St. Gallen will Strassenbeleuchtung schon um 22 Uhr abschalten

Der St. Galler Stadtrat will mit kürzerer Strassenbeleuchtung jährlich 38'000 Franken sparen. Doch Sicherheitsbedenken sprechen gegen die Pläne.

Das Wichtigste in Kürze
- Der St. Galler Stadtrat möchte die Strassenbeleuchtungs-Dauer reduzieren, um jährlich 38‘000 Franken einzusparen.
- Doch die Sicherheitsbedenken sind gross.
- Statt einer Einschränkung soll die dynamische Beleuchtung vorangetrieben werden.
Heute wird in St. Gallen wie in vielen anderen Städten die öffentliche Beleuchtung von 24 bis 5.30 Uhr ausgeschaltet. Die Abschaltung soll gemäss dem Entlastungspaket «Alliance» von Sonntag bis Donnerstag von 22 bis 5.30 verlängert werden.
Freitag und Samstag soll die heutige Regelung beibehalten werden, da sich an diesen Tagen viele Personen bis spät in der Nacht draussen aufhalten.
Im Lichtkonzept vorgeschlagen
Die Idee, in St. Gallen kürzere Beleuchtungszeiten als heute festzulegen, ist nicht neu. Im Entwurf zum Lichtkonzept ist zu lesen, dass für alle Kategorien Betriebs- und Ausschaltzeiten festgelegt werden sollen.
Die Ausschaltzeiten sollen ab 22 und 23 Uhr und bis 6 und 7 Uhr morgens dauern. Eine Ausnahme bilden nach dem Lichtkonzept der Bahnhofplatz, der Kornhausplatz und der Marktplatz, die nur zwischen 0.30 und 5.30 Uhr dunkel sein werden.
Daher stellt der Stadtrat fest, dass die vorgesehene Sparmassnahme den Vorschlägen im Lichtkonzept entspricht. Es verfolgt das Ziel, Lichtimmissionen zu reduzieren.
Doch im Lichtkonzept ist auch zu lesen, dass bei allen Einschränkungen die Prämisse gilt, die Verkehrssicherheit und das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung an zentralen Knotenpunkten, Fussgängerstreifen und Hauptverkehrsachsen zu gewährleisten.
«Die Reduktion des Lichts erfolgt daher differenziert nach Strassentypen und Nutzungszeiten. In Wohnquartieren setzt die Stadt zunehmend auf Leuchten mit Bewegungsmeldern. Das Licht wird erst hochgefahren, wenn sich Fussgänger oder Velofahrer nähern und fällt dann sofort in den Sparmodus.»

Die SVP der Stadt St. Gallen kritisiert das Lichtkonzept in ihrem Internet-Auftritt «Inside Waaghaus» stark, da viel Bürokratie befürchtet wird.
Die vorherrschenden Lösungen
In den Städten wird heute meist die Abschaltung ab Mitternacht bis fünf Uhr morgens vorgenommen. Vermehrt werden dynamische Leuchtungssysteme benutzt.
In Luzern wird auf vielen Quartierstrassen, Velo- und Fusswegen in der Nacht dynamisch und bewegungsabhängig gedimmt. An zentralen, verkehrsberuhigten Achsen, Hauptverkehrsstrassen sowie Fussgängerstreifen bleibt die Beleuchtung die ganze Nacht hindurch in Betrieb, wird jedoch in den verkehrsarmen Stunden gedimmt.
Chur GR hat die öffentliche Beleuchtung vollständig auf moderne LED-Technik umgestellt. Aus Sicherheitsgründen wird auf eine vollständige nächtliche Abschaltung der Strassenlaternen verzichtet. Die Lichtstärke wird in den späten Nachtstunden aber flächendeckend elektronisch abgesenkt. So wird Energie gespart, ohne dass komplett unbeleuchtete Dunkelzonen entstehen.

In Winterthur wird die öffentliche Beleuchtung mit einem Dämmerungssensor automatisch eingeschaltet. Von 22 Uhr bis 5 Uhr wird jede zweite Leuchte komplett ausgeschaltet. Moderne LED-Leuchten werden in den Nachtstunden bis zu 30 Prozent gedimmt.
Allgemein sind flexible Lösungen im Vormarsch. St. Gallen hat hier an einzelnen Orten gute Erfahrungen gemacht, wie die Stadt bekannt gegeben hat.
Ein wegweisendes Pionierprojekt ist bereits 2014 an der Demutstrasse in Betrieb genommen worden. Integrierte Detektoren und Bewegungssensoren erfassen herannahende Verkehrsteilnehmer (Autos, Velos und Fussgänger) frühzeitig. Das Licht «wandert» mit dem Verkehrsteilnehmer mit.
60 intelligente LED-Strassenleuchten wurden auch an der Oberstrasse eingesetzt. An der Hüttenwiesstrasse gibt es ebenfalls ein dynamisches System.
Es stellt sich damit die Frage, ob die Stadt nicht viel intensiver von starren Regelungen wegkommen sollte, was natürlich hohe Investitionen erforderlich macht.
Petition in Teufen
Es steht fest, dass es in St. Gallen auch unter der Woche viele Veranstaltungen gibt, die abends nach zehn Uhr enden und zu einem Sicherheitsmangel führen, da viele Personen auf dem Heimweg dunkle Strecken zurücklegen müssen.
Daher ist weitere Kritiken zu erwarten wie in Meisterschwanden AG, wo die Strassenbeleuchtung nachts schon nach wenigen Monaten wieder eingeschaltet wurde.
In Teufen AR wurde 2012 entschieden, die Strassenbeleuchtung ausserhalb des Baugebietes komplett abzuschalten, was eine Petition mit 577 Unterschriften auslöste. Nach starker Opposition wurde dieser Beschluss rückgängig gemacht.
2022 wurde die Abschaltung zur Energieeinsparung von 0.30 Uhr bis fünf Uhr auf 23 Uhr bis fünf Uhr ausgeweitet mit Sonderregelungen am Wochenende. Heute besteht ein flexibles System mit 770 LED-Leuchten, womit der Stromverbrauch um 33 Prozent gesenkt werden konnte. Damit wird sowohl dem Sicherheitsbedürfnis sowie den Spar- und Umweltzielen Rechnung getragen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.







