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Zuzwiler Viehvermarkter: «Der Futterbau ist tot!»

Lui Eigenmann
Lui Eigenmann

Wil,

Die anhaltende Trockenheit setzt Bauernhöfe unter Druck. Viehvermarkter Rolf Hinder erklärt, warum ihn die kommenden Wochen beschäftigen.

Rolf Hinder rechnet mit einem schwierigen Herbst für viele Landwirtschaftsbetriebe.
Rolf Hinder rechnet mit einem schwierigen Herbst für viele Landwirtschaftsbetriebe. - le

35 Grad herrschen in diesen Tagen auf dem Hof von Rolf Hinder in Zuzwil. Der 55-jährige Viehvermarkter beobachtet die Entwicklung mit grosser Sorge. Die Trockenheit beschäftigt die Landwirtschaft seit Wochen, und die Auswirkungen seien inzwischen deutlich spürbar.

«Diese Intensität ist aussergewöhnlich», sagt Hinder. Zwar sei der Sommer auf dem Viehmarkt traditionell eine ruhigere Zeit, weil viele Tiere auf den Alpen seien. Doch in diesem Jahr falle eine wichtige Arbeit weg.

«Die Bauern können keine Futterreserven einbringen, weil schlicht kein Futter wächst. Gleichzeitig ist die Nachfrage eingebrochen.» Besonders betroffen seien die nun beginnenden Bergauktionen.

«Diese Woche finden die ersten Auktionen statt. Sie stehen wegen der Trockenheit unter keinem guten Stern.» Der Grund sei einfach: Wer kein Futter habe, kaufe auch keine zusätzlichen Tiere.

Noch gravierender sei die Versorgung mit Heu. «Europaweit fehlt Futter. Auch aus den Nachbarländern bekommen wir praktisch nichts mehr. Und wenn doch, dann zu horrenden Preisen.»

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Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen der Schweizer Landwirtschaft stark zu. (Symbolbild) - keystone

Gleichzeitig kämpften die Milchproduzenten mit einem Milchpreis, den Hinder als unhaltbar bezeichnet. «Obwohl wir in den letzten Wochen 20 bis 30 Prozent weniger Milch produzieren, bewegt sich beim Preis kaum etwas. Da muss endlich etwas gehen.»

Tiere leiden unter der Hitze

Nicht nur die Bauern in der Region, sondern auch die Tiere leiden unter den extremen Temperaturen. «Wie wir Menschen stehen auch sie unter Stress. Die Kühe zeigen Leistungseinbussen, grippeähnliche Symptome und teilweise Durchfall.»

Auf dem Betrieb von Hinder falle dies etwas weniger ins Gewicht, weil ganzjährig dieselbe Fütterung eingesetzt werde. «Unsere Tiere erhalten Sommer wie Winter das gleiche Futter. Solange wir genügend Vorräte haben, bleibt die Qualität stabil. Den Hitzestress in diesen Tagen können aber auch wir nicht verhindern.»

In vielen Betrieben in der Region sieht die Situation anders aus. Das Gras wächst kaum noch, weshalb vielerorts bereits Winterfutter verfüttert wird. Dennoch relativiert Rolf Hinder den Eindruck, dass deshalb nun massenhaft Tiere geschlachtet würden.

«Es werden vor allem Tiere früher geschlachtet, die ohnehin im August oder September zur Schlachtung gekommen wären. Dadurch lässt sich das vorhandene Futter länger für die leistungsfähigen Tiere einsetzen.»

Angst vor Panik

Immer wieder wird befürchtet, dass viele Tiere gleichzeitig auf den Markt gelangen und die Preise einbrechen könnten. Diese Gefahr sieht Hinder derzeit jedoch nicht. «Unsere Aufgabe ist es, den Markt fliessend zu bewegen. Wir sind der Puffer zwischen Produzenten und Verarbeitern.»

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Sein Unternehmen könne rund 300 Tiere gleichzeitig unterbringen und dadurch Angebot und Nachfrage besser ausgleichen. Viel problematischer seien aus seiner Sicht übertriebene Schlagzeilen.

«Die Medien heizen das Thema teilweise an. Viele Bauern reagieren sehr sensibel und bekommen Angst vor einem Preiszerfall.» Dabei sei die Situation auf dem Schweizer Markt grundsätzlich eine andere.

«Wir haben seit Jahren eher zu wenige Tiere als zu viele. Die Eigenproduktion reicht nicht aus, deshalb braucht es laufend Importe.» Gerade deshalb sei es bemerkenswert, dass sich die Schlachtviehpreise trotz der aktuellen Situation stabil hielten.

«Wenn tatsächlich zu viele Tiere auf den Markt kämen, müssten die Preise einbrechen. Das passiert aber nicht.»

Bauern unter Druck

Deutlich kritisch äussert sich Hinder über die wirtschaftliche Situation vieler Milchbetriebe. «Der Bauer ist am Schluss immer der Leidtragende», sagt er.

Investitionen in neue Technik, hohe Schulden und langfristige Verpflichtungen würden viele Betriebe stark unter Druck setzen. «Viele können gar nicht einfach aufhören. Sie müssen weitermachen, ob sie wollen oder nicht.»

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Nicht nur die Bauern in der Region, sondern auch die Tiere leiden unter den extremen Temperaturen. (Symbolbild) - keystone

Besonders unverständlich sei für ihn, dass Schweizer Milchproduzenten teilweise schlechter entschädigt würden als Betriebe in der Europäischen Union. «Wir produzieren mit deutlich höheren Kosten und verdienen trotzdem weniger. Das kann langfristig nicht funktionieren.»

Hoffnung liegt auf Regen

Für die kommenden Wochen wünscht sich Rolf Hinder keinen kurzen Gewitterschauer, sondern anhaltenden Regen. «Ein Gewitter bringt praktisch nichts. Wir brauchen in unserer Region eine längere Schlechtwetterperiode.» Doch selbst diese komme für viele Heubauern bereits zu spät.

«Die Böden sind vielerorts kaputt. Der Futterbau ist praktisch tot. Wenn es jetzt regnet, müssen viele Flächen neu angesät werden.» Für Silobetriebe sei die Situation zwar etwas weniger dramatisch, dennoch hätten viele, bereits zwei Futterschnitte verloren.

Die Folgen könnten im Herbst deutlich sichtbar werden. «Die Gefahr ist sehr gross, dass das Heu nicht reicht. Viele Betriebe haben dieses Jahr deshalb bereits aufgegeben, weil ihnen nach Jahren mit tiefen Milchpreisen schlicht die Kraft fehlt.»

Ein sichtbares Zeichen der aussergewöhnlichen Situation ist auch die Absage eines besonderen Anlasses. «Wir mussten unsere 100. Jubiläumsauktion vom 4. September absagen – wegen der Trockenheit», so Hinder.

Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #6332 (nicht angemeldet)

...zur Kühlung gibt's Staatliche Extra-Subventionen...!

User #1528 (nicht angemeldet)

Die Situation für die Bauern ist dieses Jahr wirklich nicht gut, sie tun mir leid. Und ja, sie sollten mehr für die Milch bekommen und vor allem sollten Milch Importe verboten werden solange es genug Schweizer Milch hat

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