Vom FC Wil nach Holland: Das Fussball-Märchen des Jean-Paul N’Djoli

Wil,
Im Sommer wechselte Jean-Paul N’Djoli vom FC Wil zu Heracles Almelo nach Holland. Dort schreibt der Kongolese jetzt an einem kleinen, modernen Fussball-Märchen.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine scheinbar gescheiterte Karriere ist auf dem besten Wege zu einem kleinen Fussball-Märchen.
- Jean-Paul N'Djoli stand 2021 kurz vor dem Rücktritt – dann gelang in der Schweiz der Durchbruch.
- Über den FC Wil spielte sich der Kongolese nach Holland, dort steigt er zum gefragten Mann auf.
Die Karriere von Jean-Paul N’Djoli ist eine recht ungewöhnliche: Vor fünf Jahren stand der in Frankreich geborene Kongolese scheinbar kurz vor dem Durchbruch. Damals holte LaLiga-Aufsteiger Rayo Vallecano den 20-Jährigen von seinem Jugendklub Évreux in die B-Mannschaft.
Doch der Wechsel wurde zum Fehlgriff, nach nur zwei Monaten trennte man sich wieder. «Am Ende bin ich dem Klub vor Gericht gegenüber gestanden», schildert der Kongolese gegenüber «NOS».

Es folgten Stationen bei Hércules Alicante, Alcoyano, Atlético Sagutino und Badalona Futur. Aber nirgendwo konnte sich der in Sèvres geborene Stürmer durchsetzen. Und auch in seiner Heimat Frankreich fand N’Djoli keinen neuen Klub, selbst in der vierten Liga blitzte er ab. «Ich dachte daran, aufzuhören», gibt er zu.
Schweizer Spielerberater als Karriere-Neustart
Die Rettung kam in Form eines Schweizer Spielerberaters: Der Zürcher Nico Hofer vermittelte N’Djoli über seine Agentur Playpool in die Schweiz. «Er sagte zu mir: Wenn du in die Schweiz kommst, kannst du einen weiteren Schritt machen», blickt N’Djoli zurück.
Also unterschrieb er Anfang 2025 beim FC Langenthal in der 1. Liga Classic, steuerte drei Treffer in 14 Einsätzen bei. Sechs Monate später holte ihn der SC Brühl in die Promotion League – und N’Djoli schlug ein: Zwölf Treffer und fünf Assists in 16 Einsätzen öffneten nach einem halben Jahr die Tür zum FC Wil.

Auch bei den Äbtestädtern spielte der Mittelstürmer nur ein halbes Jahr in der Challenge League. Trotzdem reichte es für fünf Treffer in 15 Einsätzen für den FC Wil – und den nächsten Schritt: Im Sommer 2026 holt Heracles Almelo den Kongolesen in die zweite holländische Liga.
Vom FC Wil zum Top-Torjäger in Holland
Gefunden hatte der Eredivisie-Absteiger den 26-Jährigen über den Daten-Analysedienst «Jamestown Analytics». Eingefleischte Fussball-Fans kennen diesen Namen: Der Premier-League-Tabellendritte Brighton verlässt sich ebenso auf diesen Anbieter wie Belgiens Spitzenklub Union Saint-Gilloise.

Und das Vertrauen von Heracles Almelo zahlt der Kongolese zurück: In 14 Einsätzen in der zweiten holländischen Liga stehen zwölf Treffer und vier Assists zu Buche. Der Klub führt die zweite Liga mit vier Punkten Vorsprung auf VVV-Venlo an.
«So viel hätte ich nicht erwartet, aber jetzt möchte ich Torschützenkönig werden», so der Senkrechtstarter ambitioniert. «Und wir müssen Meister werden. Darauf hoffe ich auch, denn ich habe noch nie einen Titel gewonnen.»

Sein Marktwert ist in Holland längst explodiert, die Formkurve zeigt weiter steil nach oben. So steil, dass der Ex-Torjäger des FC Wil sogar von einer internationalen Zukunft träumt. «Ich möchte in der Champions League spielen und es in die kongolesische Nationalmannschaft schaffen», hofft er.









