Diese Toggenburger Sparschweine sind nicht wie die anderen

Sybille Pleithner aus Lichtensteig SG revolutioniert das Sparen. Ihre gebastelten Unikate geben erst am Ende ihr Geheimnis mit dem Hammer preis.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Sparschwein ohne Gummipfropfen? Sybille Pleithner aus Lichtensteig revolutioniert das Sparen mit Herzblut.
- Seit zehn Jahren bastelt sie bunte Unikate, die erst am Ende ihr Geheimnis mit dem Hammer preisgeben.
Wer durch das geschichtsträchtige Städtli spaziert, spürt rasch den ganz besonderen Charme dieser Region. Die unberührte Natur liegt direkt vor der Haustür, die Aulischlucht lockt mit einem Wasserfall und die Jazztage bringen alljährlich Leben in die alten Gassen.
Mittendrin lebt eine Frau, die sich selbst mit drei treffenden Worten beschreibt: nett, freundlich und liebenswürdig. Sybille Pleithner (41) hat ihr Herz an diesen idyllischen Ort verloren. Sie arbeitet als engagierte Quereinsteigerin im Alters- und Pflegeheim, wo sie täglich fleissig in der Reinigung und Wäscherei anpackt.
Ursprünglich hat sie Lebensmittelverkäuferin gelernt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag findet sie ihren perfekten, kreativen Ausgleich in einer Beschäftigung, die man heute nur noch selten antrifft: Sie bastelt bunte Sparschweine.
Dieses Hobby begleitet sie nun schon seit über zehn Jahren und brachte über 50 Exemplare hervor. Die Idee dazu entstand in der Schule während des Handarbeitsunterrichts. Das Herstellen der kleinen Figuren faszinierte sie so nachhaltig, dass es ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf ging.
Sie wollte etwas machen, das nicht jeder macht. So begann eine kreative Reise. Ihre handgemachten Schweine verfolgen jedoch ein radikales Konzept: Man kann sie unten nicht öffnen.
Sie hat dem Gummipfropfen bewusst abgeschworen. Wer an das Geld möchte, muss zwangsläufig zum Hammer greifen. «Ich habe das als mein Konzept gemacht, dass man eine Weile sparen soll und dann schaut, was man über Monate oder Jahre gespart hat», erklärt sie.
Da es auf der Bank ohnehin kaum noch Zinsen gibt, ist das physische Sparen zu Hause wieder hochaktuell.
Erinnerungen an süsse Sünden
Als Kind war sie nicht immer ganz so diszipliniert. Wenn sie früher ihr eigenes Sparschwein plünderte, kaufte sie Süssigkeiten. Heute erfordert das Sparen mit ihren Modellen deutlich mehr Ausdauer. Wenn man aber über Monate hinweg Münzen und Noten hineinwirft, kommt ein schöner Ferienbatzen zusammen.
Tut es ihr als Künstlerin weh, wenn jemand ihre Arbeit mit Gewalt zerstören muss? Ein bisschen weh tut es schon. «Aber das wollte ich so, man kann ja wieder ein neues basteln», meint sie pragmatisch. In jedem Objekt stecken viel Freude und Liebe.
Mindestens eine Woche braucht sie, bis von der Grundform bis zum fertigen Anstrich alles perfekt ist. An ihrer bewährten Technik hat sie in der ganzen Dekade nichts verändert. Sie experimentiert stattdessen gerne mit Farben und möchte aktuell Neonfarben ausprobieren.

Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich von jeglicher faden Massenware. Für sie steht unumstösslich fest: «Selbstgemachtes ist einfach spezieller.»
Herzensmomente und Marktzauber
Früher durfte Sybille ihre farbenfrohen Kunstwerke im Laden ihrer Mutter ausstellen. Diese gemeinsame Zeit ist tief in ihrem Herzen eingebrannt und bleibt eine Erinnerung an eine sehr schöne Zeit.
Sie durfte neue Leute kennenlernen und ihre kreative Seite zeigen. Auch der Weihnachtsmarkt in Lichtensteig war ein fester Bestandteil ihres Hobbys.
Zusammen mit ihrer Mutter verkaufte sie dort ihre Werke. Sie vermisst diese magische Atmosphäre und das direkte Feedback der Marktbesuchenden heute. Der treueste Abnehmer ihrer Schweine ist jedoch ihr Vater geblieben.
Er besitzt selbst ein Schwein und hat ein weiteres Modell für seine Tante besorgt, die bei ihm putzt. Anstatt ihr Geld bar auf die Hand zu geben, wirft er es über das Jahr hinweg heimlich ins Sparschwein.
Zu Weihnachten schenkt er ihr dann das gefüllte Kunstwerk. Das ist eine grossartige Idee, die zeigt, wie viel Freude diese Glücksbringer stiften können.
Ein Lächeln als Lohn
Das grosse Geld will Initiantin Sybille Pleithner mit ihrer Kunst keineswegs verdienen. Ein Sparschwein in der normalen Grösse kostet bei ihr gerade einmal bescheidene zehn Franken. Würde sie das Material und ihre Arbeitszeit fair dazurechnen, müsste sie weitaus mehr verlangen.
Doch der wahre Lohn ist für sie ohnehin unbezahlbar: Wenn die Käufer sich freuen, ist das für sie das grösste Glück. Wer heute ein solches handgemachtes Unikat erwerben möchte, findet sie regelmässig auf Facebook, wo sie Werbung macht, oder meldet sich einfach direkt persönlich bei ihr.
Die Schweine sind wie ihre Macherin: bodenständig, grundehrlich und voller positiver Energie, die den Alltag ein kleines Stück bunter macht.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Toggenburger Zeitung» erschienen.






