Der Maikäfer als Landplage der Ostschweiz des 20. Jahrhunderts

Motorspritzen gegen Maikäfer: Im Thurgau rückten Bauern Anfang der 1950er-Jahre mit Insektengift gegen die gefürchteten Käferschwärme aus. Die Ostschweiz gilt immer noch als Maikäfergebiet. Heute wird versucht, den Tieren mit anderen Mitteln Herr zu werden.

Die Ostschweiz ist Maikäferland. Die Tiere fühlen sich im Rheintal, dem Prättigau, im Domleschg und in der Bündner Herrschaft, dem östlichen Thurgau sowie dem Glarnerland besonders wohl.
Lange wurden die Maikäfer als reine Landplage betrachtet. Besonders präsent waren die Insekten Mitte des 20. Jahrhunderts. Vorkehrungen zu treffen war schwierig: Um den Nutzgarten vor den schwärmenden Maikäfern zu schützen, deckte man die Beete mit Tüchern ab oder schüttelte die Bäume.
Der Landwirtschaft stand zur selben Zeit bereits Insektengift zur Verfügung, um Käfer und Engerlinge, also ihre weisslich-gelben Larven, zu töten. Im Bild von 1951 werden im Kanton Thurgau Motorspritzen mit dem Spritzmittel Gesarol zur Bekämpfung der Maikäferplage eingesetzt.
Solche Insektizide sind heute verboten. Forschende haben allerdings ein biologisches Mittel gegen die gefrässigen Käferlarven entdeckt: die weisse Muskardine. Dieser Pilz überzieht die Engerlinge mit einem weissen Geflecht und tötet sie.
Im Flugjahr und bei geeignetem Flugwetter sind die Maikäfer gut sichtbar: Zu Millionen kriechen sie dann aus dem Boden und fliegen ihre Ziele an.
Laut Waldschutz Schweiz «befressen» die zwei bis drei Zentimeter grossen Käfer dann im Mai die Blätter von Laubgehölzen: «Da sich die Käfer nach der Silhouette orientieren, werden vor allem Waldränder, Kleingehölze oder Bäume auf Kuppen und Kreten angeflogen. In den Alpentälern wird auch die Lärche angegangen.» Zwar bildeten die «befressenen Bäume» ab Juni wieder Triebe, aber es könne zu «Zuwachsverlust» kommen.
Die Maikäfer bewegen sich gemäss Waldschutz Schweiz in einem drei- oder vierjährigen Zyklus, je nachdem, wie hoch eine Region liegt. «Im Zeichen der Erderwärmung wurde vereinzelt auch schon eine Verkürzung auf zwei Jahre möglich», heisst es weiter. Der Zyklus werde mit einem «Flugjahr» und dem «Reifungsfrass» an den Bäumen abgeschlossen. Der Flug finde jeweils an milden Mai-Abenden statt.
Entlaubte Bäume sind nur das eine. Vor allem die Schäden im zweiten Entwicklungsjahr schätzen Fachleute ebenfalls als sehr hoch ein. Die Engerlinge im Boden seien nun besonders gefrässig und die Schäden daher am besten sichtbar, schreibt Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung, auf seiner Webseite. Vor allem junge Wurzeln stünden hoch im Kurs.
Die «Synchronisierte Entwicklung der Maikäfer», wie es Agroscope nennt, ist in wissenschaftlicher Hinsicht interessant. «Der Grossteil der Maikäferpopulation einer bestimmten Gegend verläuft gleichzeitig und gleich schnell. Diese Entwicklungszyklen haben sich über die letzten Jahrzehnte kaum verändert. Es sei daher einfach prognostizierbar, wann das «Flugjahr» oder das «Hauptschadensjahr» einer bestimmten Maikäferpopulation sei.
Gegen 20'000 Arten der Familie der Blatthornkäfer, zu der auch der «Feldmaikäfer» gehört, sind weltweit bekannt. Hierzulande werden Grossinsekten wie Maikäfer, Grillen oder Heuschrecken jedoch seltener. Beliebt sind die Maikäfer bei Vögeln, die sie zum Fressen gerne mögen. Käfer wie Engerlinge sind daher nicht nur schädlich, sondern gerade für grössere Vögel als Nahrung wichtig.
Ansonsten hat der Maikäfer weiterhin ein Imageproblem. Es gibt Schöneres, als an einem milden Vorsommerabend von einer Maikäfer-Staffel beflogen zu werden. Auch der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld war offenbar kein Freund des Maikäfers. Von ihm solle nach seinem Tod nur Asche bleiben, verkündete er stets und äusserte sich in einem Interview mit dem «Playboy» zum alternativen Ende in der Erde dezidiert: «Entsetzlich, Maikäfer im Körper, nee, vielen Dank.»
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