusammenhang mit der Ausübung des Ski- und Schlittelsports weiterhin möglich.
Gemeindevizepräsidentin Stephanie Mayer-Bruder informierte sodann über den Projektstand Parkhaus Casanna. Der durch die Urnengemeinde bedingt durch die Ergreifung des fakultativen Referendums gesprochene Planungskredit von CHF 510'000,00 konnte mit rund CHF 475'000,00 eingehalten bzw. deutlich unterschritten werden. Das Chalet Montana wurde inzwischen weitestgehend abgebrochen.
Verschiedene Arbeitsgattungen sollten bis spätestens Ende November 2026 vergeben werden können, sodass einem geplanten Baubeginn im Frühjahr 2027 grundsätzlich nichts mehr im Wege stehen sollte. Dies auch aufgrund des Umstands, wie Gemeindevorstandsmitglied Hanspeter Ambühl ausführte, dass am Tag der Gemeinderatssitzung der letzte erforderliche Dienstbarkeitsvertrag unterzeichnet werden konnte.
St. Mayer-Bruder orientierte weiter darüber, dass Leci-Andri Flepp, aufgewachsen und wohnhaft in Saas, als Leiter Kulturarchiv Klosters gewählt wurde und dieser seine Stelle am 1. Oktober 2026 angetreten hat. Der 27-jährige L.-A. Flepp verfügt über einen Bachelor in Geschichte und wird parallel zu seiner 40-%-igen Tätigkeit für das Kulturarchiv sein Masterstudium fortführen.
Zum Schluss der Sitzung informierte Gemeinderatspräsident Marcel Jecklin, Mitte, den Rat über den Eingang des durch Gemeinderat Nicola Flütsch, Erstunterzeichner, SVP, und 9 weitere Gemeinderätinnen und Gemeinderäte eingereichten «Postulats zur Überprüfung von Tempo 30 auf der Kantonsstrasse Klosters», welches dieser Medienmitteilung beiliegt.







