Rheintal

    Im Kanton St. Gallen soll wieder in die Tiefe gebohrt werden

    Keystone-SDA Regional
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    Werdenberg,

    Der Kanton St. Gallen hat das Potenzial für die Nutzung der tiefen Geothermie abklären lassen. Das Fazit: Die Region ist «geothermisch attraktiv». Als mögliche Standorte für Bohrungen werden unter anderem Buchs, Ebnat-Kappel oder Widnau/Diepoldsau genannt.

    In  der Stadt St. Gallen erreichte die Bohrung für das Geothermieprojekt vor 13 Jahren eine Tiefe von 4400 Metern. Danach musste das Vorhaben wegen eines Erdbebens abgebrochen werden. ...
    In der Stadt St. Gallen erreichte die Bohrung für das Geothermieprojekt vor 13 Jahren eine Tiefe von 4400 Metern. Danach musste das Vorhaben wegen eines Erdbebens abgebrochen werden. ... - KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

    Dreizehn Jahre nach dem Scheitern des Geothermieprojekts in der Stadt St. Gallen könnte es im Kanton bald einen neuen Anlauf für die Nutzung der tiefen Geothermie geben. Damals beendete ein Erdbeben die Vorreiterrolle der Kantonshauptstadt bei der Nutzung der Energie aus grosser Tiefe. Als Erinnerung blieb ein 4400 Meter tiefes Bohrloch.

    Damit war das Momentum für solche ambitionierten Grossprojekte vorbei – nicht nur in St. Gallen. In der ganzen Ostschweiz gibt es seither keine grösseren Vorhaben mehr. Im Thurgau wurden noch die gesetzlichen Grundlagen erarbeitet. Aber danach lief nicht mehr viel. So ist etwa ein Vorhaben der Geo-Energie Suisse AG in Etzwilen TG seit vielen Jahren «sistiert». Das Unternehmen treibt dafür ein Geothermie-Projekt in Haute-Sorne im Kanton Jura voran.

    Geothermisch attraktiver Kanton

    Beim Stillstand in der Ostschweiz soll es nicht bleiben. Die Grundlagen für einen neuen Anlauf liegen bereits vor. Die Regierung hat bei einem spezialisierten Büro umfangreiche Abklärungen in Auftrag gegeben. Das Resultat ist der 178-seitige Abschlussbericht «Potenzial der mitteltiefen und tiefen Geothermie im Kanton St. Gallen», zu finden über die Webseite des Kantons.

    Das untersuchte Gebiet könne als «geothermisch attraktiv» bewertet werden, lautet eine der Schlussfolgerungen. Der Grund sind «Schottervorkommen in den eiszeitlichen Rinnen». Dazu lägen grössere Bruch- und Störzonen vor, die potenziell durchlässig und wasserführend seien.

    Die grössten Erfolgschancen bestünden dort, wo Bruch- oder Störzonen durchbohrt werden könnten. Während der letzten Eiszeiten seien rund 300 bis 600 Meter tiefe Rinnen entstanden – etwa im Rheintal – die mit Lockergestein gefüllt wurden.

    Potenzial von 200 Gigawattstunden

    Wenn nur die vier aussichtsreichsten Stellen im Kanton erschlossen würden, könnte der geschätzte Wärmebezug bei jährlich über 200 Gigawattstunden liegen. Damit wäre rund ein Fünftel des Ziels des kantonalen Energiekonzepts bei der Produktion erneuerbarer Energien gedeckt.

    In der Studie wird ein schrittweises Vorgehen empfohlen. Wegen der mit zunehmender Tiefe stark steigenden Bohrkosten sowie der sich erhöhenden Risiken solle zuerst in einem «untiefen Play» getestet werden. Mit «Play» ist ein geothermisches Potenzialgebiet gemeint.

    Für Bohrungen in grossen Tiefen sei der Kenntnisstand über den Untergrund weiterhin gering. Im Kanton St. Gallen gebe es zwar zahlreiche Bohrungen, allerdings nur für Erdsonden, die 200 bis 300 Meter in die Tiefe reichen. Die Ausnahme ist das schliesslich gestoppte Projekt in der Stadt St. Gallen. Zwischen Gossau und Rorschach wurde damals eine Fläche von 300 Quadratkilometern mit «3D-Seismik» vermessen.

    Frühzeitige Kommunikation

    Die grössten Ängste in der Bevölkerung lägen bei Erdbeben, die durch Bohrungen ausgelöst werden könnten, heisst es im Bericht. Risikoanalysen und angepasste Vorgehensweisen seien deshalb zwingend. Es müsse «frühzeitig und offen» kommuniziert werden. Das Projekt in Haute-Sorne solle nun zeigen, dass ein Geothermie-Projekt ohne spürbare Erdbeben umgesetzt werden könne.

    Aus Sicht der Verfasserinnen und Verfasser des Berichts müsste der nächste Schritt eine «geothermische Erkundungsstrategie» sein. Dafür sollten «konkrete Standorte, Bohrziele, Tests und Untersuchungen» definiert werden.

    Im Bericht werden besonders geeignete Standorte aufgeführt. Dazu gehört Buchs. Die Gemeinde liege sowohl am «Westrand der tiefen quartären Rheintal-Rinne» als auch in der Zone des «verschuppten Helvetikums», heisst es in der Fachsprache der Geologen. Spannend an diesem Standort sei die Möglichkeit, «Wärmenergie im Untergrund zu speichern».

    In Benken kämen verschiedene, tiefer gelegene Potenzialgebiete für die Erkundung infrage. Dabei geht es um Tiefen von mehr als 4,5 Kilometern. In Ebnat-Kappel bieten sich ebenfalls die tieferen «Plays» in über 4 Kilometern Tiefe an. Weitere Standorte sind Wildhaus, Walenstadt, Sargans/Mels oder Widnau/Diepoldsau. Wie erfolgsversprechend die Möglichkeiten tatsächlich sind, «kann nur mit Testbohrungen quantifiziert werden», heisst es abschliessend.

    Kommentare

    User #1503 (nicht angemeldet)

    Natürlich IN DIE TIEFE! In die Höhe macht ja nicht wirklich viel Sinn, oder?

    User #2651 (nicht angemeldet)

    probieren wir es nach 13 jahren noch mal. erdzeitgeschichtlich und geologisch weniger als ein wimpernschlag, aber hey, das ergebniss wird einganz anderes sein. vielleicht.

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