Markus Ritter: «Frauen haben tragende Rolle in der Landwirtschaft»

«Die Zukunft unserer Landwirtschaft wird noch viel stärker vom weiblichen Geschlecht geprägt sein», schreibt Markus Ritter in seiner Kolumne.

Das Wichtigste in Kürze
- Markus Ritter ist gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.
- Auf Nau.ch schreibt der Mitte-Nationalrat regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt Ritter über das Uno-Jahr der Landwirtin.
Wer heute eine Frau auf einem Landwirtschaftsbetrieb sieht, darf nicht mehr – fast automatisch – nach dem Chef fragen. Denn: Immer häufiger hat man die Chefin bereits vor sich.
Ohne Frauen gab es noch nie eine gut funktionierende Landwirtschaft. Schon immer arbeitete üblicherweise die ganze Familie auf einem Bauernhof mit. Diese typischen Familienbetriebe konnten wir bis heute in der Schweiz erhalten.
Frauen haben tragende Rolle
Die Frauen übernahmen dabei, neben der Mithilfe im Stall oder auf dem Feld, die Verantwortung für Haushalt und Kinder auch unverzichtbare Arbeiten wie die Verpflegung der Arbeitskräfte oder in jüngerer Zeit die Buchhaltung und andere administrative Arbeiten.
Nicht selten verbessern sie das Familieneinkommen mit Direktvermarktung, anderen agrotouristischen Angeboten – oder einer auswärtigen Anstellung.

Internationales Jahr der Landwirtinnen
Aber dennoch waren es früher meist die Männer, welche die Betriebe übernahmen und damit auch leiteten.
Nebst sozialer Prägung und Tradition lag das auch daran, dass die Arbeit auf den Bauernhöfen körperlich anspruchsvoll war. Und zum Teil viel Kraft verlangte.
Heute sind die Höfe gut mechanisiert, immer öfter sogar automatisiert. Und die Anzahl der Betriebsleiterinnen nimmt laufend zu.
Die Uno will diese Entwicklung weiter fördern, indem sie das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Landwirtin und der Frauen in der Landwirtschaft erklärt hat.
Immer mehr Betriebe in Frauenhand
Aktuell sind es acht Prozent der Bauernhöfe, die offiziell in Frauenhand sind.
Dass die Landwirtschaft der Zukunft aber noch viel stärker vom weiblichen Geschlecht geprägt sein wird, zeigen die Zahlen bei der landwirtschaftlichen Ausbildung. Rund ein Viertel der Lernenden sind unterdessen Frauen.
Als Präsident des Schweizer Bauernverbands sehe ich mit Freude, wie viele junge Frauen heute mit Begeisterung eine landwirtschaftliche Ausbildung beginnen.
Erstmals war 2025 mit Melanie Ackermann eine junge Landwirtin an den nationalen Berufsmeisterschaften, den «SwissSkills», die Beste ihres Berufs.

Mehr als eine symbolische Geste
Mit der Zunahme der Frauen als Betriebsleiterinnen steigt auch der Frauenanteil in den landwirtschaftlichen Organisationen. Das ist ebenfalls erfreulich!
Das Uno-Jahr der Landwirtin ist mehr als eine symbolische Geste. Es ist ein Aufruf!
Hinter jedem landwirtschaftlichen Betrieb stehen Menschen. Menschen, die mit Leidenschaft und Kompetenz für die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit lokal produzierten Lebensmitteln hart arbeiten. Unabhängig ihres Geschlechts.
Zum Autor:
Markus Ritter (58) ist Nationalrat (Die Mitte) und gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.





