Graubünden

Graubünden bessert nach den schweren Unwettern im Misox GR nach

Keystone-SDA Regional
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Chur,

Zwei Jahre nach den schweren Überschwemmungen im Misox kommt eine kantonale Analyse zum Schluss: Trotz der verheerenden Schäden war das Unwetter vom Juni 2024 statistisch gesehen weder extrem noch aussergewöhnlich. Der Kanton zieht dennoch Konsequenzen und investiert Millionen in neue Schutzprojekte.

Ein Unwetter im Misox hat am 21. Juni 2024 massive Schäden verursacht. In Sorte (im Bild) wurden mehrere Häuser schwer beschädigt. (Archivbild)
Ein Unwetter im Misox hat am 21. Juni 2024 massive Schäden verursacht. In Sorte (im Bild) wurden mehrere Häuser schwer beschädigt. (Archivbild) - KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER

Am Freitagabend des 21. Juni 2024 kam es nach 18 Uhr aufgrund heftiger Gewitter zu weiträumigen Überschwemmungen im Misox GR. Die Abflussmenge des Flusses Moesa, gemessen an der Station Lumino, stieg von 50 auf über 600 Kubikmeter pro Sekunde.

Die Kraft des Wassers riss rund 200 Meter der Autobahn A13 zwischen Soazza und Lostallo weg, während in Sorte drei Häuser und drei Fahrzeuge mitgerissen wurden. Mehrere dutzend Personen mussten evakuiert werden. Das Unwetter forderte zwei Todesopfer, eine Person gilt nach wie vor als vermisst. Die geschätzten Schäden belaufen sich auf rund 84 Millionen Franken.

Trotz der Schwere der Folgen stuft die kantonale Analyse, die das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Graubünden am Dienstag veröffentlichte, das Ereignis aus statistischer Sicht nicht als extrem oder aussergewöhnlich ein: Intensität, Ausmass und die beobachteten Prozesse werden als vergleichbar mit dokumentierten historischen Ereignissen angesehen.

Dem Bericht des Amtes für Wald und Naturgefahren zufolge zeigten die vor dem Hochwasser gültigen Gefahrenkarten die gefährdeten Gebiete im Allgemeinen korrekt auf. In über 80 Prozent der untersuchten Bäche lagen die tatsächlich betroffenen Flächen innerhalb der bereits identifizierten Gefahrenzonen.

Weniger präzise erwiesen sich die Einschätzungen hingegen bezüglich der Intensität der Phänomene, der durch Murgänge transportierten Materialmengen und des Zusammenspiels der verschiedenen Naturprozesse.

Die Studie verdeutlicht auch die Grenzen, die bei einigen Schutzbauten auftraten, die nach dem vorherigen Hochwasser von 1978 errichtet worden waren. In mehreren Fällen wurden die Auffangbecken und Rückhaltebauwerke von den im Juni 2024 in Bewegung geratenen Geschiebemassen ausgefüllt oder überlastet.

Als Folge der Katastrophe wurden die Naturrisiken im gesamten Tal neu bewertet. «Für Lostallo ist die neue Gefahrenkarte bereits fertiggestellt», erklärte Luca Plozza vom Amt für Wald und Naturgefahren gegenüber Keystone-SDA. Die Aktualisierung betrifft alle Bäche zwischen San Vittore und Mesocco sowie den Abschnitt der Moesa zwischen den beiden Gemeinden. Laut Plozza sollen die Arbeiten für das gesamte Misox bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Parallel dazu laufen die Wiederherstellungs- und Schutzmassnahmen weiter. Laut einer aktuellen Tabelle des Kantons, die Keystone-SDA vorliegt, übersteigen die Kosten für Schutzbauten, Infrastruktur, Strassen, landwirtschaftliche Flächen und Gutachten aufgrund dieses Ereignisses die Summe von 60 Millionen Franken. Bezieht man Gebäude und Wasserkraftanlagen mit ein, betragen die Schäden rund 84 Millionen Franken.

Zu den wichtigsten Massnahmen gehört das Schutzprojekt für den Weiler Sorte. Der Ablenkdamm gegen die Murgänge des Rià de la Molera ist mit rund 8,5 Millionen Franken veranschlagt. Das Projekt wurde ausgearbeitet und soll in diesem Jahr die Genehmigung von Kanton und Bund erhalten; anschliessend muss sich die Gemeinde Lostallo zu dem verbleibenden Kostenanteil äussern, den sie zu tragen hat.

Bei einem reibungslosen Ablauf ist der Baubeginn für November 2026 geplant. Gemäss der aktualisierten Kostentabelle stehen zudem noch Beiträge von rund zwei Millionen Franken für noch hängige Verfahren im Zusammenhang mit den beschädigten Gebäuden in Sorte aus.

«Die Analyse zeigt deutlich, dass die Naturgefahren im Misox ein erhebliches Risiko bleiben und sich durch die klimatischen Veränderungen weiter verschärfen können», bilanziert das kantonale Amt. Die aus der Analyse resultierenden Empfehlungen betreffen unter anderem eine bessere Berücksichtigung der Vorfeuchte und der Schneeschmelze sowie eine präzisere Abschätzung von Murgängen. Zudem beabsichtigt der Kanton, die vorausschauende Planung von Ressourcen, Deponieraum und der Krisenkommunikation zu verstärken.

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