Fast alle grossen Bündner Gemeinden schreiben schwarze Zahlen

Chur,
19 der 20 einwohnermässig grössten Bündner Gemeinden haben 2025 schwarze Zahlen geschrieben. Das zeigt eine Auswertung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Ergebnisse können aber über die tatsächliche finanzielle Situation der Gemeinden hinwegtäuschen.

Jeweils im Frühling publiziert das Amt für Gemeinden des Kantons eine Auswertung der finanziellen Situation der Bündner Gemeinden. Ausgewertet wird allerdings jeweils nicht das abgelaufene Rechnungsjahr, sondern das Jahr zuvor. In der aktuellen Auswertung nahm das Amt deshalb die Gemeindefinanzen für das Jahr 2024 unter die Lupe.
Diese zeigt: Die Bündner Gemeinden präsentierten sich Ende 2024 finanziell in gutem Zustand – 80 der damals noch 101 bestehenden Gemeinden (2025 fusionierte Tschierschen-Praden mit Chur) erzielten in der Erfolgsrechnung einen Ertragsüberschuss. Die Steuereinnahmen erreichten zusammengezählt ein neues Rekordhoch und stiegen auf über eine Milliarde Franken an.
2025 dürfte die Situation – zumindest gemessen an den 20 einwohnermässig grössten Gemeinden im Kanton – ähnlich aussehen. 19 der 20 Gemeinden vermeldeten gemäss einer Auswertung von Keystone-SDA einen Ertragsüberschuss – teilweise auch aufgrund von Sonderfaktoren.
Dennoch ist die finanzielle Situation in vielen Bündner Gemeinden weiterhin gut. Von den ausgewerteten Gemeinden schrieb 2025 lediglich Thusis ein negatives Ergebnis. Der Aufwandüberschuss betrug dort knapp 310'000 Franken. Das Ergebnis fiel aber besser aus als budgetiert – erwartet wurde ein Minus von 585'000 Franken. Ausserdem verbesserte sich das Ergebnis im Vergleich zu 2024. Damals betrug der Aufwandüberschuss 1,53 Millionen Franken.
Positive Abschlüsse können aber über die tatsächliche finanzielle Lage hinwegtäuschen. Das zeigt Beispiel der Kantonshauptstadt Chur. Sie schreibt seit Jahren schwarze Zahlen – 2025 betrug der Ertragsüberschuss 12,5 Millionen Franken. Dennoch präsentierte die Churer Regierung dem Parlament im Juni eine Priorisierung der Investitionen und im Herbst kommt ein Entlastungspaket über 16 Millionen Franken in den Rat.
Der Grund dafür: Chur hat in den vergangenen Jahren so viel in die Infrastruktur investiert, dass die Ergebnisse nicht zur Deckung ausreichten und die Schulden rasch angewachsen sind – und es stehen weitere Grossinvestitionen an – etwa fürs marode Hallenbad und das in die Jahre gekommene Theater.
Dass die finanziellen Herausforderungen in den Bündner Gemeinden wachsen, zeigt auch die Steuerfuss-Auswertung des Kantons. Der mittlere Steuerfuss der Gemeinden sank 2025 auf 87,3 Prozent, stieg aber für 2026 erstmals seit Langem wieder leicht an auf 87,5 Prozent.






