Corona-Fake-Zertifikat: 130 Verurteilte in einem Kanton!

Patrick Fischer ist nicht der Einzige: Alleine im Kanton St. Gallen wurden im Zusammenhang mit gefälschten Covid-Zertifikaten rund 130 Menschen verurteilt.

Das Wichtigste in Kürze
- Hockey-Nati-Coach Patrick Fischer gibt zu, dass er 2022 sein Corona-Zertifikat fälschte.
- 2023 wurde er deshalb wegen Urkundenfälschung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.
- Nau.ch-Anfragen zeigen: Alleine im Kanton St. Gallen gab es 130 ähnliche Verurteilungen.
Der Schweizer Hockey-Nati-Trainer Patrick Fischer hat für die Olympischen Winterspiele 2022 ein gefälschtes Corona-Impfzertifikat verwendet.
Das teilte der Schweizer Eishockey-Verband am Montagabend in einer Stellungnahme und mit einem Video-Geständnis des Coaches mit. Zunächst bekannte sich der Verband zu Fischer als Coach für die bevorstehende Heim-WM.
Am Mittwochabend trennte sich der Verband schliesslich per sofort von Fischer als Nati-Trainer.
Fischer erhält sowohl Kritik als auch Zuspruch
Im Zusammenhang mit dem gefälschten Zertifikat wurde Fischer 2023 zu einer Busse von fast 40'000 Schweizer Franken verurteilt. «Es tut mir sehr leid, wenn ich mit dieser Situation Menschen enttäuscht habe», so Fischer am Montagabend.
Neben dem grossen öffentlichen Aufschrei und reger Kritik erntete Fischer im Internet auch viel Lob – insbesondere von Impfgegnern.
Wie Anfragen von Nau.ch zeigen, ist Patrick Fischer bei weitem nicht der einzige Verurteilte im Zusammenhang mit gefälschten Covid-Impfzertifikaten.
Viele Impfgegner und Corona-Skeptiker beschafften sich während der Covid-19-Pandemie gefälschte Impfzertifikate.
Das zeigen auch die Zahlen der Staatsanwaltschaft St. Gallen: «Bislang gab es im Kanton St. Gallen in dem Zusammenhang rund 130 rechtskräftige Verurteilungen», so Staatsanwältin Laura Halaszy zu Nau.ch.
Urkundenfälschung als Hauptverdikt
Dabei seien vorwiegend die Tatbestände der Gehilfenschaft oder Anstiftung zur Urkundenfälschung zur Anwendung gekommen.
Auch in Patrick Fischers Fall lautete das Urteil Urkundenfälschung. Fischer hatte sein gefälschtes Zertifikat auf Telegram gekauft, wie aus dem Strafbefehl der Luzerner Staatsanwaltschaft, der Nau.ch vorliegt, hervorgeht.
Die Benutzung gefälschter Zertifikate wurde in St. Gallen mit Geldstrafen von 50 bis 60 Tagessätzen bestraft, so Halaszy.
Unterschiedliche Strafen
Der Kanton Waadt unterscheidet bei der Verurteilung zwischen gefälschten Covid-Nachweisen und gefälschten Impfnachweisen: «Die Staatsanwaltschaft verhängt in der Regel eine Strafe von 30 Tagessätzen für einen gefälschten Covid-Nachweis», so Vincent Derouand zu Nau.ch.
Ein gefälschter Impfnachweis ziehe sogar 90 Tagessätze nach sich. Diese Strafen können je nach Fall variieren, so der Mediensprecher. Der Kanton Waadt führe keine spezifischen Statistiken zur Anzahl Verurteilter in diesem Zusammenhang.
Auch in Zürich dürften es Hunderte Verfahren sein
Auf Anfrage können auch die Staatsanwaltschaften Bern und Zürich keine genauen Zahlen nennen. «Bei der Staatsanwaltschaft Kanton Zürich dürften es aber Hunderte von Verfahren gewesen sein», so der Medienverantwortliche Erich Wenzinger.
Er erklärt, dass die Täterschaft zum Teil auch gewerbsmässig aktiv war. Als Beispiele nennt er mehrfaches unrechtmässiges Ausstellen von Covid-Testzertifikaten durch medizinisches Personal oder mehrfacher Handel mit gefälschten Covid-Zertifikaten durch Privatpersonen.
Während viele dieser Fälle kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhielten, entwickelte sich der Fall von Patrick Fischer zu einem landesweiten Politikum.









