Salmsach TG: Zu Besuch in der albanischen Moschee

Die albanische Moschee in Salmsach TG lud zu einer interreligiösen Feier ein. Im Zentrum stand der Austausch zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen.

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist ein fest in der nationalen Tradition verankerter Feiertag. Dennoch ist er immer wieder Kritik von verschiedenen Seiten ausgesetzt, vor allem wegen seiner nicht säkularen Natur.
Dass der christliche Feiertag jedoch weit mehr als eine religiöse Tradition ist, zeigte der Interreligiöse Arbeitskreis im Kanton Thurgau bereits zum elften Mal.
«Es soll bewusst eine interreligiöse Feier und nicht nur eine ökumenische sein. Denn es gibt ein schönes Zusammenwachsen, wenn Mitglieder von verschiedenen Religionen betend Mitverantwortung für das Wohl der Gesellschaft übernehmen», sagt Matthias Loretan kurz vor Beginn der Andacht in der albanischen Moschee Salmsach.

Der Romanshorner war lange Präsident des Interreligiösen Arbeitskreises im Thurgau und engagiert sich nun als Ehrenpräsident für die Anliegen der zivilgesellschaftlichen Initiative, die 16 Kollektiv- und 30 Einzelmitglieder über alle Religionen hinweg zählt.
Viele Stimmen vereinen sich
Warum eine interreligiöse Feier zum Eidgenössischen Bettag? Diese Frage wurde schon in der Vorschau auf die Veranstaltung von Mark Kilchmann-Kok, dem Co-Präsidenten des Interreligiösen Arbeitskreises im Kanton Thurgau, gestellt und auch beantwortet.
Denn Religionsfreiheit und Toleranz seien nicht nur wichtig für den Frieden allgemein, sondern auch für den Frieden unter den Religionen: «Der Eidgenössische Bettag ist eine Gelegenheit, sich auf die allen Religionen gemeinsamen Werte zu besinnen und so einen Beitrag zur Integration zu leisten. In einer interreligiösen Bettagsfeier aufeinander zu hören, ist ein Schritt auf dem Weg der Verständigung und des gegenseitigen Vertrauens.»
Schnell zeigte sich während der Andacht, dass dem Zuhören in der gemeinsamen Feier tatsächlich eine wesentliche Bedeutung zukam. Denn während Vertreterinnen und Vertreter von verschiedenen Religionen einen Beitrag zur Andacht leisteten, herrschte im grossen Gebetsraum besinnliche Stille.
Und auch während der musikalischen Einlagen von Iris Haffter mit verschiedenen Flöten war kaum ein Mucks von den versammelten Menschen zu hören, abgesehen von den freudigen Bekundungen eines kleinen Jungen, der sich für das ungewohnte Geschehen begeisterte.
Ein von Mark Kilchmann-Kok durchgeführtes Stimmenexperiment zeigte schliesslich auch noch auf, dass sich die verschiedenen Stimmen bei der Andacht nicht nur in der Theorie, sondern auch tatsächlich in der Praxis begegneten.
«Singt alle einfach ein beliebiges zweisilbiges Wort, zum Beispiel Hallo, Shalom oder Salam, und betont die zweite Silbe», meinte er dann und begann, den vielstimmigen Klang durch die Stimmleiter zu dirigieren.

Und obwohl der Ausgang des Experiments ungewiss war, zeigte sich doch schlussendlich, dass selbst wenn viele verschiedene Stimmen verschiedene Worte singen, man einen harmonischen Klang erzeugen kann, wenn man ein bisschen auf die Stimmen seiner Nachbarin oder seines Nachbarn hört.
Auch der zweite Co-Präsident des Interreligiösen Arbeitskreises im Kanton Thurgau, Daniel Ritter, zeigte sich beeindruckt vom Anlass und vor allem vom einander geschenkten Gehör. «Segne jeden Tag, an dem wir einander zuhören», meinte er darum am Ende der Veranstaltung.
Ein herzlicher Gastgeber
Die rund einstündige Veranstaltung hielt, was sie versprach. Denn durch die vielen einfühlsamen Beiträge von verschiedenen Seiten, die Begegnung auf Augenhöhe, sitzend im Kreis, und vor allem die gelebte Gastfreundschaft, wurde die Feier zu einer tatsächlichen Andacht.
Dies schien einige Besucherinnen und Besucher noch neugieriger zu machen, denn Arafat Ibraimi, Präsident der Moschee, hatte beim anschliessenden Apéro einige Fragen zu beantworten, so zum Beispiel zu der Grösse der Gemeinschaft: «Wir haben rund 800 registrierte Mitglieder und gehören damit zu den grössten Moscheen in der Ostschweiz.»
Es war aber das gemeinsame Singen, das deutlich machte, dass es dem Allmächtigen wohl keine Rolle spielt, ob er Gott, Allah, Jahwe, Universum oder anderes genannt wird, wenn die verschiedenen Stimmen in harmonischem Einklang zu ihm gelangen.
Genau dies brachte Imam Midjit Osmani von der albanischen Moschee Salmsach in seinen Abschiedsworten zum Ausdruck: «Heute haben wir verschiedene Stimmen gehört. Und es hat sich gezeigt, dass wir durch Respekt, Frieden und Verständnis füreinander zu einer Stimme werden können.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Oberthurgauer Nachrichten» erschienen.








