Markus Ritter: «Ein Bauernhof lässt sich steuerlich nicht aufteilen»

Die Individualbesteuerung schaffe Ungerechtigkeiten für Bauernfamilien, schreibt Markus Ritter. Er wirbt in seiner Kolumne für die Fairness-Initiative.

Das Wichtigste in Kürze
- Markus Ritter ist gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.
- Auf Nau.ch schreibt der Mitte-Nationalrat regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt Ritter über die Folgen der Individualbesteuerung für Bauernfamilien.
Wer einen Bauernhof oder sonst ein kleines Familienunternehmen führt, weiss: Da gibt es nicht einfach einen Chef, der alles macht, und eine Partnerin, die danebensteht. Auf den meisten Familienbetrieben packen beide an. Oft auch die nächste Generation.
Jeder dort, wo es ihn gerade braucht. Und am Ende des Tages müssen alle vom gleichen Einkommen leben. Genau deshalb habe ich Mühe mit der Individualbesteuerung, die das Stimmvolk im März angenommen hat.
Natürlich ist es längst überfällig, die Heiratsstrafe abzuschaffen. Aber die Art, wie es geschehen soll, schafft neue Ungerechtigkeiten.
Einkommen und Vermögen lassen sich schlecht aufteilen
Auf einem Bauernhof lassen sich Arbeit und Einkommen kaum sauber trennen. Vielleicht steht der Mann häufiger im Stall oder fährt mit dem Traktor aufs Feld. Seine Frau führt die Buchhaltung, kümmert sich um die Direktvermarktung, hilft bei Arbeitsspitzen mit. Und schaut zu den Kindern.

Ohne Frauen funktioniert es nicht
Ohne ihre Arbeit würde der Betrieb nicht funktionieren. Trotzdem läuft das Einkommen oft hauptsächlich über den Mann, weil der Hof auf seinen Namen eingetragen ist.
Und nun sollen diese beiden Menschen steuerlich wie zwei Einzelpersonen behandelt werden. Jeder muss eine eigene Steuererklärung ausfüllen. Einkommen, Vermögen und Abzüge müssen aufgeteilt werden.
Nur: Wie macht man das auf einem Hof, auf dem praktisch alles zusammengehört? Das gibt einen riesigen administrativen Aufwand. Dabei haben unsere Bauernfamilien schon heute mehr als genug Papierkram.
Benachteiligung für alle Familien mit ungleichen Einkommen
Die Individualbesteuerung kommt vor allem jenen Paaren entgegen, bei denen beide ähnlich viel verdienen. Wer sich die Arbeit auswärts und in der Familie anders aufteilt, fährt schlechter. Dabei ist die Arbeit einer Frau, welche die Familie versorgt, nicht weniger wert.
Sie erscheint einfach nicht gleich auf einem Lohnausweis. Wir brauchen ein Steuersystem, das unterschiedliche Familienmodelle respektiert. Und das nicht vorgibt, wie Ehepaare ihre Arbeit aufteilen sollen.
Fairness-Initiative ist eine Alternative zur Abschaffung der Heiratsstrafe
Deshalb sagt der Schweizer Bauernverband Ja zur Fairness-Initiative, über die wir am 29. November abstimmen. Sie schafft eine Alternative zur Individualbesteuerung und ermöglicht es, Ehepaare weiterhin gemeinsam zu besteuern, ohne sie für ihr Lebensmodell zu bestrafen.

Die Heiratsstrafe gehört abgeschafft. Dafür müssen wir die Bauernfamilien oder auch andere Familien mit ungleichen Einkommen nicht auf dem Papier auseinanderreissen.
Zum Autor
Markus Ritter (58) ist Nationalrat (Die Mitte) und gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.








