Lärmblitzer kommen nicht: Autoposer-Wirbel in Rorschach SG

Stefanie Rohner
Stefanie Rohner

Rorschach,

Wenn die Temperaturen steigen, nimmt in Rorschach SG der Verkehrslärm zu: Laut knallende Auspuffe sorgen für Beschwerden.

Lärmblitzer
2025 forderten die Grünen der Region Rorschach die Kantonsregierung mittels Petition auf, gegen Motorenlärm vorzugehen. Sie verlangten stärkere Polizeikontrollen und einen Lärmblitzer. - pd

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Jahren kämpft Rorschach SG gegen Autoposer.
  • Nun hat der Bundesrat entschieden, auf Lärmblitzer zu verzichten.
  • Stattdessen empfiehlt er, künftig digitale Hinweistafeln einzusetzen.
  • Stadtpräsident Robert Raths hält davon nichts.

Seit Jahren fordern Anwohnerinnen und Anwohner strengere Gegenmassnahmen. Doch der Bundesrat hat nun entschieden, auf Lärmblitzer zu verzichten. Stattdessen empfiehlt der Bundesrat, künftig digitale Hinweistafeln einzusetzen, die Autofahrerinnen und Autofahrer auf den Lärm aufmerksam machen.

Stadtpräsident Robert Raths hält davon nichts. «Dieser Vorschlag ist in der Praxis untauglich und könnte gar noch dazu animieren, extra Gas zu geben. Lärmblitzer wären eine Möglichkeit gewesen, die besser funktionieren würde», sagt Raths.

Den Dialog suchen

Der Stadtpräsident sagt, solange Klappenauspuff-Autos importiert werden dürften, würde sich das Problem in Rorschach und anderen Städten ohnehin nicht lösen. «Unsere Seestadt ist scheinbar attraktiv für Autoposer. In meinen Augen ist es pure Idiotie, so durch Rorschach zu fahren und absolut nicht in Ordnung», sagt Raths.

Es habe nichts mehr mit Lebensqualität zu tun, wenn es so laut sei. «Das ist inzwischen in praktisch jeder Stadt ein Problem und ich finde, der Gesetzgeber sollte eingreifen», betont Raths. Man dürfe ja Freude daran haben, sein Auto zu präsentieren, aber bei viel PS sollte man auch die Vernunft walten lassen.

Raths
Stadtpräsident Robert Raths. - pd

«Die sollen doch auf eine Rennstrecke gehen. Es ist schlicht idiotisch, an einem schönen Tag mit einem derart lauten Auto durch die Strassen zu fahren. Ich fahre selbst ein solches Auto, aber ich verstehe die Motivation nicht, so auffallen zu wollen», meint Raths.

Rorschach kämpft seit Jahren intensiv gegen den Motorenlärm an der Hauptstrasse, Raths selbst hat damit nie aufgehört.

«In der Ratskanzlei schreiben ich und eine Mitarbeiterin immer wieder Autonummern auf und wenden uns mit einem Brief an die Fahrer. Der Polizei schicken wir eine Kopie. Wiederholt sich das mit demselben Fahrer, melden wir ihn bei der Polizei. Viel mehr können wir nicht machen», meint Raths.

Er betont, dass die Polizei einen sehr guten Job mache und man gut mit ihnen zusammenarbeite. «Auffällige Autos werden regelmässig herausgezogen. Aber die Polizei hat schlicht nicht die Ressourcen, die Kontrollfrequenz ohne automatische Unterstützung spürbar zu erhöhen», sagt Raths.

Rorschach
Die Hauptstrasse in Rorschach: Jeweils am Wochenende zeigen hier Autoposer aus der ganzen Region ihr Auto und lassen die Motoren des Öfteren laut aufheulen. - Bodensee Nachrichten

Er selbst stellt sich oftmals selbst für ein, zwei Stunden an die Strasse und sucht das Gespräch mit den Autoposern – viele kennen ihn inzwischen. «Einer, der negativ aufgefallen ist, hat mir gegenüber zuerst alles abgestritten. Er fuhr einen schönen Mustang und ich meinte zu ihm, er solle doch anders fahren. Schlussendlich hat er eingesehen, dass es nicht richtig ist und hat sich sogar noch entschuldigt», so Raths.

Natürlich seien nicht alle erfreut, einige würden auch betonen, es gehe ihn nichts an. Der Bund begründet die Absage punkto Lärmblitzern mit technischen Hürden bei der Lärmmessung – wie bewertet Raths dieses Argument angesichts der Tatsache, dass andere europäische Städte solche Systeme bereits erfolgreich testen?

«Ich kann es schon nachvollziehen, technisch muss ein Lärmblitzer so funktionieren, dass man auch sieht, wer gefahren ist. Aber ich verstehe die Alternative mit den digitalen Hinweistafeln nicht, das kann man sich wirklich sparen – das schreckt niemanden ab», ist sich Raths sicher.

Ferrari gelb Rorschach
Die Einwohner von Rorschach SG haben die ständigen Autoposer auf ihren Strassen satt. (Symbolbild) - keystone

Doch wie soll der politische Druck auf Bundesebene jetzt aufrechterhalten werden, nachdem das UVEK den Bericht zu den Lärmblitzern vorgelegt hat? Raths weiss das nicht. «Solange man Klappenauspuff-Autos toleriert und importiert, sehe ich keine Chance auf Besserung. Was sollen wir dennoch machen?»

Rorschach habe so viel mehr zu bieten und er wolle die Stadt nicht immer auf die Autoposer reduziert wissen. «Das ist eine ärgerliche Minderheit, ich sehe nicht ein, warum wir uns das gefallen lassen sollen. Auch jene, die in der Stadt und an der Strasse wohnen, haben die Nase voll davon», sagt Raths.

Er selbst wohnt ebenfalls an der Strasse und weiss, wie laut es werden kann. «Es kam schon mal vor, dass jemand Tomaten nach einem Auto geworfen hat – da hiess es natürlich, das sei verboten, aber es ist halt auch nachvollziehbar», meint Raths. Natürlich sei das nicht zu empfehlen.

«Ich lasse mir das nicht gefallen»

Seiner Ansicht nach wird Rorschach ein Hotspot für Autoposer bleiben, ebenso andere Städte. Niemand würde in einer kleinen Gemeinde seine Runden drehen, die Strassen seien dort in deren Augen zu wenig besiedelt.

«Ich bin vor 40 Jahren selbst mit meinem tollen Auto durch Rorschach gefahren und habe immer gehofft, ich kann am Fussgängerstreifen anhalten», sagt Raths und lacht. Doch er sei immer so gefahren, dass es niemanden ärgert.

Stören dich Autoposer?

«Die Zeiten haben sich seither auch nochmals verändert. Es geht heute noch viel mehr um sehen und gesehen werden. Anwohnerinnen und Anwohner am See fordern seit Jahren Lebensqualität und Nachtruhe zurück» – welche Botschaft hat Raths nun nach diesem Entscheid aus Bern für die betroffene Bevölkerung?

«Wir bleiben dran – ich lasse mir das nicht gefallen, aber wir können leider nicht viel machen. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen», so Raths. Man versuche stets herauszufinden, welche Möglichkeiten es noch gäbe.

Lärmblitzer
Der Bund begründet die Absage punkto Lärmblitzern mit technischen Hürden bei der Lärmmessung. (Symbolbild) - keystone

Nun gelte aber abzuwarten, wie es bei der Änderung des Strassengesetzes weitergehe. Der St. Galler Kantonsrat hat den neunten Nachtrag zum Strassengesetz verabschiedet. Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) Sektion St. Gallen/Appenzell kündigt an, mit Partnerorganisationen das Referendum zu ergreifen.

Die Kritikerinnen und Kritiker bemängeln insbesondere, dass den Gemeinden wichtige Kompetenzen in der Verkehrspolitik entzogen würden.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.

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