St. Gallen wirbt um die Startups von morgen

In der grössten Halle auf dem Olma-Areal präsentieren sich an der Startup-Messe «Start Summit» Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer mit ihren Ideen. Präsent sind Investoren und Standortförderer aus dem In- und Ausland. Mitten drin zeigt sich der Kanton St. Gallen mit dem Slogan «Do it in St. Gallen».

In der grossen «Kantonalbank Halle» sieht es am ersten Tag der Startup-Messe Start Summit aus wie an einem gut besuchten Tag an der Olma im Herbst. Die augenfälligsten Unterschiede: Das Publikum ist deutlich jünger und Englisch die Umgangssprache. Das kommt nicht von ungefähr. Die zweitägige Veranstaltung mit rund 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird von Studierenden der Universität St. Gallen organisiert.
An zahlreichen kleinen Ständen präsentieren Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer Ideen und Produkte. Die Bandbreite ist gross. Vorgestellt wird etwa ein Elektro-Antrieb für Tourenskis, es geht um Neuerungen für Drohnen oder um Analysegeräte für die Gesundheit.
Etwas mehr Platz nehmen staatliche Standortförderungen ein. Zu sehen ist etwa der Auftritt der «Bern Capital Area» oder derjenige von Baden-Württemberg mit dem Slogan «The start-up Länd». Auch die Slowakei ist hier präsent. Ein grosser Raum ist mit «Meet Founders from Africa & Latin America» angeschrieben.
Im hinteren Teil der Halle präsentiert sich die St. Galler Standortförderung mit dem Motto «do-it-in-sg». Dort stehen Regierungsrat Beat Tinner (FDP) und Daniel Müller, Leiter der kantonalen Standortförderung. Als er die Startup-Messe zum ersten Mal besuchte, habe es ihm den Ärmel hineingezogen, erzählt der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements.
Die Präsenz des Kantons hat sich in letzter Zeit erhöht. Zum zweiten Mal in Folge ist St. Gallen mit einer eigenen «Area» dabei und lässt sich dies jeweils rund 300'000 Franken kosten. Nicht fehlen darf offensichtlich ein Bratwurststand. Angeboten wird «Die beste Stadionwurst der Schweiz».
Er selber, aber auch vier bis fünf weitere Mitglieder der Regierung seien an den beiden Tagen der Messe vor Ort anwesend und führten Gespräche, sagt Tinner. Die Regierung habe es sich zum Ziel gesetzt, «die Innovationskraft und die Standortattraktivität des Kantons zu erhöhen».
Es seien zahlreiche Einladungen für die «Area» ausgesprochen worden. Sie gingen etwa an Behörden oder Wirtschaftsvertreter von Bayern oder Baden-Württemberg, aber auch an die Fraktionen des Kantonsrats. Es gibt diese Idee einer «alpinen Wirtschaftsachse», mittendrin der Standort St. Gallen.
Das Ziel sei es, möglichst viele der Startups im Kanton zu halten – oder andere von den Vorteilen des Standorts zu überzeugen, hiess es beim Rundgang durch die Halle. Der Auftritt sei ein Aufruf, «in St. Gallen zu gründen, zu innovieren, zu investieren und zu leben», so Tinner.
Die Trümpfe des St. Galler «Innovationsökosystems» sind HSG, Fachhochschule Ost, Kantonsspital, Empa. Zudem gebe es hier kurze Wege – statt Bürokratie. «Man kann sich in St. Gallen relativ einfach etablieren», ist der Regierungsrat überzeugt.
Um möglichst optimale Rahmenbedingungen bieten zu können, sei in den letzten Jahren überprüft worden, wo es noch Lücken gebe, erklärte Standortförderer Müller. Danach habe man Verbesserungen vorgenommen.
Dies zeige sich beim St. Galler Startup-Förderangebot Startfeld, der Anlaufstelle für Erstberatungen. Dort werden die frühen Schritte auf dem Weg zur Kommerzialisierung einer Idee begleitet. Unterstützung gibt es etwa durch ein Expertenkomitee, das ein fundiertes Feedback bieten kann.
Zu den Verbesserungen des Angebots gehört, dass Startfeld neue Anlaufstellen vor Ort eröffnet hat. Sie befinden sich in Rapperswil-Jona «mit einer spannenden Startup-Szene» und in Buchs «mit dem Hightech-Campus». In Buchs meldeten sich kurz nach der Eröffnung drei Doktoranden mit einer Idee. Sie können ihr Projekt im April dem Expertenkomitee vorstellen.
Die nächste Etappe auf dem Weg der Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer ist die im Umfeld der Universität angesiedelte Stiftung «HSG Start Accelerator», in der es Unterstützung in der frühen Wachstumsphase einer Firma gibt.
Ein Startup, das diese Stationen durchlaufen hat, wurde am Donnerstag auf dem Rundgang vorgestellt. Das «Deep-Tech-Startup» Ionic Wind entwickelte ein Modul zum Kühlen, das herkömmliche Lüftungen von Geräten ersetzen könnte und ohne mechanische Teile auskommt.
Gründer und CEO Donato Rubinetti ist wegen eines Doktorats an der Empa in St. Gallen aus dem Aargau hierhergezogen. Aus der Idee entstand bereits ein Prototyp, es gebe auch erste Kunden aus den USA, aus Südkorea und China.
Eine der grössten Herausforderungen sei es, das Produkt so zu entwickeln, dass es die Industriestandards erfülle, erzählt Rubinetti. An der Messe gab es für Ionic Wind neben zahlreichen Meetings bereits auch den Kontakt zu jemandem, der ein Kunde werden könnte.





