Breu: «Klimafonds-Initiative: Gegen Stillstand und Klimachaos»

Am 8. März stimmt die Schweiz über die Klimafonds-Initiative ab. Im Gastbeitrag wirbt Michael Breu, Grüne-Co-Präsident Stadt und Region St. Gallen, für ein Ja.

Die Wahrheit ist unbequem, aber längst überfällig: Ohne massive öffentliche Investitionen bleibt die Schweiz beim Klimaschutz Zuschauerin statt Gestalterin. Während andere Länder vorwärtsmachen, drehen wir uns seit Jahren im Kreis – aus Angst vor Kosten, die im Vergleich zu den Schäden der Klimakrise lächerlich klein sind. Genau deshalb brauchen wir die Klimafonds-Initiative.
Unsere Eltern und Grosseltern haben Visionen umgesetzt, die heute weltweit bewundert werden: AHV, ETH, NEAT. Sie hatten Mut. Und was machen wir? Wir diskutieren ernsthaft darüber, ob es «zu teuer» sei, unsere Häuser zu isolieren, erneuerbare Energie auszubauen und endlich unabhängig von Putins Gas und saudischem Öl zu werden. Es ist peinlich, dass wir uns überhaupt fragen müssen, ob wir uns Zukunft leisten wollen.
Der Klimafonds ist kein «Nice-to-have», er ist überfällig. 0,5 bis 1 Prozent des BIP – das sind Peanuts verglichen mit den Milliarden, die wir Jahr für Jahr für fossile Energien ins Ausland überweisen. Geld, das autokratische Regimes stärkt, Kriege finanziert und unsere Sicherheit untergräbt. Wer ernsthaft behauptet, wir könnten weitermachen wie bisher, ignoriert bewusst die Realität: Klimaschutz ist längst auch eine Frage der nationalen Souveränität.

Mit dem Fonds können wir endlich tun, was seit Jahrzehnten nötig wäre: Gebäude konsequent sanieren, fossile Heizungen rausreissen, Solaranlagen auf jedes geeignete Dach bringen und den öffentlichen Verkehr stärken. Und ja – dafür braucht es Fachkräfte. Genau deshalb finanziert der Fonds auch Aus- und Weiterbildungen. Es ist höchste Zeit, dass wir die Menschen für die Arbeit von morgen befähigen, statt sie in den Strukturen von gestern festzuhalten.
Was mich besonders ärgert, ist das Märchen, Klimaschutz sei «sozial ungerecht». Ungerecht ist vielmehr, nichts zu tun: steigende Energiekosten, Extremwetterschäden, schwindende Biodiversität – all das trifft zuerst jene, die am wenigsten haben. Die Klimafonds-Initiative setzt endlich einen Gegenpunkt: Sie verbindet Klimaschutz mit sozialer Absicherung. Sie verhindert, dass Menschen im Wandel verlorengehen. Sie schafft Jobs, statt sie abzubauen.
Wer heute gegen diese Initiative ist, entscheidet sich faktisch für Stillstand, Abhängigkeit und ein weiter eskalierendes Klimachaos. Wer dafür ist, entscheidet sich für eine Schweiz, die Verantwortung übernimmt – und die Zukunft nicht nur verwaltet, sondern erneuert.
Für mich ist klar: Die Klimafonds-Initiative ist der einzige ernsthafte Versuch, die Schweiz klimaneutral, sozial gerecht und energieunabhängig zu machen. Alles andere ist Schönwetterpolitik.
Jetzt ist nicht der Moment für Halbherzigkeit. Jetzt ist der Moment für Mut.
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Michael Breu ist Umweltwissenschaftler und Co-Präsident Grüne Stadt und Region St. Gallen.






