Gefängnis Bazenheid: Hinter diesen Mauern wird wieder eingesperrt

Nach fast vier Jahren öffnet das Gefängnis Bazenheid wieder. Ein Rundgang zeigt den Haftalltag und den Bedarf an zusätzlichen Plätzen.

Die Tür fällt ins Schloss. Dahinter befinden sich eine Zelle, ein Bett und ein Fernseher. Viel Platz gibt es nicht. Ein paar Tage vor der Wiedereröffnung ist es noch ruhig hinter den Mauern.
Die St. Galler Kantonspolizei führt beim Rundgang durch die Anlage und zeigt die Räume, in denen ab September wieder Personen in Untersuchungs- und Sicherheitshaft untergebracht werden.
«Bis zu 23 Stunden am Tag können die Insassen eingeschlossen sein», sagt Remo Breitenmoser, Leiter der Polizeigefängnisse bei der Kantonspolizei St. Gallen.
Was während dieser Zeit in der Zelle bleibt, ist überschaubar: Bett, Tisch, Toilette und Fernseher mit rund 30 bis 40 Sendern. Für die Zeit ausserhalb der Zelle gibt es den Gefängnishof. Dort stehen ein Fitnessgerät, ein Töggelikasten und ein Schachbrett.
Der Blick aus den Zellen geht ebenfalls dorthin. Wer auf Grünflächen oder einen weiten Ausblick hofft, wird nicht fündig.
Zwölf Haftplätze
An diesem Tag sind die Räume leer. Seit Dienstag hat sich das geändert. Dann nahm das Gefängnis Bazenheid nach fast vier Jahren wieder den Betrieb auf.
Zwölf Haftplätze stehen zur Verfügung, dafür wurden fünf Mitarbeitende eingestellt. Ganz einfach war die Rückkehr allerdings nicht. Nach der Schliessung Ende 2022 musste die Anlage wieder für den Gefängnisbetrieb vorbereitet werden.

Sanitäre und elektrische Anlagen wurden überprüft und teilweise erneuert, dazu kam neues Material. Der Standort hatte eine wechselvolle jüngere Geschichte.
Bis Ende 2022 wurde Bazenheid als Ausschaffungsgefängnis genutzt. Dann machte ein Bundesgerichtsentscheid diesem Betrieb ein Ende.
Unter anderem fehlten geeignete Räume für Besuche und soziale Kontakte. Auch bei Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeiten sowie bei den Einschliessungszeiten gab es Vorgaben, die nicht erfüllt wurden.
Für die Untersuchungs- und Sicherheitshaft gelten andere Bedingungen. Deshalb kann das Gefängnis mitten im Dorf nun wieder genutzt werden.
Wenige freie Stunden
Wie der Alltag aussehen wird, lässt sich beim Rundgang bereits erahnen. Wer seine Zelle verlassen darf, kommt in den Hof. Wer dort nicht hingehen kann, hat die Möglichkeit, den Gruppenraum zu nutzen.
Auch eine Bibliothek gehört zur Anlage. Vieles ist darauf ausgerichtet, die langen Einschlusszeiten zu strukturieren. Dazu gehört auch der Kiosk.
Für einen bestimmten Betrag können sich die Insassen dort Getränke, Snacks oder Zeitungen kaufen. Besuch ist ebenfalls möglich, allerdings hinter einer Trennscheibe. Bei Personen in Untersuchungshaft werden die Briefe gelesen.

«Wir haben klare Abläufe», erklärt Breitenmoser. Das gilt auch für die Unterbringung. Zellen können mit einer oder zwei Personen belegt werden.
Bei einer Doppelbelegung wird darauf geachtet, dass die beiden Personen miteinander auskommen. Sollte sich zeigen, dass dies nicht funktioniert, können sie getrennt werden.
Zehn Zigaretten auf einmal
Eine Frage stellt sich beim Blick auf den Gefängnishof fast automatisch: Was ist mit dem Rauchen? In Bazenheid gilt wie in den anderen Gefängnissen des Kantons ein Rauchverbot. Geraucht werden kann während des Freigangs.
Wer raucht, wartet deshalb bis zu diesem Zeitpunkt. Dann können es auch einmal zehn bis 15 Zigaretten auf einmal sein, so Breitenmoser. Seit dem Rauchverbot habe es keine Brände mehr gegeben.
Gleichzeitig soll das Personal vor Passivrauch geschützt werden. Die Mahlzeiten kommen von ausserhalb. Ein Altersheim liefert das Essen, das anschliessend mit einem Lift in den Gefängnisbereich gebracht wird.
Der Kanton schafft Platz
Dass Bazenheid überhaupt wieder gebraucht wird, hat einen einfachen Grund: Im St. Galler Justizvollzug ist der Platz knapp. Seit August 2025 sind die Vollzugseinrichtungen im Kanton stark ausgelastet.
Zeitweise wurden bis zu 80 Personen in 57 Zellen untergebracht, erklärt Regierungsrat Christof Hartmann beim Rundgang in Bazenheid. Im März fiel deshalb der Entscheid, neben Bazenheid auch das Gefängnis Uznach wieder zu eröffnen.
Der Kantonsrat bewilligte dafür in der Sommersession einen Nachtragskredit von rund 870'000 Franken. Insgesamt entstehen dadurch 26 zusätzliche Haftplätze.

Uznach wurde bereits im Juni 2020 geschlossen. Grund war eine geplante Überbauung neben dem Gefängnis, die zusätzliche Sicherheitsmassnahmen erfordert hätte. Sie wurde nie realisiert.
Nun öffnet Uznach mit 14 Haftplätzen wieder. Mit Bazenheid und Uznach verfügt der Kanton künftig über 75 Haftzellen für rund 85 inhaftierte Personen. Die beiden Standorte sind als Übergangslösung gedacht, bis das erweiterte Regionalgefängnis in Altstätten voraussichtlich 2028 eröffnet wird.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.








