Frauenfeld TG: Mittagsvortrag über die Madonna von Kalchrain

Kunsthistorikerin Christine Süry erzählt am Donnerstag, 29. Oktober 2026, im Schloss Frauenfeld TG die bewegte Geschichte einer Marienskulptur. Eintritt frei.

Sakrale Skulpturen wurden über Jahrhunderte dem Zeitgeist und den Bedürfnissen der Gläubigen angepasst. Um in der Andacht zu berühren und zu inspirieren, mussten sie optisch bezaubern. So wurden sie neu gefasst, eingekleidet und frisiert.
Davon zeugt eine Marienskulptur aus dem Kloster Kalchrain. Ihre bewegte Geschichte erzählt Kunsthistorikerin Christine Süry am Donnerstag, 29. Oktober 2026, im Schloss Frauenfeld.
Die jüngere Geschichte der Skulptur im Historischen Museum Thurgau begann 1966 mit einem Kaufangebot: Ein privater Sammler bot eine monumentale Madonna mit Kind samt dazugehöriger Kleidungsstücke an. Eine einmalige Gelegenheit, denn die Figur stammte aus dem Thurgauer Frauenkloster Kalchrain. Da der Kanton nach der Klosteraufhebung 1848 einen Grossteil der Kunstwerke und Antiquitäten veräusserte, ist sakrales Kulturgut aus der Region heute selten.
Die Schnitzerei trägt die Spuren einer sechs Jahrhunderte umfassenden Biografie. Immer wieder wurde die Madonna den aktuellen Schönheitsidealen angepasst: Ihr Körper wurde mal figürlich reduziert, mal fülliger modelliert, sie wurde neu eingekleidet und frisiert. Im Barock erhielt sie prächtige Gewänder und echtes Haar, damit sie mit den opulenten Kirchenräumen harmonierte.

Vom Zeitgeschmack zum «Urzustand»
Auch mit dem Einzug ins Museum endeten die Veränderungen nicht. Kaum erworben, fand sich die Madonna erneut auf dem Werktisch – diesmal unter wissenschaftlichen Vorzeichen. Im Geist der 1960er-Jahre sollte sie in ihren vermeintlichen Urzustand zurückversetzt werden.
Als historisch wertvoll galten nur die mittelalterlichen Bestandteile. Der Restaurator entfernte spätere Ergänzungen und barocke Schichten. Zurück blieb das Fragment, das wir heute kennen.
Die Lebensstationen von diesem faszinierenden Zeugnis der Kulturgeschichte, das derzeit in der Ausstellung «Spuren des Lebens» im Zeughaus in Frauenfeld zu bewundern ist, erläutert am Vortrag die Kunsthistorikerin Christine Süry. Der Mittagsvortrag «Auch Madonnen wollen gefallen. Die Verwandlungen einer Marienskulptur im Kloster Kalchrain» findet am Donnerstag, 29. Oktober 2026, von 12.30 bis 13 Uhr im Schloss Frauenfeld statt. Der Eintritt ist frei, Eine Anmeldung ist unter historisches-museum.tg.ch/events erforderlich.






