FC St.Gallen – Okoroji: «Club fühlt sich wie eine Familie an»

Fussball-Weltbürger Chima Okoroji erlebt beim FC St. Gallen die vielleicht schönsten Tage seiner Karriere. Auch nach dem Europa-Aus will er noch hoch hinaus.

Das Wichtigste in Kürze
- Chima Okoroji hat sich beim FC St.Gallen bestens eingelebt, wie er erklärt.
- Der 29-Jährige schwärmt vom Club und der Region – und kann sich auch vorstellen, länger in der Schweiz zu leben.
- Bei Bayern München glaubten einst nicht alle Trainer an den Verteidiger.
Seit drei Jahren spielt Chima Okoroji für den FC St.Gallen. Mit dem Cup-Sieg hat er im vergangenen Mai eine Sternstunde der Klubgeschichte erlebt.
Der 29-jährige Verteidiger – Sohn einer englischen Mutter und eines nigerianischen Vaters – ist in München aufgewachsen und tief verwurzelt. Doch im FC St.Gallen hat er in den vergangenen drei Jahren mehr gefunden als nur einen Arbeitsplatz.
Er spricht über die besondere Nähe zu den Fans, seine Rolle in der Garderobe, verpasste Chancen und darüber, weshalb er sich vorstellen kann, auch in zehn Jahren noch in der Schweiz zu leben.

In der Loge des Berit Sitterstadions ist es ruhig. Ein paar Meter weiter unten liegt der stattgrüne Rasen, auf dem der FC St.Gallen seine Heimspiele austrägt – und auf dem sich für Chima Okoroji in den vergangenen drei Jahren einige Träume erfüllt haben.
Der Verteidiger schaut hinaus und sagt einen Satz, der mehr über sein Verhältnis zu diesem Ort verrät als manche Liebeserklärung: «Für mich ist das das beste Stadion, das es in der Schweiz gibt.»

Okoroji spricht diese Worte ohne Pathos. Er ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Sein Einfluss in der St.Galler Garderobe kommt nicht über Dezibel. Der Routinier sucht das persönliche Gespräch, gerade mit den Jungen. Und wenn es irgendwo klemmt, hilft manchmal ein Lachen mehr als eine Ansage.
St.Gallen passt zu ihm. Eine Fussballstadt, in der der Verein nicht nur Teil des Lebens ist, sondern für viele das Leben selbst.
Redaktion: Chima Okoroji, Sie spielen seit drei Jahren in St.Gallen. Wie lange hat es gedauert, bis Sie wirklich angekommen sind?
Chima Okoroji: Es war schon eine gewisse Eingewöhnungszeit nötig. Der Fussball in der Super League ist sehr intensiv. Das hätte ich so nicht erwartet. Jetzt bin ich völlig angekommen und es macht mir riesigen Spass, hier Fussball zu spielen.
Redaktion: St.Gallen ist eine absolute Fussballstadt.
Okoroji: Definitiv. Für mich ist das Sitterstadion die beste Arena, die es in der Schweiz gibt – vor allem von der Fanbase her. Generell ist der Verein wie eine Familie. Ich habe noch von keinem Spieler gehört, der sich hier nicht wohlgefühlt hat.
Redaktion: Sie können sich als Fussballer trotzdem frei in der Stadt bewegen?
Okoroji: Ja, absolut. Die Menschen sind angenehm. Klar, man spricht mit Leuten, aber es wird nie zu viel. Mir macht es Spass, mit Kindern oder älteren Leuten Fotos zu machen oder ins Gespräch zu kommen. Man merkt die Wertschätzung ausserhalb des Fussballs.

Redaktion: Sie haben den St.Galler Fussball-Wahnsinn beim Cupsieg hautnah erlebt.
Okoroji: Ich hätte niemals damit gerechnet, dass so viele Menschen in der Stadt sind. Es war irgendwie wie ein Traum – schon fast surreal. Und das ging wirklich die ganze Nacht. Das werde ich nie vergessen – auch nicht den Kontakt mit den Fans. Der Cup-Erfolg ging allen Menschen in St.Gallen unter die Haut.
Redaktion: Und nun müsste der Meistertitel das nächste Ziel sein – wie im Jahr 2000.
Okoroji: Ich würde schon gerne noch ein paar Sachen gewinnen. Aber man muss Schritt für Schritt gehen und sich keinen unnötigen Druck aufbauen. Wir haben letzte Saison gesehen, dass der FC St.Gallen um den Titel mitspielen kann.

Redaktion: Sie würden lieber mit dem FC St.Gallen international spielen als in der Bundesliga gegen den Abstieg. Stehen Sie noch dazu?
Okoroji: Hundert Prozent. Das Coole am Fussball ist doch, dass man sich mit ausländischen Teams messen kann. Das ist der Traum jedes Spielers. Bei Vereinen wie St.Gallen bekommt man diese Chance. Dass wir nun in den Play-offs zur Conference League gegen Nordsjaelland gescheitert sind, tut weh. Mit mehr Wettkampfglück und Cleverness wäre das Weiterkommen möglich gewesen.
Redaktion: Sie haben sämtliche Nachwuchsstufen beim FC Bayern München durchlaufen. Trotzdem gab es Trainer, die nicht an Sie glaubten.
Okoroji: Ja, es gab einige, die mir vieles nicht zugetraut und mir auch den einen oder anderen Spruch reingedrückt haben. Einer prophezeite mir, dass es höchstens für die Regionalliga reiche.
Redaktion: Heute stehen Sie als Leistungsträger beim FC St.Gallen auf dem Platz – und als Spieler mit den meisten Einsatzminuten. Ist dies eine Genugtuung?
Okoroji: Die ist schon gross. Aber ich bin nicht hier, um mich bei ehemaligen Trainern zu rechtfertigen. Es ist vielmehr eine Bestätigung für mich selber. Und ich glaube, meine Reise ist noch nicht zu Ende.
Redaktion: Sie gelten in St.Gallen als ruhiger Spieler. Welche Rolle haben Sie in der Garderobe?
Okoroji: Ich bin keiner, der über Lautstärke kommt. Ich suche lieber das Einzelgespräch mit den Teamkollegen. Vor allem den jungen Spielern kann ich so helfen.

Redaktion: Sie spielen also nicht den älteren Spieler, der allen erklärt, wie die Welt funktioniert?
Okoroji: Nein. Ich versuche, mit Lockerheit heranzugehen und den Spielern ein gutes Gefühl zu geben. Mit mir kann man 24/7 lachen und Spass haben. Ich glaube, das hilft auch dem Team.
Redaktion: Kommen wir zur St.Galler Gewissensfrage: Wie viele Olma-Bratwürste essen Sie pro Woche?
Okoroji: Sagen wir es so: Ich bin nicht der Bratwursttyp, aber ich habe schon ein paar gegessen. Sie schmeckt mir gut. Es ist einfach gewöhnungsbedürftig, weil man hier die Wurst und das Brot separat isst. In Deutschland kommt die Wurst ins Brot.
Redaktion: Und Senf?
Okoroji: Ich bin eigentlich kein Senftyp. Eher Ketchup.
Redaktion: Sie leben im Appenzellerland…
Okoroji: Ja. Ich finde es cool, etwas ausserhalb zu wohnen. Wichtig ist mir die Nähe zur Natur. Auch wegen meinen zwei Hunden.
Redaktion: Auch das Robi-Dog-System haben Sie verinnerlicht?
Okoroji: Selbstverständlich. Tagtäglich. Für mich ist das schon ein Automatismus.
Redaktion: Was hat Sie sonst an der Schweiz überrascht?
Okoroji: Dass sich die Leute auf der Strasse grüssen. Das finde ich extrem schön. Hier wirst du wahrgenommen. Das gefällt mir richtig gut.
Redaktion: Ihr Vertrag in St.Gallen läuft bis 2028. Wenn wir uns in zehn Jahren wiedersehen wollen: Wo müssen wir Sie suchen?
Okoroji: Hier fühle ich mich extrem wohl. Meine Frau und ich sprechen auch immer wieder darüber, wo wir später einmal leben wollen. Die Schweiz ist ein Land, in dem ich sehr gerne bleiben würde. Es könnte durchaus sein, dass wir uns in zehn Jahren in der Schweiz sehen – und vielleicht sogar in St.Gallen.

Redaktion: In Sachen Tattoos entsprechen Sie ziemlich stark dem Klischee eines Fussballers. Aber die Vielfalt ist bemerkenswert.
Okoroji: (lacht) Das ist mein Leben auf dem Körper. Da steckt viel von meinem Weg drin. Der 21.10.2018 erinnert mich an mein erstes Bundesligaspiel mit Freiburg. Der Gepard beschreibt mich perfekt: flink, schlau und er weiss, wann er sprinten muss. Dazu kommen Symbole für Familie, Hunde, Freiheit, Vertrauen und die Balance zwischen Kopf und Herz. Und ja: Auch eine Kaffeemaschine hat ihren Platz. Meine Leidenschaft für Kaffee geht sogar unter die Haut.
| Super League (04.09.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 5 | 5 | 0 | 0 | 14:3 | 15 | |
| 2. | ![]() | 6 | 4 | 0 | 2 | 23:11 | 14 | |
| 3. | ![]() | 6 | 3 | 2 | 1 | 11:9 | 10 | |
| 4. | ![]() | 5 | 3 | 2 | 0 | 11:9 | 9 | |
| 5. | ![]() | 6 | 2 | 2 | 2 | 7:10 | 8 | |
| 6. | ![]() | 5 | 2 | 2 | 1 | 10:11 | 7 | |
| 7. | ![]() | 5 | 2 | 2 | 1 | 9:14 | 7 | |
| 8. | ![]() | 6 | 1 | 2 | 3 | 6:7 | 6 | |
| 9. | ![]() | 6 | 2 | 4 | 0 | 9:16 | 6 | |
| 10. | ![]() | 5 | 1 | 3 | 1 | 4:6 | 4 | |
| 11. | ![]() | 5 | 1 | 3 | 1 | 7:12 | 4 | |
| 12. | ![]() | 6 | 1 | 5 | 0 | 13:16 | 3 | |
| Super League (04.09.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 5 | 15 | |
| 2. | ![]() | 6 | 14 | |
| 3. | ![]() | 6 | 10 | |
| 4. | ![]() | 5 | 9 | |
| 5. | ![]() | 6 | 8 | |
| 6. | ![]() | 5 | 7 | |
| 7. | ![]() | 5 | 7 | |
| 8. | ![]() | 6 | 6 | |
| 9. | ![]() | 6 | 6 | |
| 10. | ![]() | 5 | 4 | |
| 11. | ![]() | 5 | 4 | |
| 12. | ![]() | 6 | 3 | |
























