Graubünden

    Swissinfo-Abbau: Auch Frau von Nationalrat könnte es treffen

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni

    Engadin,

    Beim Onlineportal Swissinfo der SRG kommt es zu einer Entlassungswelle. Dort arbeitet auch die Ehefrau des Bündner SP-Nationalrats Jon Pult.

    Jon Pult
    Sara Ibrahim bezeichnet sich als Tech- und KI-Journalistin beim Onlineportal Swissinfo. - Screenshot / swissinfo.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Knapp 13 Vollzeitstellen verschwinden bei Swissinfo.
    • Sara Ibrahim, Ehefrau von SP-Nationalrat Jon Pult, arbeitet dort seit 2020.
    • «Wir sollten uns ernsthaft über den Zustand unserer Demokratie Gedanken machen», schreibt sie.

    Die Schweizer Medienbranche erlebt einen schwarzen Herbst. Mitarbeitende von Tamedia legten am Donnerstag in Zürich, Bern und Lausanne für eine Stunde ihre Arbeit nieder. Sie protestierten gegen die 41 Kündigungen, die das Medienhaus Ende Oktober aussprach.

    Inzwischen müssen noch mehr Medienschaffende um ihren Job zittern.

    Am Mittwoch kündigt die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) einen Personalabbau bei Swissinfo an. In zehn Sprachen informiert das Onlineportal im Auftrag von Bundesrat und Parlament das Ausland über die Schweiz. Das fast 30 Jahre alte Angebot richtet sich an Auslandschweizer und ein internationales Publikum.

    Das Portal ist gefragt. Je nach Sprache variiere die Nutzung, sagt SRG-Mediensprecherin Gianna Blum. «Insgesamt ist die Reichweite 2025 um zehn Prozent auf weltweit 48 Millionen Aufrufe gewachsen.»

    «Ich bin zutiefst betroffen»

    Knapp 13 Vollzeitstellen verschwinden bei Swissinfo. Dies bestätigt die Medienstelle der SRG auf Anfrage. 15 Personen sind betroffen.

    Auch die Ehefrau des Bündner SP-Nationalrats Jon Pult dürfte zittern. An seiner Seite trat sie anlässlich seiner Bundesratskandidatur 2023 öffentlich auf.

    Macht dir der Stellenabbau in den Medien Sorgen?

    Sara Ibrahim arbeitet seit 2020 für das Portal. «Ich analysiere die Risiken, Chancen und konkreten Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die Gesellschaft und das tägliche Leben.» Dies steht in ihrem Autorenprofil.

    Sie übersetze die Komplexität von Wissenschaft und Technologie in Geschichten, die ein globales Publikum ansprächen, führt Ibrahim aus. Auf dem Business-Netzwerk Linkedin bezeichnet sie sich als «Tech/AI Journalist».

    «Ich bin zutiefst betroffen, zu sehen, wie Ressourcen für Qualität und unabhängigen Journalismus in der ganzen Schweiz schrumpfen.» Dies schreibt sie am Donnerstag auf Linkedin. «Wir sollten uns ernsthaft über den Zustand unserer Demokratie Gedanken machen.»

    Jon Pult: Stellungnahme wäre nicht glaubwürdig

    Ende Oktober veröffentlichte das Forschungszentrum für Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich das «Jahrbuch Qualität der Medien». Sara Ibrahim erinnert in ihrem Post daran, dass Swissinfo als qualitativ hochwertigstes Onlinemedium der Schweiz eingestuft wurde.

    Die Journalistin will sich auf Anfrage nicht zu Fragen rund um den Stellenabbau äussern. Sie begründet dies mit der «schwierigen und sensiblen Situation, in der wir uns derzeit befinden».

    Jon Pult ist bekannt als Medienpolitiker. Er engagierte sich im Kampf gegen die «SRG-Initiative» und für das Mediengesetz. Dieses lehnte das Stimmvolk 2022 ab.

    Jon Pult
    SP-Nationalrat Jon Pult verzichtet auf eine Stellungnahme, da seine Frau bei Swissinfo arbeitet. - Nau.ch

    Die Vorlage forderte, dass Medienhäuser zusätzlich mit bis zu 151 Millionen Franken mehr im Jahr unterstützt werden. Der Bundeshaushalt und die Radio- und Fernsehabgaben an Serafe hätten das Paket finanziert.

    Jon Pult will den Stellenabbau bei Swissinfo nicht kommentieren. Da seine Frau dort arbeite, wäre eine Stellungnahme seinerseits nicht glaubwürdig, sagt er.

    «Steht nicht in Zusammenhang mit KI»

    Tamedia begründet den Stellenabbau mit dem verstärkten Einsatz von KI. Diese soll bei den Entlassungen von Swissinfo keine Rolle spielen.

    «Gerne halten wir fest, dass dieser Personalabbau nicht in einem Zusammenhang mit KI steht», sagt SRG-Mediensprecherin Gianna Blum. Vielmehr ergebe sich der Abbau aus dem Sparbedarf und der nun vom Bundesrat verabschiedeten neuen Leistungsvereinbarung. In dieser falle unter anderem das Angebot in den Sprachen Portugiesisch und Japanisch weg.

    KI kommt aber auch bei Swissinfo zum Einsatz. Dies sei insbesondere bei Routinearbeiten der Fall, sagt Gianna Blum. Dies solle die Aufbereitung und Veröffentlichung von Inhalten erleichtern. «Dadurch gewinnen die Mitarbeitenden Zeit für andere Aufgaben.»

    Ziel bleibe, die Ressourcen der Mitarbeitenden gezielt für das publizistische Kerngeschäft einzusetzen. «Dort, wo journalistische, kreative und fachliche Kompetenz den entscheidenden Unterschied macht.»

    Kommentare

    User #2839 (nicht angemeldet)

    Da wird über Gebüren abgestimmt, sodass Medien überleben und kaum ist die BILLAG im Trockenen, schmeissen genau diese Medienhäuser ihre Leute raus. Feine Sozis.

    User #6403 (nicht angemeldet)

    Rösti ist sooo destruktiv!

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