Umfrage zeigt: Schulen drücken bei Handys auf «offline»

In Degersheim sind private Handys ab dem neuen Schuljahr auf dem Schulareal verboten. Andere Schulen der Region machen damit bereits gute Erfahrungen.

Es ist kurz vor der grossen Pause. Statt Köpfe über Bildschirme gebeugt zu sehen, soll auf dem Pausenplatz wieder mehr geredet, gespielt und gelacht werden.
Genau dieses Ziel verfolgt die Oberstufe Degersheim mit ihrem Entscheid, private Handys ab dem neuen Schuljahr auf dem gesamten Schulareal zu verbieten.
Nicht weil es einen gravierenden Vorfall gegeben hätte, sondern weil man Problemen vorbeugen will. Die Schule spricht bewusst von einer präventiven Massnahme. Unterrichtsgeräte wie Laptops bleiben davon ausgenommen.
Mit diesem Schritt ist Degersheim allerdings keineswegs allein. Die Umfrage der «Wiler Nachrichten» zeigt: Viele Schulen der Region haben bereits seit Jahren klare Regeln für Smartphones, Smartwatches und andere digitale Geräte.
Klare Regeln statt Dauerstreit
Besonders konsequent ist die Schule Sirnach. Dort gilt bereits seit 2009 ein umfassendes Handyverbot. Nicht nur Smartphones sind auf dem Schulareal tabu, sondern auch Smartwatches, Musikplayer, Kopfhörer und andere elektronische Geräte – sofern sie nicht ausdrücklich für den Unterricht benötigt werden.

Die Geräte müssen ausgeschaltet und unsichtbar bleiben. Wer dagegen verstösst, muss mit Konsequenzen rechnen. Das Gerät wird eingezogen und kann erst nach einem Gespräch gemeinsam mit den Eltern wieder abgeholt werden.
«Diese Regelung hat sich in der Praxis bewährt», erklärt Schulkommissionspräsidentin Nicole Kellenberger. Die Schülerinnen und Schüler wüssten genau, welche Regeln gelten und hielten sich grösstenteils daran. Für den digitalen Unterricht stehen ihnen ohnehin personalisierte iPads zur Verfügung.
Smartwatches bereiten Probleme
Auch an der Primarschule Niederhelfenschwil gilt eine klare Linie. Private digitale Geräte sind grundsätzlich verboten. Auffällig sei jedoch, dass nicht Smartphones die grösste Herausforderung darstellen.
«An unserer Schule bereiten aktuell Smartwatches eher Probleme als Smartphones», sagt Schulratspräsidentin Fabienne Stähelin. Viele Kinder tragen die Uhren aus Sicherheitsgründen oder wegen der Standortfunktion.
Werden sie während der Schulzeit genutzt, ziehen Lehrpersonen die Geräte bis Unterrichtsende ein und informieren die Eltern. Weitere Verschärfungen seien derzeit nicht geplant.
Die versteckte Versuchung
Dass Smartphones trotz klarer Regeln ihren Weg in den Schulalltag finden, kennt auch die Schule Aadorf. Dort dürfen private Geräte ebenfalls weder sichtbar sein noch benutzt werden. Werden sie entdeckt, müssen sie von den Eltern abgeholt werden.
Schulpräsidentin Astrid Keller sieht die grösste Schwierigkeit allerdings an einem ganz bestimmten Ort: «Die versteckten Ecken in unseren Schulhäusern und auf den Anlagen sind eine Herausforderung, da die Schülerinnen und Schüler einen grossen Bedarf nach zeitnahen Social-Media-Kontakten haben.»
Besonders deutlich werde der Unterschied jeweils in Klassenlagern der Aadorfer Schulen. Dort vereinbart die Schule regelmässig ein Handyverbot. Die Erfahrungen seien durchwegs positiv.
«Das wirkt sich sehr positiv auf die Gemeinschaft und das Spielverhalten der Kinder aus», sagt Keller. Gleichzeitig stelle man fest, dass viele Kontakte mit den Eltern während des Lagers gar nicht nötig seien.
Die Lagerleitungen könnten ihre Verantwortung uneingeschränkt wahrnehmen.
Auf dem Land noch kein Thema
Ganz anders präsentiert sich die Situation in Lütisburg. An der kleinen Primarschule seien Handys bislang kaum ein Thema.
Entsprechend wurden auf das neue Schuljahr keine zusätzlichen Massnahmen beschlossen. «Wir haben diesbezüglich noch keine Probleme», sagt Schulverwalterin Karin Metzger.

Vielleicht liege das auch daran, dass die Schule klein und ländlich geprägt sei. Man hoffe, dass dies auch künftig so bleibe.
Zunehmend ein Störfaktor
Die Rückmeldungen an diese Zeitung zeigen ein klares Bild: Digitale Medien gehören heute selbstverständlich zum Unterricht. Fast überall stehen Tablets oder Laptops zur Verfügung.
Private Smartphones hingegen werden zunehmend als Störfaktor wahrgenommen, nicht nur wegen Ablenkung im Unterricht, sondern auch wegen sozialer Medien, ständiger Erreichbarkeit und der Gefahr, dass echte Begegnungen in den Hintergrund geraten.
Die Oberstufe Degersheim reiht sich damit mit ihrer neuen Regel in einen Trend ein, der schweizweit immer häufiger zu beobachten ist.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.






