Weniger Bäume, mehr Hitze: Wirbel um Thursanierung

Die geplante Thursanierung sorgt für Kritik. Die IG Vernünftige Thursanierung Wattwil warnt vor mehr Hitze und einer zusätzlichen Erwärmung der Thur.

Unzählige Medienberichte über die Rekordhitze als solche und deren für alle spür- und sichtbaren negativen Auswirkungen lassen aufhorchen.
Dem Vorstand des Vereins IG Vernünftige Thursanierung Wattwil wurde zudem ein Video über die derzeit ausgetrockneten Emme zugespielt. Dass pro Sekunde 50 Liter Grundwasser in die Emme gepumpt wurden, hat offensichtlich nichts genützt.
Die Situation dort macht betroffen und lässt laut der IG befürchten, dass dieses Hitze-Szenario nach erfolgter Thursanierung, mit Verdoppelung des Flussbetts und Beinahe-Kahlschlag der Alleebäume, auch im Toggenburg Realität werden kann.
Der Rickenbach als lokal grösster Zufluss der Thur ist ja schon jetzt ausgetrocknet. Kürzliche Pressemitteilungen lassen das Schlimmste befürchten:
«Hitzewellen im Rekordmodus. Der Thur-Wasserfall liegt komplett trocken. Den Fischen geht das Wasser aus. Im St. Galler Nestweiher starben mehr als 1000 Fische. Hohe Wassertemperaturen bedeuten lebensbedrohlichen Stress für die Fische.»
450 Bäume als Hitzeschutz
Ein ausgewachsener Baum leistet ökologisch rund 100 Mal mehr als ein junger Baum. In einer Medienmitteilung vom dritten August betont die IG Vernünftige Thursanierung Wattwil den unbezahlbaren Wert der 450 Wattwiler Thurallee-Bäume, wenn sie in Hitzeperioden wohltuenden Schatten spenden und lokal für ein angenehmes Klima sorgen.

In seiner Strategie zur Anpassung an den Klimawandel will auch der Kanton langfristig und mit Steuergeld 80 Prozent der Fliessgewässer in tiefen Lagen mit einer genügenden Beschattung ausstatten.
Für die IG ist es ein grosser Widerspruch, dass der gleiche Kanton für die Thursanierung weiterhin rund 200 überwiegend ausgewachsene Alleebäume fällen will. Sie betont, dass das Fällen von so vielen Bäumen und die Ausweitung des Thurbetts auf bis zu 75 Meter eine hitzetreibende Steinwüste mit noch wärmerem Wasser bescheren wird.
Kritik an Millionenprojekt
Da es künftig noch mehr und längere Hitzeperioden geben soll, müssten sich die Fische wohl jeden Sommer auf Notabfischungen oder ein Thermalbad gefasst machen. Zudem brauche es dann sehr viel Wasser, «Manpower» und Steuergeld, damit die jungen Ersatzbäume nicht eingehen.
Laut der IG Vernünftige Thursanierung Wattwil erachten weite Teile der Bevölkerung die massive Verbreiterung des Flussbetts der Thur und den Kahlschlag der Wattwiler Baumallee als ökologischen Unsinn.
ÜBER DEN VEREIN
Der Verein IG Vernünftige Thursanierung Wattwil ist Anfang 2025 aus einer Zusammenarbeitder bürgerlichen Toggenburger Kantonsräte mit der im Jahr 2018 gegründeten IG «Vernünftiger Hochwasserschutz an der Thur» hervorgegangen. Der Verein setzt sich für einen wirksamen und vernünftigen Hochwasserschutz an der Thurin Wattwil ein; insbesondere für den bestmöglichen Erhalt des Kulturlandes und der Baumallee sowie für den Schutz des Grundeigentums der Anstösser und für einen optimalen Einsatz der Steuergelder bei Bau und Unterhalt.
Dennoch würden die Projektverantwortlichen stur daran festhalten und dafür Millionen Steuerfranken ausgeben. Zudem würden Umweltverbände und Links-Grünen diesen Frevel an der Natur unterstützen und ihn als «ökologische Aufwertung» beschönigen.
Die IG Vernünftige Thursanierung Wattwil setzt sich weiterhin dafür ein, dass die Thur nirgends – auch nicht ausserhalb der Siedlung – unnötig verbreitert wird. Damit wird den Alleebäumen, dem Landwirtschafts- und Privatland sowie den Steuergeldern von Kanton und Gemeinde Sorge getragen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Toggenburger Zeitung» erschienen.








