Am WEF: Nato-Generalsekretär Rutte gilt als «Held von Davos»

Mark Rutte gilt als einer der einzigen Trump-Flüsterer. Am WEF in Davos gelang ihm wieder ein Coup. Er überzeugte Trump, die Grönland-Zölle zurückzuziehen.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Nato krachte es in den vergangenen Tagen wegen Trumps Annexionsplänen für Grönland.
- Nun ist Nato-Generalsekretär Mark Rutte am WEF ein diplomatischer Coup gelungen.
- Bereits in der Vergangenheit machte sich Rutte als Trump-Flüsterer einen Namen.
Rund um die Grönland-Frage tun sich in der Nato Gräben auf.
Auf der einen Seite steht die USA. Sie will Grönland unter US-Kontrolle wissen. Selbst eine militärische Aktion gegen die Insel, die zu Dänemark gehört, schloss Donald Trump nicht aus.
Auf der anderen Seite stehen die EU-Staaten, zu denen auch Dänemark gehört. Ihnen passen die US-Annexionsgelüste gar nicht. Einige Länder schickten vergangene und diese Woche gar Militär nach Grönland.
Eine Aktion, die US-Präsident Donald Trump gar nicht gefiel. Er schlug postwendend zurück. Und erhob die sogenannten Grönland-Zölle gegen die EU.
EU setzte sich wegen Zöllen zur Wehr
Das wollte wiederum die EU nicht auf sich sitzen lassen. Sie kündigte Gegenmassnahmen an und gab sich ob der Trump-Drohungen kämpferisch.
Am WEF fand EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede deshalb markige Worte. Und kündigte an, die EU werde künftig einen unabhängigeren Weg einschlagen.
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Ihre Rede schloss von der Leyen mit den Worten: «Lang lebe Europa!»
Macron zeigt sich am WEF bedient
Und auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte am WEF, die EU müsse unabhängiger werden.
Er nutzte zudem die Gunst der Stunde, um verklausuliert gegen die USA und Donald Trump auszuteilen.
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Europäische Länder seien attraktiv, erklärte er in Davos. Dort würden «Rechtsstaatlichkeit und Zuverlässigkeit» weiterhin gelten.
Trump veröffentlichte Chat-Nachrichten
Von der Unzuverlässigkeit Trumps kann der französische Präsident derweil ein Liedchen singen. Denn: Kurz vor seinem Auftritt am WEF veröffentlichte der US-Präsident private Chatnachrichten, die Macron ihm geschickt hatte.

Zudem liess er mit einer Fotomontage auf seinem Online-Sprachrohr «Truth Social» die Muskeln spielen.

Darauf zu sehen: Die europäischen Staatschefs bei Trump im Oval Office. Im Hintergrund steht eine Tafel, auf der Kanada, Venezuela und Grönland zu den USA gehören.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte: der Trump-Flüsterer?
Anzeichen dafür, dass sich die Spannungen zwischen der EU und den USA verstärken. Umso überraschender ist es, dass es am Mittwochabend zu einem Trumpschen Meinungsumschwung kam.
Der US-Präsident nahm die Grönland-Zölle überraschend zurück, wie er selbst auf «Truth Social» verkündete. «Ich werde die Zölle, die am 1. Februar in Kraft treten sollten, nicht verhängen», schrieb er.
Gleichzeitig nannte Trump auch gleich den Grund für seinen Richtungswechsel: Er habe ein «produktives Treffen» mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte gehabt.
Dabei sei der «Rahmen für ein zukünftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und tatsächlich die gesamte Arktisregion» geschaffen worden.
«Held von Davos»
Sein diplomatisches Meisterstück brachte Rutte seit gestern Abend international viel Lob ein. Er sei der «Held von Davos», wird kokettiert.
Dass ihm der Trump-Coup gelang, kommt aber nicht von ungefähr.
Der Nato-Generalsekretär mauserte sich in der Vergangenheit zum veritablen Trump-Flüsterer. Und umgarnte den US-Präsidenten bei jeder Gelegenheit.
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Damit schuf Rutte im vergangenen Jahr gar einen viralen Hit. In einem gemeinsamen Auftritt zum Thema Israel und Iran bezeichnete er Trump vor versammelter Weltpresse gar als «Daddy».
Rutte zu Trump: «Ich kann es nicht erwarten, dich zu sehen»
Etwas, das Trump damals sichtlich gefiel und Rutte wohl darin bestärkte, bei seinem umgarnenden Kurs zu bleiben. Das zeigt auch eine von Trump geleakte Nachricht, die er von Rutte erhalten hat.
Darin lobt der Nato-Generalsekretär den US-Präsidenten für seine Errungenschaften in Syrien, Gaza und der Ukraine. Und verspricht, dies am WEF auch vor der gesamten Weltpresse kundzutun.

Zum Abschluss seiner Nachricht schreibt er an Trump gewandt: «Ich kann es nicht erwarten, dich zu sehen. Dein Mark.»




