St. Galler Bischof stellt sich gegen umstrittene Gemeinschaft

Nach schweren Vorwürfen wird die Schwesterngemeinschaft Maria Stella Matutina nicht wie geplant in das Kloster Wonnenstein bei Teufen AR einziehen. Der St. Galler Bischof Beat Grögli hat sich gegen die Ansiedlung der Schwestern im Appenzellerland ausgesprochen.

Sexueller Missbrauch, mangelnde spirituelle Begleitung oder sektenähnliche Zustände: Die Vorwürfe, die teils seit Jahren an die Gemeinschaft Maria Stella Matutina mit Sitz in Italien gerichtet werden, wiegen schwer. Zusammengetragen wurden sie beispielsweise in einem Artikel des Online-Portals kath.ch, kurz nachdem der Verein Kloster Maria Rosengarten Wonnenstein Ende November in einer Mitteilung angekündigt hatte, dass die Gemeinschaft im Advent 2026 in das Kloster bei Teufen einziehen soll.
Jetzt stellt sich das Bistum St. Gallen, das im Verein Einsitz hat, gegen dieses Vorhaben. Der St. Galler Bischof Beat Grögli habe nach «eingehender Prüfung neuer Informationen im Zusammenhang mit der Vorgeschichte» der Gemeinschaft Maria Stella Matutina entschieden, dass die Schwestern nicht ins Kloster im Appenzellerland einziehen werden. Dies heisst es in einer Mitteilung des Bistums vom Mittwoch.
Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA nannte Bischof Beat Grögli konkrete Punkte, die zum Entscheid führten: «Die Vorgängergemeinschaft von Maria Stella Matutina geht zurück auf den französischen Pater Marie-Dominique Philippe. Ein mittlerweile verstorbener Pater, der nachweislich ein Missbrauchstäter war», führte Grögli aus.
Zwar sei Maria Stella Matutina nicht von diesem Pater gegründet worden. Dennoch fehle der jetzigen Gemeinschaft «eine klare Distanzierung» von der vormaligen Gründergeneration rund um Marie-Dominique Philippe, sagte Grögli weiter.
«Uns stellte sich die Frage, ob die Gemeinschaft Maria Stella Matutina ihre Geschichte angemessen aufgearbeitet hat. Daran haben wir grosse Zweifel», fasste der St. Galler Bischof die Bedenken zusammen. Diese Zweifel hätten sich insbesondere während Kontakten mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der französischen Kirche bestätigt.
Ein abschliessendes Urteil über die Gemeinschaft müsse er nicht fällen. «Ich bin aber der Meinung, eine Ansiedlung von Maria Stella Matutina im Bistum vor diesem Hintergrund ist mit einem grossen Risiko verbunden. Und dieses Risiko bin ich nicht bereit einzugehen», so Grögli weiter.
Damit werden in das Kloster Wonnenstein auf absehbare Zeit voraussichtlich keine neuen Schwestern einziehen, nachdem mit Schwester Scolastica Ende 2025 die letzte Nonne das Kloster verlassen hatte. Dieser «Marschhalt» bringe auch viel Enttäuschung mit sich, so Beat Grögli. Zieht dennoch bald eine neue Gemeinschaft in das Kloster ein? «Unser Ziel ist es, dass das Kloster ein spiritueller Ort bleibt. Eine neue Gemeinschaft zu finden ist allerdings ausserordentlich anspruchsvoll.»
Der Verein Kloster Maria Rosengarten Wonnenstein, der sich für die Weiterführung des bestehenden Kapuzinerinnenklosters einsetzt, äusserte sich in einem Communiqué zum Entscheid des Bischofs. Der Verein anerkenne, dass gemäss den Statuten die kirchliche und spirituelle Verantwortung für eine religiöse Gemeinschaft im Kloster Wonnenstein beim zuständigen Bischof liege. Die Situation werde nun neu beurteilt und die «daraus erforderlichen Anpassungen» vorgenommen.
Die Gemeinschaft Maria Stella Matutina äusserte sich gemäss dem Bistum St. Gallen in einer Stellungnahme, dass eine Ansiedlung nur auf Basis «gegenseitigen Vertrauens und in einer wohlwollenden Atmosphäre» möglich sei. Auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA reagierte die Schwesterngemeinschaft bis Redaktionsschluss nicht. Gegenüber dem Online-Portal kath.ch hatte eine ihrer Vertreterinnen die Vorwürfe einer ehemaligen Novizin, die einen Mangel an spiritueller Begleitung, Abschottung und eine sektiererische Haltung beklagt hatte, als «Verleumdung» zurückgewiesen.






