St. Galler Kantonspolizei kämpft mit hoher Arbeitsbelastung

Die St. Galler Regierung hat in der Beantwortung auf einen politischen Vorstoss im Kantonsrat erneut auf die gestiegene Belastung bei der Kantonspolizei hingewiesen. Sie führt dabei etwa die vermehrte Rekrutierung von Jugendlichen zu konkreten Delikten übers Internet, Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen und häufige Vermögensdelikte von Asylsuchenden ins Feld.

Am höchsten ist die Kriminalität in der Stadt St. Gallen, wie die Kantonsregierung in einer Antwort auf eine Einfache Anfrage der Mitte-EVP-Fraktion im Kantonsrat schreibt. Ein Anstieg an Straftaten stehe unter anderem im Zusammenhang mit der Droge Crack beziehungsweise «zahlreichen Personen mit ausgeprägter Suchtproblematik». Damit verbunden seien insbesondere Vermögensdelikte zur Finanzierung des Drogenkonsums.
Die Regierung nennt jedoch weitere Ursachen, die die Polizei vor einer Überbelastung warnen lassen. Zur Sprache kommt dabei das Phänomen «Crime-as-a-Service». Über international vernetzte digitale Kanäle werden vermehrt Jugendliche für konkrete Delikte wie Autodiebstähle, Geldabholungen nach Telefonbetrügen oder Einbrüche in Waffengeschäfte rekrutiert.
Im Bereich der Vermögensdelikte treten laut Regierung weiterhin vor allem Asylsuchende aus Maghreb-Staaten in Erscheinung. «Dabei handelt es sich teilweise um hochaktive Täterschaften, die innerhalb kurzer Zeit wiederholt delinquieren und dadurch eine überproportionale Anzahl von Fällen verursachen», heisst es in der Beantwortung.
Gleichzeitig werde die Polizei vermehrt bei Aufgaben wie etwa Hilfeleistungen bei Unglücksfällen, Vermisstensuchen, Überwachung des Verkehrs sowie Aufträge von Verwaltungsorganen und Gerichten beansprucht.
Keine alarmierende Situation
Trotz gestiegener Fallzahlen bei der Polizei sieht die St.Galler Regierung die Kriminalitätsentwicklung im Kanton nicht als alarmierend an. Im gesamtschweizerischen Vergleich weist der Kanton St. Gallen im Jahr 2025 mit 4,94 Straftaten pro 1000 Einwohnenden eine niedrigere Kriminalitätsbelastung als der Durchschnitt von 6,13 auf.
Leicht über dem kantonalen Wert liegt die Polizeiregion Bodensee-Rheintal. Grenznahe Gebiete können laut Regierung für mobile internationale Tätergruppen attraktiv sein, da sie ihnen eine schnelle Fluchtmöglichkeit ins Ausland bieten.
Parlament berät Personalaufstockung
Die Regierung weist darauf hin, dass die Kantonspolizei personell mit der kontinuierlichen Zunahme der Fälle kaum mehr Schritt halten könne. Längere Interventionszeiten und Priorisierungen bei Ermittlungen seien die Folge. Die Schliessung von Personallücken habe daher oberste Priorität.
Geht es nach den Wünschen der St. Galler Regierung, soll die Kantonspolizei in den kommenden zehn Jahren um 240 Vollzeitstellen wachsen. Handlungsbedarf beim Korpsausbau sehen auch die Parteien. Eine entsprechende Vorlage muss noch im Kantonsrat beraten werden.






