Graubünden sieht Biodiversitätsstragie auf Kurs

Chur,
Graubünden zieht ein Jahr nach dem Umsetzungsstart der Biodiversitätsstrategie ein positives Fazit. Das Ziel ist es, genügend intaktes Naturkapital an die nächsten Generationen weiterzugeben. Zahlreiche Projekte, um dieses Ziel zu erreichen, laufen bereits.

26 von 28 Massnahmen sind bereits angegangen worden, zwei weitere sind in Vorbereitung, führte Projektleiter Luis Lietha am Freitag in Grüsch vor den Medien aus. Und er nannte konkrete Zahlen und Fakten aus dem ersten Umsetzungsjahr der Strategie: «Es wurden beispielsweise 23 neue Kleingewässer geschaffen und 250'000 Quadratmeter Potenzial für eine Biodiversitätsförderung ausgemacht.» Ausserdem sei ein grosses Flachmoor auf dem Glaspass revitalisiert worden – weitere Moore sollen folgen.
Als konkretes Beispiel, wie die Strategie dann in der Realität umgesetzt wird, nannte Lietha das Misox, wo neue Weiher seltenen Amphibien wieder Lebensraum geben sollen. «Im Misox ist die Amphibienvielfalt gross. So kommen beispielsweise der Springfrosch und der Kleine Wasserfrosch in Graubünden nur hier vor», erklärte Lietha. Bei beiden Fröschen handelt es sich um national stark gefährdete Arten.
Im Jahresbericht zur Biodiversitätsstrategie wird auch aufgezeigt, wieso es im Misox überhaupt neue Weiher braucht: «Der Fluss Moesa wurde begradigt, der Talboden entwässert, Weiher zugeschüttet, die Landnutzung intensiviert und der Verkehr wurde immer dichter», heisst es im Bericht. Dadurch seien Laichgewässer und Wanderkorridore verschwunden und die Bestände schrumpften.
Das erste Umsetzungsjahr war gemäss Lietha aber auch geprägt vom Aufbau: Zuständigkeiten klären, Abläufe etablieren, Projekte starten. «2025 erinnerte in vielem an ein Start-up», hielt Lietha am Freitag vor den Medien in Grüsch fest.
Bei einer der Massnahmen sind auch 30 Landwirtschaftsbetriebe aus dem ganzen Kanton involviert. Die sogenannten Biodiversitätsbetriebe werden für Biodiversitätsleistungen zusätzlich zu den üblichen Direktzahlungen entschädigt. Die Betriebe erhalten an den Standort angepasste Leistungsziele, die am Ende der Vertragsperiode ausgewertet werden.
Der an der Medienorientierung anwesende Präsident des Bündner Bauernverbandes, Thomas Roffler, erklärte, wieso das für die Bauern so wertvoll ist: «Solche Pilotprojekte müssen nicht völlig ausgereift und vollkommen sein. Es gibt die Chance, Neues zu testen und bei den Massnahmen den Spreu vom Weizen zu trennen.» Er hofft deshalb auch, dass die kantonale Politik weiterhin die notwendigen Gelder spricht, um die Biodiversitätsstrategie weiter voranzubringen.
Der Bündner Regierungsrat Jon Domenic Parolini ordnete vor den Medien ein, wozu die Biodiversitätsstrategie dienen soll und was die Gedanken dahinter sind: «Die zentrale Frage ist, was wir den kommenden Generationen hinterlassen wollen.» Wer Naturwerte zerstöre, nehme den kommenden Generationen etwas weg. Graubünden solle lebenswert bleiben, deshalb habe der Kanton zusammen mit zahlreichen Partnern die Biodiversitätsstrategie erarbeitet und 2025 mit der Umsetzung begonnen.
Der Leiter des kantonalen Amtes für Natur und Umwelt, Remo Fehr, führte weitere Gründe an, wieso das so wichtig ist: «Eine intakte Natur ist ein Alleinstellungsmerkmal Graubündens. Ausserdem ist sie ein Rückzugsort für zahlreiche Tiere.»
Die begonnenen Massnahmen würden nun konsolidiert und weitere Projekte gestartet.





