Frauenfeld TG: Volk soll über Zukunft der Stadtkaserne abstimmen

In Frauenfeld TG soll die Bevölkerung über das Projekt «Markt Thurgau Stadtkaserne» entscheiden. Der Kanton sichert 20 Millionen Franken Fördermittel zu.

Die Stadtkaserne soll als lebendiger Treffpunkt mit Ausstrahlung über Frauenfeld hinaus weiterentwickelt werden. Für das Projekt «Markt Thurgau Stadtkaserne» sieht die unterzeichnete Fördervereinbarung 20 Millionen Franken kantonale Fördermittel aus dem Erlös des Börsengangs der Thurgauer Kantonalbank vor – vorausgesetzt, die Stadt investiert ihrerseits 16 Millionen Franken aus dem Finanzvermögen. Über die Umsetzung des Projekts soll die Bevölkerung in einer Volksabstimmung befinden.
Dazu legt der Stadtrat dem Gemeinderat nächstes Jahr eine Botschaft vor. Die Zwischennutzung in der Stadtkaserne geht wie geplant weiter.
Über 160 Jahre lang war die Stadtkaserne der Armee vorbehalten. Seit die Stadt sie Anfang 2024 übernommen hat, ist das Areal für die Bevölkerung offen. Die Pioniernutzenden und zahlreiche Veranstaltungen beleben seither die Stadtkaserne. Neue Unternehmen und Arbeitsplätze sind entstanden.
Mit dem «Markt Thurgau Stadtkaserne» wird diese Entwicklung langfristig weitergeführt. Vorgesehen ist, bisher nicht nutzbare Gebäudeteile zu sanieren und zu erschliessen.
Dabei bleibt der historische Charakter des denkmalgeschützten Areals erhalten.
Das Areal soll zum Schaufenster für Thurgauer Produkte, Dienstleistungen und Ideen werden. Vorgesehen sind Flächen für Büro- und Meetingräume, Verkaufsräume, Gastronomie, Beherbergung, Betreuungsangebote, Praxis-, Schulungs- und Vereinsräume sowie Veranstaltungen. In der Doppelreithalle sollen künftig Veranstaltungen mit bis zu 2’000 Personen möglich sein.
Ein neuer Durchgang von der Bahnhofsseite her öffnet das Areal zusätzlich. Die Angebote sollen die Stadtkaserne zu einem Anziehungspunkt mit überregionaler Ausstrahlung machen.
Jeder investierte Franken wirkt langfristig
Die Gesamtinvestitionen für den «Markt Thurgau Stadtkaserne» betragen gemäss aktueller Planung 38,6 Millionen Franken. Die Stadt konnte mit dem Förderverein «pro Thurgau» die Fördervereinbarung abschliessen. Damit ist der im Rahmen der kantonalen Volksabstimmung vom 18. Juni 2023 bewilligte Förderbeitrag von 20 Millionen Franken aus dem TKB-Agio an den ‹Markt Thurgau Stadtkaserne› vollständig zugesichert.
Der kantonale Beitrag setzt voraus, dass die Stadt ihrerseits 16 Millionen Franken investiert. Darüber hinaus wird mit kantonalen Beiträgen für den Natur- und Heimatschutz von rund 2,6 Millionen Franken gerechnet. Mit den Fördermitteln lässt sich mehr als die Hälfte der geplanten Investitionen finanzieren.
Die Einnahmen sollen die Investitionen der Stadt langfristig amortisieren. Ziel ist ein kostendeckender Betrieb.
Frauenfeld entscheidet mit
Die Stadtkaserne befindet sich im Finanzvermögen der Stadt. Über Ausgaben für die Stadtkaserne entscheidet der Stadtrat abschliessend. Die Entwicklung des Areals wird Frauenfeld für die nächsten Jahrzehnte prägen und ist sowohl für die Stadtentwicklung als auch finanziell von Bedeutung.
Dem Stadtrat ist es deshalb ein Anliegen, das Projekt «Markt Thurgau Stadtkaserne» breit abzustützen und dem Gemeinderat sowie der Stimmbevölkerung zum Entscheid vorzulegen – auch wenn dies finanzrechtlich nicht notwendig wäre. Die konkrete Ausgestaltung der Abstimmungsvorlage wird im Rahmen der Botschaft an den Gemeinderat erarbeitet.
Umzonung notwendig
Der «Markt Thurgau Stadtkaserne» verbindet Angebote für Kultur und Vereine mit Büro- und Gewerbeflächen. Die Stadtkaserne liegt heute in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Gewerbenutzungen sind dort im geplanten Umfang nicht vorgesehen. Deshalb ist eine Umzonung erforderlich.
Die Stadt hatte die notwendige Zonenplanänderung frühzeitig in Angriff genommen. Mit der Umzonung wäre jedoch eine Mehrwertabgabe in Millionenhöhe verbunden gewesen. Gleichzeitig beriet der Grosse Rat eine Änderung des kantonalen Planungs- und Baugesetzes, die einen Wegfall dieser Abgabe unter anderem für politische Gemeinden ermöglichen sollte.
Der Stadtrat beschloss deshalb, diese Gesetzesänderung zunächst abzuwarten. Um möglichst rasch ein baureifes Projekt zu haben und somit eine Voraussetzung für die Auszahlung der Fördergelder zu erfüllen, reichte die Stadt im Sommer 2026 ein Baugesuch auf Grundlage der bestehenden Zone ein und beantragte eine Ausnahmebewilligung.
Gegen das Baugesuch gingen drei Einsprachen ein, welche vor allem die Zonenkonformität in Frage stellten. Die erneute rechtliche Beurteilung zeigte, dass eine Ausnahmebewilligung vom Zonenzweck geringe Erfolgsaussichten hat. Der Stadtrat treibt deshalb zuerst die Zonenplanänderung weiter voran. Das aktuelle Baugesuch wird zurückgezogen.
Zwischennutzung geht weiter
Der Stadtrat wird nun zwei separate Botschaften erarbeiten, die er dem Gemeinderat vorlegen wird: die Zonenplanänderung und die Vorlage zum «Markt Thurgau Stadtkaserne» mit dem Vorschlag für die Durchführung einer Volksabstimmung. Die Behandlung im Gemeinderat ist im ersten Halbjahr 2027 vorgesehen, die mögliche Volksabstimmung zum «Markt Thurgau Stadtkaserne» in der zweiten Jahreshälfte.
Die heutige, erfolgreiche Zwischennutzung in der Stadtkaserne ist vom Rückzug des Baugesuchs nicht betroffen. Sie geht wie geplant weiter. Bis im Frühling 2027 können weitere Räume für Zwischennutzungen nutzbar gemacht werden.








