Ostschweizer übernimmt Blumen-Geschäft – mit erst 22 Jahren

Wil,
Mit 22 Jahren übernimmt Roman Bollhalder die «Blueme Werkstatt» in Zuzwil SG. Der junge Florist wagt damit den Schritt in die Selbstständigkeit.

Roman Bollhalder steht in der Eingangstür der «Blueme Werkstatt» in Zuzwil SG. Seit einem halben Jahr übt er seine Leidenschaft, das Floristische Handwerk, in dem Blumengeschäft an der Hinterdorfstrasse aus.
Bald berät der 22-Jährige nicht mehr nur Kundinnen und Kunden, sondern trägt auch die Verantwortung für sieben Mitarbeiterinnen – per Januar 2027 gehört das Geschäft ihm. Damit erfüllt sich für Bollhalder ein Herzenswunsch.
Neue Herausforderungen
«Ich wollte schon immer etwas Eigenes haben», sagt der Florist aus Jonschwil. «Zwar nicht unbedingt so früh, aber Chancen sollte man ergreifen, wenn man sie vor sich hat.» Erst im Sommer 2024 schloss Bollhalder seine Ausbildung ab.
Eineinhalb Jahre später nahm die Inhaberin der «Blueme Werkstatt», Rahel Fässler, mit ihm Kontakt auf. Danach sei alles sehr schnell gegangen, erinnert sich der Jonschwiler. Für ihn gibt es viel Neues zu lernen.
«Die Personalführung ist für mich eine komplett neue Herausforderung. Auch die Altersverteilung ist eher ungewöhnlich», gibt der Florist zu. «Ich habe meine Stelle in der ‹Blueme Werkstatt› mit viel Respekt begonnen.»

Zu Beginn sei auch von Seiten des Teams eine merkliche Anspannung ausgegangen, welche sich aber glücklicherweise schnell gelegt hätte. «Wir sind wie eine kleine Familie. Das Team findet es toll, dass frische Ideen für mehr Effizienz sorgen», freut sich der Jonschwiler.
Blumencafé als Vision
An der Umsetzung einiger Vorhaben arbeitet er bereits. Die «Blueme Werkstatt» werde sich nicht grundsätzlich verändern, betont der 22-Jährige. Die Einrichtung würde sich etwas ändern und das Kassensystem modernisiert.
Doch das soll nicht alles sein: «Ich will mich verwirklichen und meine Kreativität ausleben. Darunter sind Visionen, die ich in einem Angestelltenverhältnis vermutlich nicht hätte ausleben können», verrät er.
Eine davon sei ein Blumengeschäft mit integriertem Café. Er könne sich gut vorstellen. «Ich bin mir sicher, dass die Idee Potenzial hat», betont Bollhalder.
Sobald er sich im Tagesgeschäft gut eingefunden habe, wolle er sich damit befassen. Unabhängig von dem Blumencafé könne er sich auch vorstellen, das Geschäft um einen weiteren Standort zu vergrössern.
Neueste Trends kennen
Der Umstand, dass es kleinere Geschäfte zunehmend schwieriger haben, bereitet Roman Bollhalder keine Sorgen. «Meiner Erfahrung nach schätzten die Leute unser Handwerk und die Beratung sehr.»
Wer gut berate, der könne auch langfristig einen Kundenstamm erhalten. Essenziell sei, immer die neuesten Trends und Techniken zu kennen.
«Da ist mein junges Alter ein Vorteil», ist sich der Florist sicher. Auch dass er sein Handwerk beherrscht, hat er im vergangenen Jahr bewiesen: An den Berufsmeisterschaften SwissSkils hat er im vergangenen Jahr Gold geholt und sich so für den Finaldurchgang in Bern qualifiziert.
Für die diesjährige Teilnahme in Shanghai reichte es nicht ganz aus – aber es gibt auch so genug zu tun.
Unterstützung des Teams
Um sich auf die Rolle als Geschäftsführer vorzubereiten, drückt er seit diesem Monat wieder die Schulbank. Der 22-Jährige absolviert die Berufsprüfung, die sowohl die Personalführung und Buchhaltung als auch das Handwerk beinhaltet.
Auch der Übergabeprozess ist in vollem Gange: «Im Moment renne ich von Termin zu Termin», sagt Roman Bollhalder und schüttelt lachend den Kopf. «Ich dachte, ich weiss, auf was ich mich einlasse – da habe ich mich selber gut getäuscht.»
Es sei zwar eine intensive, aber gleichzeitig sehr tolle Zeit. «Ich habe die volle Unterstützung des Teams, das motiviert mich sehr.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.







