Das Ostschweizer Kinderspital startet den Betrieb

Am 26. September wird der Neubau des Ostschweizer Kinderspitals mit dem Umzug der Patientinnen und Patienten offiziell in Betrieb genommen. Die Geschichte der Finanzierung des Projekts war ungewöhnlich. Der Grund: zu tiefe Tarife in der Kinder- und Jugendmedizin seit mehr als zehn Jahren.

Am Samstag ist es endlich soweit. 2014 wurde die Finanzierung an einer Abstimmung beschlossen, 2021 mit dem Bau begonnen. Am 26. September kann nun das neue Ostschweizer Kinderspital in Betrieb genommen werden.
Dafür braucht es aber zuerst noch eine komplexe logistische Übung. Unter anderem müssen rund 50 Kinder und Jugendliche, die noch am alten Standort gepflegt und behandelt werden, umziehen. Rund ein Dutzend Ambulanzen wird am Samstag zwischen Grossackerquartier und Kantonsspital-Areal unterwegs sein.
Bis zum letzten Moment wird auch der Notfall im alten Gebäude aus den 1960-er Jahren in Betrieb bleiben, bevor die Station am neuen Standort startet. Kurzzeitig wird das Angebot am Samstag parallel geführt.
Die ganze Planungszeit für den Neubau war begleitet von Problemen mit den geltenden Tarifen für die Kinder- und Jugendmedizin. Die Taxen seien nicht kostendeckend, hiess es deshalb gleich mehrmals in den Reden zur offiziellen Einweihung des Gebäudes am 20. August, etwa in der Ansprache von Gesundheitschef Bruno Damann (Mitte).
Spendenaufruf wegen Unterfinanzierung
Die Folgen dieser Unterfinanzierung zeigen sich unter anderem bei den öffentlichen Aufrufen um finanzielle Unterstützung, die es so von anderen Spitälern nicht gibt. Auf der Homepage des Ostschweizer Kinderspitals muss man nur ein bisschen nach unten scrollen, dann findet sich dort ein Link für Spenden, per Twint, Karte oder Google Pay.
Das geltende Tarifsystem bilde all die besonderen Leistungen und Handlungen, die ein Spital erst zu einem Kinderspital machten, nicht genügend ab, heisst es in den Informationen zum Spendenaufruf. «Das Ostschweizer Kinderspital muss die Finanzierungslücken – wie andere Kinderspitäler – durch Dritte finanzieren.»
In einem in den letzten Tagen per Post versandten Aufruf wird ebenfalls um finanzielle Unterstützung geworben. Mit der Spende könne man «die kindergerechte Gestaltung» unterstützen. Der Betrag helfe mit, «dass sich Kinder und Jugendliche an einem zunächst unbekannten Ort rasch zurechtfinden und ihre Familien ihnen nahe sein können».
Dazu passt, dass der Neubau über Darlehen der öffentlichen Hand finanziert werden musste. 172 Millionen Franken steuerten die Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein bei. Der grösste Anteil kommt mit 125,5 Millionen Franken vom Kanton St. Gallen. Die Darlehen werden verzinst und müssen zurückbezahlt werden.
Mobiliar nicht inklusive
Weitere rund 10 Millionen Franken an das Gesamtprojekt steuerten Stiftungen, Vereine, Gemeinden oder Private bei. Mit diesen Geldern konnte aber nur der Bau selber bezahlt werden. Für das Mobiliar und für die medizinischen Gerätschaften brauchte es 2017 ein weiteres Darlehen vom Kanton St. Gallen in der Höhe von 12,5 Millionen Franken.
Die Probleme mit den Tarifen sind alles andere als neu. «Mit den heute geltenden Tarifen ist die Stiftung Ostschweizer Kinderspital nicht in der Lage, einen Neubau zu finanzieren oder zu amortisieren.» Dieser Satz steht in der Botschaft der St. Galler Regierung vom 1. Oktober 2013, in der die Finanzierung geregelt wurde.
Seither gab es mehrere Anläufe, die Situation zu verbessern. Die damalige CVP-GLP-Fraktion schlug 2018 ein Standesbegehren vor, dem der Kantonsrat zustimmte. Ähnliche Vorstösse kamen auch aus anderen Kantonen. Die Tarife wurden danach zwar mehrmals angepasst, am grundsätzlichen Problem änderte sich aber offensichtlich zu wenig.
Zurückzahlen bis 2050
Unterstützung benötigt das Kinderspital deshalb nicht nur für das Neubau-Projekt, sondern auch für den Betrieb. Schon länger entrichten die Trägerkantone Zusatzbeiträge, die sich jeweils der aktuellen Tarifsituation anpassen.
Wegen der seit 2026 höheren stationären Tarife brauche es aktuell keine Beiträge für die stationäre Versorgung, teilte das Gesundheitsdepartement auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Zur Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Behandlungen werde in der Finanzplanung weiterhin mit Zuschüssen gerechnet. 2026 seien dafür 8 Millionen Franken vorgesehen.
Die Finanzierung des Neubaus samt Einrichtung über Darlehen bringt es mit sich, dass die finanzielle Last des Kinderspitals steigt. Das Darlehen für den Neubau von 125,5 Millionen Franken muss bereits seit 2022 in jährlich gleichbleibenden Raten und noch bis 2050 zurückbezahlt werden. Der aktuelle Zinssatz beträgt 2 Prozent. Das Darlehen für das Mobiliar in der Höhe von 12,5 Millionen Franken soll ab Dezember 2027 in Raten bis 2055 zurückerstattet werden. Für die ersten zehn Jahre liegt der Zinssatz bei 0,75 Prozent.






