Bilder zeigen tiefen Bodensee-Pegel: Es fehlen 550 Mrd. Liter Wasser

Eine grobe Rechnung zeigt, dass der Bodensee aktuell rund 550 Milliarden Liter Wasser weniger fasst als üblich. Boote liegen auf Grund und Pflanzen sterben.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Bodensee fehlen nach langer Trockenheit rund 550 Milliarden Liter Wasser.
- Zahlreiche Boote liegen am Ufer des Bodensees auf trockenem Boden.
- Zudem sterben Pflanzen ab. Fische jedoch können in tieferen Stellen überleben.
Seit Monaten hat es kaum geregnet – nach dem Sommer ist auch der Herbst ist bisher trocken. Der für morgen Donnerstag angesagte Regen wird kaum für grosse Entspannung sorgen. Schon am Wochenende soll es erneut trocken und wärmer werden.
Die vielen Tage ohne Regen haben Auswirkungen auf die vielen Gewässer der Schweiz. Dass beispielsweise der Bodensee aktuell weniger Wasser beinhaltet als üblich, ist nicht zu übersehen.
Berechnungen der deutschen «Bild»-Zeitung zeigen nun jedoch grob, wie viel Wasser tatsächlich fehlt: Angesichts des Pegelstands und der Fläche des Sees müssten es rund 550 Milliarden Liter Wasser sein!
«Wasserpflanzen in untiefen Stellen sterben ab»
Bilder von Nau.ch zeigen den tiefen Pegelstand eindrücklich. Zahlreiche Boote liegen auf Grund – teilweise dutzende Meter vom Wasser entfernt. Die Bootsfahrt ist deutlich eingeschränkt.
Doch der Wassermangel im Bodensee hat noch weit mehr Auswirkungen – wenn auch grösstenteils vorübergehende.
Piet Spaak vom Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs (Eawag) sagt gegenüber Nau.ch: «Wasserpflanzen in untiefen Stellen sterben teilweise ab.»
Was zunächst drastisch klingt, ist nur eine vorübergehende Folge des tiefen Pegelstands. Die meisten Pflanzen haben laut Spaak nämlich Wurzeln im Grund und kommen wieder zurück, sobald sich der Seespiegel erholt.

Er ergänzt: «Für das Ökosystem als Ganzes ist der tiefe Seespiegel kein Problem.» Fische würden beispielsweise einfach an andere Stellen des Sees gehen.
Auch Seewasser, das für Kühl- und Wärmeprozesse verwendet werde sowie Trinkwasser seien nicht gefährdet, da die Ansaugleitungen dafür tief lägen. Die Leitungen für das Trinkwasser sind laut Spaak beispielsweise rund 60 Meter unter Wasser.
Pegelstand vom Bodensee auf historischem Tiefstand
Wie eine Analyse des Eawags zeigt, lag der Untersee des Bodensees Ende September 39 Zentimeter unter seinem bisherigen Minimum. Dieses erreichte er Ende September 2003.
Auch der Zufluss des Sees ist stark zurückgegangen, er betrug im Sommer lediglich 28 Prozent der üblichen Menge. Ein Fünftel der Zuflussmenge ging durch die Verdunstung bereits wieder verloren. Üblicherweise liegt dieser Wert bei nur rund vier Prozent, so die Eawag-Analyse.
Verwunderlich ist das kaum: Laut dem Wetterdienst Meteo Schweiz war der vergangene Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864 der heisseste in der Schweiz. Begleitet wurde die starke Hitze mit einem extremen Niederschlagsdefizit und einer ausserordentlichen Trockenheit.
Retter warnen vor Einsink-Gefahr am freigelegten Ufer
Wer den tiefen Pegelstand des Bodensees für einen Spaziergang am freiliegenden Seeufer nutzen will, soll gewarnt sein. Laut der deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, einer Wasserrettungs- und Hilfsorganisation, können die freigelegten Flächen nicht bedenkenlos betreten werden.
Unter scheinbar festem Untergrund können sich demnach weiche und schlammige Bereiche befinden, in denen Menschen einsinken können.
Das beschreibt auch eine Facebook-Userin, die im August beim Schwimmen Ähnliches erlebte: «Und schwupp... stand ich Knietief im Schlamm und das Wasser bis zum Bauch.»













