St. Gallen

Französische Luxuskarossen-Diebe haben in St. Gallen weniger Erfolg

Keystone-SDA Regional
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Stadt St. Gallen,

Zu Jahresbeginn ist der Kanton St. Gallen von einer Welle von jungen Autodieben aus Frankreich erfasst worden, die aus Autohäusern Luxuskarossen stehlen. Mittlerweile hat die Zahl solcher Diebstähle wieder merklich abgenommen.

Junge Männer aus Frankreich werden in die Schweiz geschickt, um teure Fahrzeuge aus Autogaragen zu stehlen und diese nach Frankreich zu bringen. (Symbolbild)
Junge Männer aus Frankreich werden in die Schweiz geschickt, um teure Fahrzeuge aus Autogaragen zu stehlen und diese nach Frankreich zu bringen. (Symbolbild) - Keystone/DPA/FRANK RUMPENHORST

Sie sind jung und auf vermeintlich schnelles Geld aus: Seit mehreren Monaten werden junge Franzosen in die Schweiz geschickt, um in Garagenbetriebe einzubrechen, aus diesen teure Autos zu stehlen und sie möglichst über die Grenze nach Frankreich zu bringen. Auch der Kanton St. Gallen blieb von diesem «Phänomen» nicht verschont.

Anfang April startete die St. Galler Kantonspolizei deshalb eine Sensibilisierungskampagne. Dafür nahm sie mit mehreren hundert Garagen im Kanton Kontakt auf. Ihre Botschaft: «Nur wenn Fahrzeugschlüssel und Wertsachen konsequent gesichert aufbewahrt werden, kann das Risiko erfolgreicher Fahrzeugdiebstähle wirksam reduziert werden.» Und potentielle Täter werden seither mit Plakaten direkt angesprochen. Auf Französisch heisst es unter anderem: «Hier gibt es schöne Autos, aber keine Schlüssel. Hier lohnt sich ein Einbruch nicht. Gute Heimreise.»

Noch 2024 seien Einbrüche in Autogaragen «absolute Einzelfälle» gewesen, hatte ein Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen bereits im Frühling auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA gesagt. 2025 waren es bereits 16 Einbrüche in St. Galler Autohäuser, bei denen 18 Autos entwendet wurden. Von Beginn 2026 bis zum Start der Kampagne im April gab es dann 36 solcher Einbruchdiebstähle im Kanton. 28 Männer wurden festgenommen. Was hat sich seither getan? Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

Keine Autoschlüssel gefunden

«Seit Beginn der grossangelegten Präventionskampagne im April haben wir im Kanton St. Gallen noch 14 Einbrüche oder Einbruchversuche in Autogaragen registriert», erklärt Polizeisprecher Simon Anderhalden auf eine erneute Anfrage. In «lediglich drei Fällen» sei es den Tätern noch gelungen, Autos zu stehlen. Weitere 13 junge Männer sind festgenommen worden.

Vergleiche man die 36 Einbrüche von Jahresbeginn bis April mit den 14 von April bis September ist gemäss Anderhalden ein «signifikanter Rückgang der Fallzahlen» erkennbar: «Inwiefern dieser Rückgang mit der Kampagne zusammenhängt und welche weiteren Gründe ebenfalls dafür verantwortlich sind, können wir natürlich nicht abschliessend sagen.»

Die Polizei ist aber überzeugt davon, dass insbesondere die Sensibilisierung der Besitzer von Garagenbetrieben ein wichtiger Faktor war. Selbst wenn es noch zu Einbrüchen kam, hätten die Täter in den meisten Fällen «schlicht keine Autoschlüssel» mehr gefunden, weil viele Betriebe diese mittlerweile an anderen Orten als die Autos oder speziell gesichert aufbewahren, so Anderhalden.

Buschauffeur alarmiert die Polizei

Erst Ende August nahm die Polizei nach einem Einbruch in eine Autogarage in Rapperswil-Jona wiederum zwei Franzosen fest. Diese Festnahmen bringt Anderhalden mit der besagten Kampagne in Verbindung. Damals meldete sich ein Chauffeur eines öffentlichen Linienbusses bei der Notrufzentrale.

«Ihm waren zwei junge Männer aufgefallen, die Französisch sprachen und mit dem Linienbus in das Industriegebiet St. Dionys gefahren waren. Aufgrund der Berichterstattung in den letzten Monaten war ihm dies verdächtig vorgekommen», führt Anderhalden aus. Der Buschauffeur sei «ein Paradebeispiel» für die auch in der Bevölkerung gestiegene Sensibilität.

Über 10'000 Euro werden geboten

Dass hinter solchen Taten fast ausschliesslich junge Männer oder sogar Minderjährige aus Frankreich stehen, bestätigte auf Anfrage auch das Bundesamt für Polizei (Fedpol) in Bern. Eine Sprecherin schreibt vom sogenannten «Crime-as-a-Service», den französische Gruppierungen vermehrt nutzen.

Dabei lagern Hintermänner aus Frankreich Straftaten gezielt an Jugendliche und junge Männer aus, die über Soziale Medien rekrutiert werden – etwa mit dem Auftrag, in Schweizer Autohäuser einzubrechen und die Autos dann über die Grenze nach Frankreich zu fahren.

Gemäss Fedpol haben die Auftraggeber gezielt Personen aus französischen Banlieues, etwa mit tiefem Bildungsniveau oder fehlenden Chancen auf dem Arbeitsmarkt, im Visier. Ihnen werden Beträge von 500 bis über 10'000 Euro geboten – Tendenz steigend. Relativ neu ist, dass vereinzelt auch Schweizer Jugendliche für entsprechende Taten rekrutiert werden. Mindestens einen Fall mit Schweizer Beteiligung gab es auch im Kanton St. Gallen.

Waffen werden nach Frankreich verschoben

Die meisten der insgesamt 354 für die ganze Schweiz im aktuellen Jahr registrierten Fälle (2025 noch rund 200 Fälle), die das Fedpol dem Phänomen «Crime-as-a-Service» zurechnet, betreffen Einbrüche in Autogaragen. Daneben gibt es aber auch Aufträge für Einbrüche in Bijouterien oder Waffengeschäfte.

Auch Waffen gelangen nach Frankreich. Innerhalb kürzester Zeit würden diese bei gewaltsamen Auseinandersetzungen rivalisierender Gruppierungen eingesetzt, so das Fedpol.

Im Kanton St. Gallen gab es dieses Jahr noch keinen einzigen Einbruch in ein Waffengeschäft, hält derweil Simon Anderhalden fest. Das Jahr zuvor waren es sechs an der Zahl. Auch hier laute das Stichwort Sensibilisierung.

In einigen Fällen sei etwa die Rammbock-Methode zur Anwendung gekommen, bei der Autos in die Fensterfronten von Waffengeschäften gefahren werden. «Wir rieten deshalb, die Eingänge oder grosse Fensterflächen zu blockieren, beispielsweise durch ein davor parkiertes Auto oder massive Stein- oder Betonblöcke», so Anderhalden.

Taskforce mit mehreren Polizeien

Das Fedpol versichert, das Phänomen «Crime-as-a-Service» zu bekämpfen. Bund und Kantone richteten eine nationale Taskforce ein.

Im Fokus stehe insbesondere die Identifikation, Aufklärung und Zerschlagung der dahinterstehenden Täterstrukturen. Neben der Kantonspolizei Zürich beteiligen sich derzeit das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, die Kantonspolizei St. Gallen, die Police neuchâteloise sowie die Kantonspolizeien Aargau, Schwyz und Bern an der Taskforce.

Das Fedpol verweist auf mehrere hundert «Tatausführende», die identifiziert werden konnten. Internationale Ermittlungen hätten zudem bereits zu ersten Verhaftungen von Drahtziehern aus Frankreich geführt, hatte die Behörde bereits im Frühling kommuniziert.

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