Andreas Sigrist (EDU): «Wir brauchen nicht mehr Tempo, sondern Ruhe»

    Andreas Sigrist
    Andreas Sigrist

    Münchwilen,

    Der Thurgauer Kantonsrat Andreas Sigrist (EDU) spricht sich im Gastbeitrag für ein Nein zur Lockerung des Ruhetagsgesetzes aus.

    Andreas Sigrist Porträtfoto EDU
    Andreas Sigrist ist EDU-Kantonsrat im Thurgau. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Thurgauer Bevölkerung entscheidet bald über die Lockerung des Ruhetagsgesetzes.
    • Doch statt mehr Konsumangeboten bräuchte es Zeit zur Besinnung, so Andreas Sigrist (EDU).
    • Im Gastbeitrag empfiehlt der Kantonsrat ein Nein zur Lockerung – «aus Liebe zum Leben».

    Der Thurgauer Souverän entscheidet bald über die Lockerung des Ruhetagsgesetzes. Eine Mehrheit des Grossen Rates will neue Öffnungen, eine Minderheit hat dagegen das Behördenreferendum ergriffen – dafür bin ich dankbar.

    In einer Zeit permanenter Aktivität und psychischer Belastungen brauchen wir nicht mehr Tempo, sondern Ruhepunkte.

    Gesundheit Aargau
    Der Mensch braucht Ruhe. (Symbolbild) - Depositphotos

    Viele sind erschöpft, verlieren die Verbindung zu sich selbst und zu anderen. Sie brauchen nicht zusätzliche Konsumangebote, sondern Zeit zur Besinnung.

    Unsere Feiertage sind mit Bedacht gesetzt. Manche haben bewusst einen zweiten Ruhetag: Ostermontag, Pfingstmontag, Stephanstag. Dahinter steht das Verständnis: Der Mensch braucht Ruhe.

    Nein zur Lockerung – aus Liebe zum Leben

    Ein Ruhetag ist kein Relikt, sondern ein Schutzraum für das Wesentliche: Beziehungen, Stille, Gemeinschaft, Glaube, Reflexion. Wer ihn bewahrt, schützt nicht Traditionen, sondern das Menschsein.

    Es geht nicht um Bevormundung. Niemand soll gezwungen werden, den Sonntag in bestimmter Weise zu gestalten.

    Aber es braucht geschützte Räume, die nicht dem Markt unterworfen sind. Freiheit bedeutet nicht ständige Verfügbarkeit – sie braucht Grenzen, die den Menschen schützen, auch vor sich selbst.

    Natürlich gibt es Bereiche, die auch an Ruhetagen funktionieren müssen. Doch sie sollen Ausnahme bleiben. Die freie Zeit darf nicht zur Reservefläche für kommerzielle Interessen werden.

    Wie stehst du zur Lockerung des Ruhetagsgesetzes?

    Darum empfehle ich ein Nein zur Lockerung – nicht aus Sturheit, sondern aus Liebe zum Leben.

    ***

    Zum Autor: Andreas Sigrist (*1962) ist EDU-Kantonsrat im Thurgau.

    Kommentare

    User #1013 (nicht angemeldet)

    Danke Herr Sigrist. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.

    User #2973 (nicht angemeldet)

    Alles ist auf Konsum aus. Immer mehr und noch mehr. Und das mit immer weniger Geld, das einem zur Verfügung steht. Die wollen, dass wir gar nicht mehr zum Denken kommen.

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